URLAUB IN SÜDAMERIKA
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Tag 5: Henry Fords Kautschuk-Plantage Beltera
Unser Ausflug beginnt mit der Fahrt in einem landestypischen Bus ohne Klimaanlage und mit einer Starrachsen-Federung, die auch den tiefsten Schlaglöchern trotzt. Wir durchqueren die schöne Landschaft Amazoniens auf der Fernstraße Santarém-Ciuába in Richtung Süden. Auf einer kleinen Anhöhe, die markant das flache Gebiet überragt, gibt uns unser örtlicher Führer einen Überblick über die tropische Landschaft. Wir erkennen unterschiedliche landwirtschaftliche Methoden: Traditioneller Ackerbau und Viehwirtschaft, zum Teil noch mit radikaler Brandrodung. Dann, im Gegensatz dazu moderne, industrialisierte Produktionstechniken mit neuestem Gerätepark.
Schließlich erreichen wir Beltera, wo der amerikanische Autokönig Henry Ford versuchte, mit seiner Gummiplantage das europäische und südostasiatische Kautschuk-Monopol zu brechen. Mitten im tiefsten Urwald Amazoniens entstand eine am Reißbrett geplante Retortenstadt mit Platz für mehrere tausend Einwohner nach dem Vorbild einer US-Kleinstadt, um im großen Maßstab Kautschuk produzieren zu können.
Es gab Strom aus eigenem Elektrizitätswerk, fließendes Wasser, Telefon und befestigte Straßen, Restaurants, Sozialeinrichtungen, Schulen mit kostenlosem Unterricht und die modernste Klinik Amazoniens für die Behandlung der Kautschuk-Zapfer und ihrer Familien. Trotz dieser diese Vorteile und die Auszahlung doppelter Löhne war dies nichts für die Mentalität der Einheimischen, denn die kamen mit dem straff organisierten Tagesablauf nicht klar. So mangelte es bald an qualifiziertem Personal und die verringerte Nachfrage nach Kautschuk durch die Kunststoff-Entwicklung bedeutete dann das wirtschaftliche Aus für nahezu alle Kautschukproduktionen der Welt.
Wir schlendern durch den gut erhaltenen Ort, der noch von den Einheimischen genutzt wird – eine nennenswerte Gummiproduktion gibt es jedoch nicht mehr. Erschöpft durch Hitze und Luftfeuchtigkeit sinken wir in die Plastikstühle eines landestypischen Lokals und lassen uns das einheimische Bier schmecken. Die anschließende holprige Rückfahrt beendet diesen eindrucksvollen Tag. Die Ausflugsbeschreibung an Bord hatte nicht zu viel versprochen: „Für gehbehinderte nicht geeignet. Englischsprachige örtliche Guides. Festes Schuhwerk, bedeckende Kleidung (incl. Insektenschutz), ausreichend Trinkwasser. Begrenzte Teilnehmerzahl, lange Fahrtzeiten in sehr einfachen, nicht klimatisierten Bussen. Für Gäste mit Rückenproblemen aufgrund der sehr holprigen Fahrt nicht geeignet.“ (Original-Text). Doch es ist ein wirklich beeindruckender Ausflug, der alle Strapazen lohnt.



