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Wandern auf dem Karnischen Höhenweg zwischen Ost- und Südtirol
Unterwegs als Grenzgänger
Der Karnische Höhenweg ist 155 Kilometer lang, passiert neun Hütten und 20 Gipfel. Westlicher Startpunkt ist der Osttiroler Ort Sillian, östlicher Endpunkt Kärntnerische Arnoldstein.
Der Höhenweg kann in Tagestouren erkundet oder in einer guten Woche komplett erwandert werden. Viele Abschnitte sind für Familien geeignet.
Ausweisung und Pistenbeschaffenheit sind gut, Schilder und Markierungen weisen den Weg. Knifflige Gipfel können wahlweise umgangen oder erkraxelt werden.
Friedensweg
Die Route folgt in weiten Teilen der einstigen Front zwischen Österreich und Italien während des Ersten Weltkriegs. Das brachte der alpinen Weitwanderroute den Beinamen „Friedensweg“ ein. Die in Stand gesetzten alten Kriegspfade passieren Stellungsreste, Steiganlagen und Schützengräben. Die Italiener gingen als Sieger aus den Kämpfen hervor und eroberten Südtirol.
Noch lange nach der Grenzverschiebung belauerten sich die beiden Nationen am Karnischen Kamm. Heute sind die Posten verlassen, ebenso wie die verstreut liegenden Zollhäuschen. Nur die in den Stein eingeritzten Namen der Kompagniemitglieder und die Kreuze auf Kriegerfriedhöfen sind übrig geblieben.
Matratzenlager und Sprachgewirr
Das Örtchen Sillian im Drautal ist der westliche Startpunkt des Karnischen Höhenweges. Von 1103 Höhenmetern windet sich die Route hinauf bis zur Siliianer Hütte (2447 Meter). Wer die Strapazen des Aufstiegs gemeistert hat, bewegt sich fortan auf dem Karnischen Kamm, meist ohne kräfteraubende Höhenunterschiede.
Die Sillianer Hütte ist Jausenstation und Quartier in einem und erhebt sich über einer steilen Alm. Auf der Hütte herrscht italienisch-deutsches Sprachgewirr, denn aus Richtung Innichen und Sexten kommen italienische Ausflügler herauf. Schon für zwölf Euro können Wanderer dort eines der Nachtquartiere im Matratzenlager oder Mehrbettzimmer beziehen. In der Hauptsaison sollten Wanderer ihre Bettstatt vorbestellen.
Verkohle Wanderschuhe
In der Sillianer Hütte stehen rustikale Gerichte wie Tiroler Knödel mit Sauerkraut, Würstchen oder Sachertorte auf der Speisekarte. An einer Wand hängen verkohlte Wanderschuhe als Warnung vor Unwettern. „Nein, die sind nicht wirklich von einem Gewitteropfer“, räumt einer der Kellner lachend ein. „Die haben wir in den Ofen gesteckt. Aber sie sollen Wanderer vor Leichtsinn warnen.“ Tatsächlich sind die Sommergewitter berüchtigt. Blitzeinschläge fegen nicht nur Rinder, Ziegen und Schafe von den Felsvorsprüngen. Das Herbstwetter ist beständiger.
Pittoreske Ausblicke
Der Karnische Kamm führt die Wanderer durch eine abwechslungsreiche, pittoreske Landschaft.
Die schroffen Gipfel der Lienzer Dolomiten, der rundliche Rosskopf oder die Dreischusterspitze erheben sich zwischen Moor, kleinen Seen und Almwiesen. Auch der schneebedeckte Gipfel des Großglockners lugt hervor. Auf vielen der sonnigen Almen tummeln sich Murmeltiere. Wie rund um die Hollbrucker Spitze. Wer sie nicht erspähen kann, hört zumindest ihre hohen Warnpfiffe. Sie alarmieren ihre Murmelfamilie beispielsweise beim Anflug eines Steinadlers.
Schwarze Routen
Manche Routenabschnitte sind mit schwarzen Punkten markiert, einem Zeichen für anspruchsvolle Strecken. So ist der Weg zum Hollbrucker Kreuz nichts für schwache Nerven, Höhenangst und unsichere Füße. Wer sich überwindet, wird für die Schinderei mit einem tollen Ausblick belohnt.
Unterwegs heften sich zuweilen Ziegen an die Fersen der Wanderer. Ob sie wegen der Streicheleinheiten oder wegen der vermeintlichen Leckerbissen aus dem Brotbeutel mitzockeln, bleibt ein Rätsel.
Text: Berit Böhme









