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Nordholland, mit dem Boot zum Supermarkt

Fischreiher sieht man sehr oft

Fischreiher sieht man sehr oft. Fotos: Hans-Joachim Franzen

Wir erklären einen Tagesausflug ins wasserreiche Nordholland zum Komplett-Urlaub im praktischen Taschenformat: Gemütlich mit dem Fahrrad auf einem der breiten Radwege die Kanäle entlang fahren, zwischendurch ein Espresso in einem Seecafe trinken oder ein komplettes holländisches Frühstück einnehmen und später vielleicht eine Segeljolle mieten, um auf einem der Seen seine Segelkenntnisse aufzufrischen.

Mit dem Boot durch rietgesäumte Kanäle schippern, eine Badepause im nächsten menschenleeren See einlegen und keine 10 Minuten später am Supermarkt anlegen und lecker Vla und Erdbeeren an Bord holen.

Ich wundere mich über die großzügig angelegte Feriensiedlung in Belt-Schutsloot, nördlich von Zwolle, mit ihren üppigen Häusern und den ganzen planschenden Kindern. Etwas neidisch nehme ich darauf den Hinweis zur Kenntnis, dass die Menschen hier nicht zum Urlaubmachen seien, sondern tatsächlich in dieser Idylle aus tausenden von kleinen Kanälen leben. Wir sind aber zum Urlaubmachen hier - und zwar für genau einen Nachmittag.

 

Schafe und Lämmer am Wegesrand

Schafe und Lämmer am Wegesrand

Mitten zwischen den nett herausgeputzten Häusern liegt das bodenständige Lokal und Café "Waterlelie", wo wir an Bord gehen. Für etwa 10 Euro pro Stunde kann man hier ein Boot mieten, das mit einem Aku-Motor jede körperliche Ertüchtigung zur Fortbewegung erspart und recht leicht zu steuern ist.

Erholsam fährt man also in gemächlichem Tempo, welches in zwei Stufen regelbar ist, quasi durch die Gärten der Anrainer. Wir überlegen: Kann man hier als Anwohner wohl per Boot Brötchen zum Frühstück holen? Kann man. Rechts um die Ecke ist zum Beispiel direkt ein kleiner Supermarkt. Man bekommt von frischem Obst und Gemüse über Paniermehl bis zu Streichhölzern alles.

Brötchen wollen wir natürlich nicht, die gibt es bei uns schließlich auch. Stattdessen holen wir Vla - den holländischen Trinkpudding - Chocomel und Erdbeeren, die zugegebenermaßen bei uns auch schon mal im Einzelhandel gesichtet worden sein sollen, aber farblich und jahreszeitlich unbedingt ins Boot gehören.

 

Alte Zugbrücke

Alte Zugbrücke

Jahreszeitlich gehört auch ein Bad in einem der kleinen Seen, zum Hollandurlaub in Kompaktform dazu. Noch ist das Wasser aber frisch, und der Einstieg zurück ins Boot ist auch nicht ganz so bequem. Also vielleicht doch lieber auf dem Sitzbrett langlegen und eventuell einen Fuß ins Wasser baumeln lassen?

Ein klein wenig mehr Zeit sollte man für den Rückweg einplanen, wenn man eine Runde drehen möchte. Die schmalen Abzweigungen, die auf der Karte der "Waterlelie" eingezeichnet sind, lassen sich im Schilf nicht unbedingt mühelos erkennen. Aber auch ein kurzer Trip in eine Sackgasse kann nett sein. Wir landen an einer der Windrad-Pumpen, die das Gebiet entwässern und uns somit volle Kanäle zum Bootfahren bescheren.

Wir fahren mit dem Boot noch schnell zum Mülleimer und bringen es dann sicherheitshalber über die größeren Wasserwege zügig zurück zum Restaurant. Vier Stunden sind um und fast ein Urlaub, der mit einer holländischen Pommes im nahegelegenen Zwartsluis endet.

Verständlich, dass Tourismus neben Landwirtschaft der Haupt-Wirtschaftszweig der Gemeinde Brederwiede ist, zu der Belt-Schutsloot gehört. Schöne Naturschutzgebiete, Seen, Kanäle und niedliche Dörfer gibt es eben nicht überall so kompakt auf 140 Quadratkilometern - auch wenn der Name "Venedig des Nordens" für den Ortsteil Giethorn vielleicht ein wenig zu idealistisch ist.

 

Hund mit Ball

Hund mit Ball

Jedenfalls muss man den Urlaub hier nicht wirklich kompakt halten, auch mehr Zeit lässt sich problemlos füllen. Statt mit Boot macht es beispielsweise auch Spaß, per Rad diese Naturlandschaft anzugucken - deren starke Formung durch Menschenhand kein Stück stört. Dass etwa Franziskaner-Mönche einst in Weerribben und Wieden Torf abbauten, um Brennstoff herzustellen nehmen wir ihnen zumindest nicht übel, hinterließen sie doch eine abwechslungsreiche Region voller Grachten, Äcker und Wieden (Überflutungsseen).

Wer seinen Urlaub nicht allein mit Landschaft vollkriegt, dem seien die umliegenden kulturellen Einrichtungen empfohlen. In Dwingeloo gibt es ein Planetarium, in Westerbork ein Sternzentrum; das Leben auf der Erde bringt der Zoo in Emmen oder das Delfinarium in Harderwijk näher. Meppel hat eine sehenswerte historische Innenstadt, deren Herz das charakteristische Meppeler Tor bildet. Traditionell findet man hier den wöchentlichen Donnerstags-Markt, und auch an der Ladenpromenade lässt sich gemütlich einkaufen. Ebenso ist ein Bummel durch die Hansestädte Zwolle und Kampen sowie eine Gondelfahrt in Giethoorn oder im Winter Eislaufen in Zwartsluis etwas für einen Urlaub im Großformat.


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