OSTERN IN UNGARN
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Ungarn: Mit den Palozen Ostern feiern
Eine schmale Straße schlängelt sich das Galga-Tal hinauf. Die Fahrt geht durch Dörfer, vom ersten frischen Grün überzogene Wiesen und Wälder. Dazwischen liegen die braunen Vierecke der noch kahlen Felder. Einige Hänge leuchten vom Gelb der Adonisröschen. Das sanft gewellte Cserhát-Gebirge macht einen bescheidenen, ländlichen Eindruck. Die Bewohner selbst verstehen sich als das Herz des Palozenlandes. Alte Frauen in schwarzer Tracht stehen schwatzend vor ihren Häusern; mädchenhaft kurz wippen die aufgebauschten, plissierten Röcke.
Die Palozen sind eine kleine Volksgruppe mit eigenen Bräuchen, Traditionen und Dialekt. Die Ungarn erkennen sie vor allem an der eigentümlichen Aussprache – ein für Ausländer zu vernachlässigender Gesichtspunkt bei dem ohnehin zungenbrecherischen Ungarisch. Ihre Herkunft ist nicht geklärt. Heute besiedeln sie Teile von Nordungarn, vor allem das Cserhát- und angrenzende Mátra-Gebirge. Trotz der malerischen Landschaft ist die Gegend ein touristisches Niemandsland. Am Ufer des Dorfteiches von Cserhátsurány sitzen einige Männer und angeln, der ungarische Volkssport schlechthin. Auf einem Hügel erhebt sich die gotische Kirche, deren Turmspitze sich im Wasser betrachtet. Der Pfarrer erzählt, dass der achteckige Turm während der Türkenzeit als Minarett diente.
„Beim Wein geht die Zunge auf Stelzen“, sagt Magdi und öffnet mit einem großen Schlüssel die Kellertür unter ihrem Haus, einer kleinen Pension in Gyöngyöspata am Fuß des Mátragebirges. An den Wänden des nur spärlich beleuchteten Tunnels lagert der Rebensaft in säuberlich aufgeschichteten Flaschen. Die Temperatur liegt das ganze Jahr um die zehn Grad Celsius. Beim tiefroten, samtigen Kékfrankos (Blaufränkischer) erzählt die Gastgeberin, wie sie die Winzerei von ihrem Vater gelernt hat.
Eine einsame Stichstraße führt nach Hollókő (Rabenstein), gesäumt von Obstbäumen, Wiesen und Brachland. Trotz der Abgeschiedenheit ist das Gelände um das Dorf mit Autos übersät. An den beiden Ostertagen erwacht das 1987 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärte Örtchen aus seinem Winterschlaf und verwandelt sich in einen fröhlichen Jahrmarkt. In einem Potpourri aus Farben und kunstvollen Stickereien tanzen die Frauen einen Reihentanz im Festtagskostüm.
Die Ansagerin erstrahlt ganz in Weiß, und ihr Rock steht noch höher in der Luft als der der Tänzerinnen. Mit einem spitzbübischen Lächeln erklärt Adrienn Szabó, dass statt des Petticoats sechs gestärkte Leinenröcke ihren Plisseerock tragen, ein zentrales Utensil einer Palozenbraut. Die Tracht, die sich so gar nicht zum Sitzen eignet, hat ihre Mutter aus alten Erbstücken und neuen Stoffen selbst genäht.
Die beiden alten Dorfstraßen um die winzige Kirche gleichen einer Flaniermeile. Zwischen den pittoresken, weiß gekalkten Häusern mit dem typischen hölzernen Umgang wogt ein Besucherstrom gemächlich auf und ab. Traditionell gekleidete Frauen verkaufen in mit Blumen übersäten Höfen und Gärten ihre Spezialitäten. Vor allem der Duft nach frischem Strudel übt eine magische Anziehungskraft aus. Auf dem Handwerkermarkt bieten Händler lautstark Körbe, Osterschmuck und handgewebtes Leinen an. Beliebt ist das Eiermalen. Mit einem in heißes Wachs getauchten Metallröhrchen werden Linien, Tupfen oder Blumenmotive auf ein ausgeblasenes Ei aufgetragen. Dann wird das Ei in einem Farbbad gewälzt, und das Muster tritt zu Tage.
Im schattigen Hof eines Holzschnitzers verweilen einige Besucher. Frenc Kelemen sitzt unter einem gelb leuchtenden Forsythienstrauch, vor ihm ein Kasten mit allerlei Werkzeugen, und schnitzt an einem Becher mit urtümlichem Schlangenmotiv. Nicht ohne Stolz erwähnt er wie Beiläufig, dass er für seine feinen Holzarbeiten schon viele Preise gewonnen hat. Plötzlich kreuzt eine Gruppe kreischender Mädchen die Straße, gefolgt von einer Horde Jungen mit Wassereimern. Die in den Brauch eingeweihten Ungran zücken blitzschnell ihre Kameras, um den Moment des „Übergießens“ im Bild festzuhalten. Diese Ostersitte gibt es in ganz Ungarn, jedoch nur mit einigen Tropfen Parfüm!
Am Ende des Dorfes führt ein Treppenaufgang durch ein niedriges Wäldchen zur Burg Rabenstein. Fantastisch ist der Ausblick auf die roten Ziegeldächer inmitten der weiten, harmonischen Hügellandschaft. Die Frage, wie das Leben in Hollókő an einem ganz normalen Tag ist, beantwortet sich in dieser Stille von selbst. Ein Grund mehr wiederzukommen.
Informationen
Das ungarische Dörfchen Hollókő liegt nordöstlich von Budapest und ist am besten über die Hauptstadt zu erreichen.
Anreise: Alle großen Fluglinien sowie auch einige Billig-Airlines wie German Wings bieten täglich Flüge nach Budapest an. Von der Hauptstadt kann man Hollókő mit dem Auto bzw. Mietwagen bequem erreichen.
Mietwagen: Außer den internationalen bekannten Mietwagenfirmen ist Fox Autorent besonders zu empfehlen. Vorbestellte Wagen werden zum gewünschten Ort gebracht, Tel. 0036-1-3829000, e-Mail: fox(at)fox-autorent.com, www.fox-autorent.com.
Übernachtung: Zimmer mit guter Kueche und altem Weinkeller bietet Frau Magdolna Bernáth in Gyöngyöspata, Arany Janos utca 10, Tel: 0036-37-364012, b.magdolna(at)freemail.hu Frau Bernáth spricht ausgezeichnet Deutsch.
Ungarisches Tourismusamt: Bei Fragen und Reservierungen hilft das Ungarische Tourismusamt weiter, www.ungarn-tourismus.de, berlin(at)ungarn-tourismus.de, Tel: 030-243146-0





