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Heart of England

Idyllisches Mittelengland: Somerby, Lincolnshire. Foto: Visit Britain

Natürlich ist das "Heart of England" in erster Linie ein geographischer Begriff, aber viele Besucher dieses Landstrichs sind davon überzeugt, dass England nirgendwo englischer sei als hier. Grüne Hügel, malerische kleine Dörfer und Orte, die ihr mittelalterliches oder georgianisches Stadtbild weitgehend bewahrt haben, vermitteln ein so typisches Bild, dass es niemanden überraschen würde, wenn Miss Marple unvermittelt um die nächste Ecke böge, was selbstverständlich nicht bedeutet, dass diese Gegend eine ganz besonders hohe Rate ungelöster Mordfälle aufzuweisen hat. Gut erkunden lässt sich das Herz von England auf verschiedenen Auto-Routen - am stilvollsten natürlich in einem Jaguar XK 150 oder Aston Martin DB 2 ...

Geister, Mönch und Keltenkönig

Die Grafschaft Shropshire, an der Grenze zu Wales gelegen, kann – zumindest was kontinentaleuropäische Besucher der Insel angeht – als ein echter Geheimtipp bezeichnet werden. Abseits bekannter touristischer Ziele bietet es sich für all jene an, die Ruhe und Erholung suchen, aber auch Kultur und typisch Britisches zu schätzen wissen.

Typisch Britisches? Nun, sicher ist, dass man auf der falschen Seite fährt und dass es spukt. Ein wahres Dorado für ”Geisterfahrer” der ganz besonderen Art also und genau für diese bieten sich die beiden Ghostly Shropshire Car Trails an. Der Brimstone Trail beginnt in Shrewsbury, und der furchtlose Besucher kann dort im Dun Cow Inn nächtigen, das von den Geistern längst verstorbener Mönche der nahe gelegenen Benediktiner-Abtei heimgesucht wird. Wer bei Sonnenaufgang in Ratlinghope vorbeikommt, darf sich nicht wundern, wenn der Weg von einem von zwei Pferden gezogenen Leichenwagen gekreuzt wird, dem eine Prozession schwarz gekleideter Trauernder folgt.

Auch der, etwas weiter im Südosten gelegene, Phantoms Trail hat für die Freunde gepflegten Gruselns einiges zu bieten.

Für die Liebhaber der Romane von Ellis Peters bietet sich einer der vier Brother Cadfael Car Trails an. Die 40 bis 85 Kilometer langen Rundstrecken führen an die Schauplätze verschiedener Bruder-Cadfael-Romane und dem mit dem entsprechenden Band der Reihe um den beliebten Detektiv in der Mönchskutte bewaffneten Besucher wird es nicht schwer fallen, sich in das England des frühen 12. Jahrhunderts zurückzuversetzen.

Kultur schwarzweiß und flüssig

Foto: Visit Britain

Von Chester im Norden bis Ross-on-Wye im Süden schlängelt sich auf einer Länge von 280 Kilometern der Hidden Highway durch die malerische Landschaft. Entlang dieses Weges befinden sich nicht weniger als 18 Liegenschaften im Besitz von English Heritage, zehn des National Trust, ein Weltkulturerbe, zwei Kathedralen, Dutzende von Burgen und eine Unzahl von Antiquitäten- und Kunsthandwerksgeschäften. Hier kommen sowohl Romantiker als auch Kulturliebhaber und ambitionierte Shopper auf ihre Kosten.

Unbedingt sehenswert ist das an einer Schleife des Severn gelegene Shrewsbury, die wohl schönste Tudor-Stadt der gesamten Britischen Inseln. Einige Kilometer südöstlich der Stadt befindet sich ein Kulturdenkmal neuerer Zeit: Ironbridge, die erste Eisenbrücke der Welt und heute Weltkulturerbe. 1777 bis 1779 erbaut, markiert ihre Errichtung den Beginn des Industriezeitalters.

Auch Ludlow, am Zusammenfluss von Teme und Corve gelegen, lohnt einen Besuch, gilt die im 12. Jahrhundert um eine normannische Burg herum entstandene Stadt doch vielen als Archetyp einer ländlichen englischen Kleinstadt. Nicht weit von Ludlow entfernt befindet sich Stokesay Castle, ein perfekt erhaltenes befestigtes Herrenhaus aus dem 13. Jahrhundert und ein gutes Beispiel, wie ein zu Wohlstand gelangter Kaufmann des Mittelalters gelebt hat.

Im Land der frei laufenden Löwen

Cotswolds, Hereford & Worcester. Foto: Visit Britain

Die zwischen Severn und Themse gelegenen Cotswolds als romantisch zu bezeichnen wäre eine Untertreibung, derer sich selbst der zurückhaltendste Brite nicht bedienen würde. Sehen wir der Tatsache ins Auge: Die Landschaft ist einfach wunderschön und die aus honigfarbenem Sandstein erbauten Dörfer und Städtchen und die traditionelle Architektur harmonieren aufs trefflichste mit der sie umgebenden Natur. Im 16. und 17. Jahrhundert kamen die Bewohner der Cotswolds durch die Produktion und den Handel von Wolle zu einigem Wohlstand und noch heute kann der Besucher auf seiner Reise unvermittelt einem Cotswold Lion gegenüberstehen, einer alten, urtümlich anmutenden Schafrasse, die unverändert gezüchtet wird.

Die Romantic Road erschließt die Landschaft in zwei großen Schleifen von Cheltenham, einem Kurbad in schönster Regency-Architektur, aus und führt durch Orte, die mit Recht zu den malerischsten auf der Insel gezählt werden dürfen. Erwähnt seien hier nur Broadway, Chipping Camden oder Bibury, von dem William Morris meinte, es sei das schönste Dorf in England.


Text: Thomas Rudolf


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