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Die Insel Nisyros - das können Sie sich in ihrem Urlaub ersparen

Die Insel Nisyros ist ein häufiges Ausflugsziel: Ein Blick auf die Küste von Mandraki. Fotos: Kamel

Die kleine Insel Nisyros mit ihren knapp 1.000 Einwohnern liegt in der direkten Nachbarschaft zur Insel Kos. Und hier kehrt wirklich nur Leben ein, wenn die Ausflugsboote mit den Touristen aus Kos im Hafen von Mandraki anlegen. Die sind aber wirklich nicht um das Ziel ihrer einstündigen Bootsfahrt zu beneiden. Denn sie haben ihren schwer verdienten Urlaub unterbrochen und sind von bunt ausgeschmückten Beschreibungen der Reiseleiter hier hergeködert worden.

Es ist leider eine Tatsache, dass ein Ausflug zur benachbarten Insel Nisyros als das Highlight von jedem Kos-Urlaub gehandelt wird. Also zahlt der ahnungslose Urlauber so etwa 30 Euro pro Person, um dann mit der Einsicht abzureisen, dass es auf Nisyros wirklich nichts mit eigenen Augen zu sehen gibt, was nicht schöner in einem Reiseführer abgebildet ist.

 

Vor dem Kraterschlund - Auge in Auge mit der lauernden Gefahr

Urlaub auf Nisyros: Der mächtige Stefanos-Krater ist das absolute Highlight der Insel.

Neben vulkanischen Eruptionen hielten auch einige stärkere Erdbeben die Bevölkerung der Insel lange Zeit in Atem. Bis heute gibt es täglich Erdbeben, die aber so gering sind, dass man sie nicht spürt. Einer Sage nach liegt das an dem Gott Polybotes. Er wurde, bei einer Auseinandersetzung mit dem Meeresgott Poseidon, unter einem herausgerissenen Felsblock direkt unter der Insel begraben. Dabei kam er allerdings nicht ums Leben, und so machen sich seine Bewegungen unter dem Gestein bis heute als Erbeben bemerkbar. Deshalb wird der berühmteste Krater der Vulkanlandschaft auch Polybotes oder Stefanos genannt.

 

Aber zunächst einmal werden die ankommenden Touristen auf verschiedene Busse aufgeteilt. Denn es geht schließlich zum Wahrzeichen der Insel - dem Vulkan von Nisyros. Die Fahrt dauert circa 20 Minuten und führt durch das bergige Umland. Und von oben sieht die Kraterlandschaft wirklich beeindruckend aus. Einziges Problem: Es wird keine kurze Photopause eingelegt. Wer also ein Andenken an diesen Anblick mit nach Hause nehmen will, muss sich wohl oder übel einen gut bebilderten Reiseführer zulegen.

 

Unten angelangt, folgt ein kurzer Vortrag der Reiseleiterin. Anschließend hat man dann ungefähr eine halbe Stunde Zeit, um den Stefanos Krater nach Herzenslust zu erkunden. Jetzt kommt spätestens die erste Ernüchterung: Geologen und andere hausgemachte Wissenschaftler kriegen mit Sicherheit kalte Schweißausbrüche beim Anblick von diesem Naturphänomen und auch während der Busfahrt durch die Berglandschaft konnte der Leihe von oben schon einige atemberaubende Blicke auf die Vulkanlandschaft erhaschen. Nun steht man aber in sengender Mittagshitze auf einem Plateau, und schaut in ein gelblich eingefärbtes Kraterloch. Übelriechende Schwefelschwaden umspielen sanft die Nase des gequälten Urlaubers. Kann er der Verlockung widerstehen, oder wird er sich hinab in den Krater wagen? Die Entscheidung ist schwer, denn auf dem Kraterboden warten zahlreiche Gefahren. Nur nicht die Blicke von den Füßen abwenden, sonst tritt man noch in ein heißsiedendes Kraterloch oder wird von einer giftigen Spinne angesprungen.

Dann ist die halbe Stunde auch vorbei und man bewegt sich Richtung Reisebus um in die idyllische Hafenhauptstadt Mandraki zurückzukehren

Die Hafenstadt Mandraki - Urlaub zum Abgewöhnen

Der Urlaub in Nysiros führt durch die kleinen Gässchen der Inselhauptstadt Mandraki. Über ihnen thront das Johanniter-Kastell.

Der Rückweg durch die Berglandschaft gibt die Sicht auf den ehemaligen Kurort Loudra frei. Die Gebäude sind zwar verfallen, trotzdem kann man bis heute die schwefelhaltigen Thermalquellen kostenlos aufsuchen. Auf der Fahrt erhascht man außerdem einen Blick auf das malerische Hafendörfchen Pali.

 

In Mandraki angekommen, führt der Weg durch die kleinen verwinkelten Gässchen des Ortes. Höhepunkt ist das zerfallene Johanniter-Kastell, das auf einem Felsen über der Stadt thront. In ihm ist die altertümliche Kirche Agia Spilani untergebracht. Ob sich der nicht gerade kurze Aufstieg nach oben lohnt, ist Ansichtssache. Denn außer einer schönen Aussicht über Küste und Ort ist nur noch die erfrischende Kühle in der Kirche hervorzuheben. Wieder unten angelangt, stehen als nächstes die sogenannte Zyklopen-Mauer des Paliokastro (viertes Jahrhundert vor Chr.) und die kleine griechisch-orthodoxe Kirche auf dem Programm. Wer anschließend den unbedingten Drang verspürt seinen Geldbeutel etwas erleichtern, sollte durch die kleinen Souvenirläden des Städtchens streifen. Das Angebot ist zwar eher unspektakulär, die Preise sind allerdings eher happig.

Aber man ist schließlich im Urlaub; und da darf nach soviel Anstrengung die leibliche Stärkung natürlich nicht zu kurz kommen. An der Uferstraße finden sich zahlreiche Tavernen und Straßencafes. Zu den örtlichen Spezialitäten gehören unter anderem der hausgemachte Marzipansaft, Gerichte und Salate mit Kapernblättern und die gefüllte Kartoffeln – wahlweise mit Thunfisch, Gemüse oder Tzatziki. Letztere sind wirklich sehr schmackhaft und bei "Snack Bar Irenes Special Pizza" zu genießen. Von den hochgelobten Gyrosgerichten, die hier ebenfalls angeboten werden, ist aber eher abzuraten. Das Fleisch ist labberig und geschmacksneutral.

 

Die Einzigen, die im Urlaub auf Nisyros wirklich auf ihre Kosten kommen, sind wahrscheinlich die Wanderfreunde. Ein Weg führt vom Kloster Evangelistria zum Vulkan und die absolute Königsdisziplin ist die Besteigung des Profitis Ilias. Was allerdings den Bade-Urlaub angeht, ist man in Nisyros eher fehl am Platz. Die einzige Bademöglichkeit in Mandraki ist der schwarze Steinstrand zu den Füßen des Kastells. In dem zwar sauberen Wasser lauern aber einige Seeigel.

 

Text: Ragah Kamel


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