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Gotland: Ostseeurlaub mit Mittelmeerklima

Blick auf den Hafen von Visby.
Vor 12.000 Jahren tauchte die Kalksteinplatte zum ersten Mal aus dem Meer auf.
Die Ostsee hatte noch lange nicht ihre endgültige Gestalt angenommen, und so verschwand die Landmasse immer mal wieder von der Bildfläche.
„Tagsüber unter Wasser, tauchte die Insel nur nachts auf. Erst als das Feuer nach Gotland gebracht wurde, blieb es für immer an der Oberfläche.“
So berichtet es jedenfalls eine alte Legende, die auf der Insel erzählt wird.
Ostsee-Insel mit Mittelmeerklima
Heute ist Gotland mit 150 km Länge und 50 km Breite die größte Insel der Ostsee. Obwohl nur 70 km vor der schwedischen Ostküste, hat die Insel fast schon Mittelmeerklima. Milde Winter und trockene Sommer, mit weniger Niederschlag als München oder Hamburg, machen Gotland zu einem beliebten Badeziel.
Schon der Schwede Carl von Linné wunderte sich über die Vielzahl von Pflanzen, die es hier, aber auf dem Festland nicht gab. Felder, von Hecken eingegrenzt, baumumstandene Gehöfte und unberührte Natur prägen das Landschaftsbild Gotlands. Das Gotland-Schaf, eine alte Rasse grast auf den Wiesen, knabbert aufkeimende Bäume ab und hält so die Landschaft offen.
Eine stille Insel, durch Seehandel reich geworden

Landskirche
Still wirkt Gotland auf den Besucher. Viele der Gehöfte stehen leer. Entweder gab es keine Nachkommen und die Gebäude verfallen langsam, oder die neuen Besitzer leben auf dem Festland – sind nur noch Sommergäste.
Ein junger Bauer, der mit seiner Frau einen kleinen Hof bewirtschaftet, sagt: „Wir brauchen die Luft und das Meer“.
Wer aber auf der Insel bleibt, würde nie weggehen. So wie früher, als drei Generationen unter einem Dach lebten, kann er sich das Leben allerdings nicht vorstellen. Allein, für sich selbst entscheiden – so steht er in bester Gotland-Tradition. Schon immer kamen die Bauern ohne Fürsten und Könige aus, organisierten ihr Leben in Eigenverantwortung.
Und der Bevölkerung erging es dabei nicht schlecht.
Münzen legen Zeugnis ab
Schon den ersten Siedlern muss es gutgegangen sein. Aus der Bronzezeit (1550 – 500 v. Ch.) findet man Schiffssetzungen, Gräber in Schiffsform von enormer Größe. Aus dem 5. bis 6. Jahrhundert n. Ch. findet man zwischen Gothem und Kräklingbo eine Totenstadt mit über 300 Rundgräbern.
Etwa zur gleichen Zeit tauchen auch Bildsteine auf. Ein immer wiederkehrendes Motiv ist das Schiff. Die Seefahrt hatte die Gotländer reich gemacht. Man trieb Handel mit England und Byzanz und Nowgorod, tauschte Honig und Bernstein gegen Gold, Silber und kostbare Stoffe.
Von der regen Handelstätigkeit zeugen die vielen arabischen, römischen und byzantinischen Münzen. Es wurden so viele Münzen wie sonst nirgendwo in Europa gefunden.
Von den gefundenen Schätzen sind etwa 700 Stücke im Museum ausgestellt.
Visby - Stützpunkt der Gotlandfahrer
Die Stadt zog bereits im frühen Mittelalter Kaufleute wie ein Magnet an. Visby war Kreuzungspunkt vieler Handelswege und wichtigster Handelsplatz im Ostseeraum. Viele der deutschen Gotlandfahrer ließen sich in der Stadt nieder, kamen zu Reichtum und Einfluss.
Noch heute findet man Straßennamen wie Hamburgergränd, Danzigergränd. Die reichen Kaufleute errichteten 17 Kirchen und versuchten sich beim Bau und in der Ausstattung zu übertrumpfen. Aber heute ist nur noch St. Maria, die Kirche der deutschen Kaufleute erhalten.

Visby - Pfarrhaus
Um sich vor Feinden zu schützen, umgab sich die Stadt mit einer Burgmauer. Piraten, aber auch die dänischen und schwedischen Könige warfen immer ein begehrliches Auge auf die Insel.
Die Mauer mit den 44 Türmen hatte aber noch eine weitere Schutzfunktion: nämlich gegen einen Feind vor der eigenen Haustür. Die freien Bauern! Sie probten den Aufstand. Ausgeschlossen von den Handelsprivilegien zogen sie gegen die Stadt. Es kam zum Bürgerkrieg.
Da war es den Kaufleuten nicht ungelegen, dass der Dänenkönig Valdemar Atterdag nach Gotland kam. Hinter ihren dicken Mauern sahen die Händler tatenlos zu, wie das dänische Heer die Insel plünderte und mit den Bauern kurzen Prozess machte. Aber man hatte sich zu früh gefreut.
Lübeck war zwischenzeitlich zu einer mächtigen Hansestadt aufgestiegen, betrachtete Visby als lästige Konkurrentin.
1525 war es so weit. Ein Lübecker Heer setzte nach Gotland über. Visby wurde in Schutt und Asche gelegt. Allein die Kirche St. Maria wurde von den Soldaten verschont. Die Chance, die wichtigste Hansestadt in der Ostsee zu werden, war vertan.
Visby geriet in Vergessenheit und Gotland wurde eine stille, einsame Provinz Schwedens. Erst die neuere Zeit hat die Insel wiederentdeckt. Kommen doch immer mehr Gäste , um entweder einen Badeurlaub auf Gotland zu verbringen, oder um als Passagier eines Kreuzfahrtschiffes durch die winkligen Gassen Visbys zu spazieren und dem Leben einer mittelalterlichen Stadt nachzuspüren.
Text: md Fotos: md
