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Sehenswürdigkeiten auf Saaremaa und Muhu
Weiß getüncht und trutzig sind die Kirchen der Gegend. Als Kleinod gilt Karjas Katarinenkirche, sie war sogar der Post eine Sondermarke wert. Die Popularität bewahrt die kleine evangelische Gemeinde nicht vor Geldknappheit. Das moderate Eintrittsgeld reicht nicht, um das Gotteshaus aus dem 14. Jahrhundert zu unterhalten.
Im Innern erzählen Steinmetzarbeiten aus dem Leben der Heiligen Katarina und Nikolaus. Auch der Teufel stiert von den Wänden. Mittelalterliche Schutzzeichen zieren die Decke, und im Kaminzimmer über der Sakristei fanden Pilger eine Bettstatt.
Unweit von Karja erhebt sich der Mühlenberg von Angla. Um 1900 drehten sich auf Saaremaa 800 Windmühlen, jetzt ist nur noch eine Handvoll übrig. Angla vermittelt einen Eindruck von der einstigen Windkraftarmada. Vier klapprige Bockmühlen und ein Erdholländer stehen dort beisammen, sind aber nicht mehr in Gang.
Saaremaa ist an der Ostküste seit 1896 durch einen 3,6 Kilometer langen Damm mit Muhu verbunden. Kurz vor dem Damm liegt Orissaare. Der Ort macht durch seine Liebe zu Bäumen von sich reden. Mitten auf dem Fußballplatz steht eine prächtige Eiche. „Wenn man wirklich gut spielt, stört sie nicht", versichern Orissaares Kicker.
Das Dorf Koguva an Muhus Westküste hat sein Antlitz über die Jahrhunderte kaum verändert. Kähne erholen sich dort bäuchlings von der letzten Ausfahrt, Fischernetze flattern im Wind und Holz- und Steinkaten ducken sich unter moosbedeckten Reetdächern. Die Dorfstraße schlängelt entlang der Trockenmauern. Alle 105 Gebäude Koguvas stehen unter Denkmalschutz, die meisten sind bewohnt. Der Rest wurde zu Museumsräumen umfunktioniert, zu sehen sind beispielsweise eine traditionelle Rauchsauna und eine Dorfschule. Das Textilmuseum widmet sich den farbenfrohen Muhu-Trachten und floralen Stickereien. Um auf Brautschau befindliche Burschen zu beeindrucken, trugen die Muhu-Mädchen drei bis vier Lagen Strümpfe übereinander. Die Männer suchten kräftige Gefährtinnen, die während ihrer langen Abwesenheit auf See den heimischen Hof bewirtschaften konnten.
Muhu und Saaremaa zählten einst etliche Gutshöfe. Viele wurden in der Sowjetzeit zu Kolchosen und Industrieanlagen umfunktioniert, endeten als Mietskasernen oder verfielen. Andere wie das in U-Form angelegte Landgut Pädaste wurden liebevoll saniert. Die ehemaligen Wirtschaftsgebäude Meierei, Tischlerei, Kornspeicher und Stall wurden zu Hotel, Restaurant und Wellnessbereich umfunktioniert. Dort umfängt die Besucher „simpler Luxus", sei es beim Bad mit Elchblick, einem Gläschen am Kamin oder einem Menü aus lokalen Leckereien. Das Gut mit seinem weitläufigem Park liegt direkt an einer unter Naturschutz stehenden Bucht.
Text: Berit Böhme




