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Geschichte Posens

Die Hauptstadt Großpolens blickt auf eine lange Geschichte zurück. Die ersten Siedler ließen sich hier vor etwa 12.000 Jahren nieder. Die günstige Lage an der Warthe auf der einen und den uralten Handelspfaden zwischen Ost- und Westeuropa ermöglichte eine stetige Entwicklung. Die erste Erwähnung Posens als befestigte Siedlung erscheint in der Thietmarchronik im Jahre 1005. Sowohl aus der Chronik als auch aus Grabungsfunden geht hervor, daß Posen eine der stärksten Festungen im Staate Boles³aws des Kühnen war.
Der Einfall des böhmischen Fürsten Brzetys³aw im Jahre 1038 konnte die wirtschaftliche Entwicklung Posens ebensowenig aufhalten wie die Verlegung der Hauptstadt von Posen nach Krakau durch Kasimir den Erneuerer. An der Wende des 12. Zum 13. Jahrhundert wandelte sich Posen von einer Wehrburg und einem Fürstensitz in eine Stadt nach dem Vorbild, wie es in Westeuropa bereits existierte.

Nachdem Posen durch Przemys³aw I. die Stadtrechte verliehen bekommen hatte, wurde es mit Mauern umgeben, und das Posen links der Warthe erhielt einen Marktplatz. Der in Posen residierende Fürst Przemys³aw II. krönte sich im Jahre 1295 in Gniezno zum König von Polen.
Ein wirklich goldenes Zeitalter stellte für Posen das 16. Jahrhundert dar. Die Stadt blühte auf und wurde eines der wichtigsten Handelszentren des damaligen polnischen Staates. In den Jahren 1550 bis 1560 baute Gianbattista Quadro das Rathaus um, schon im Jahre 1519 hatte Bischof Jan Lubrañski ein Kollegium gestiftet, das mit der Zeit den Namen Lubrañski-Akademie bekam.

Feuersbrünste, Überschwemmungen und Kriege sowie die Veränderung des Verlaufs der Handelsrouten führten dazu, daß das 17. und die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts für die Stadt Perioden des Abstiegs sind. Erst unter König Stanis³aw August in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts änderte sich die Situation. Die vom König berufene Kommission zur grundlegenden Reform des polnischen Staates (Kommission der Guten Ordnung) erreichte gemeinsam mit den städtischen Behörden den Wiederaufbau Posens, die Wiederbelebung von Handel und Handwerk. Ende des 18. Jahrhunderts zählte Posen bereits 15.000 Einwohner. Im Zuge der Zweiten Polnischen Teilung besetzten jedoch am 30. Januar 1793 preußische Truppen Posen. Die Stadtverwaltung übernahmen preußische Beamten, die polnische Amtssprache wurde durch die deutsche ersetzt, die Steuern wurden erhöht.

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts standen Posen und die ganze Region Großpolen unter starkem Germanisierungsdruck. Zu ihrer Verteidigung nahmen die Polen den "längsten Krieg des modernen Europas" auf. Es entstand eine Vielzahl polnischer Vereine, die sich wirtschaftlichen, sozialen, religiösen und kulturellen Anliegen widmeten und so der Idee der "organischen Arbeit" breite Verbreitung verschafften. Es entstand die Raczyñski-Bibliothek (1829), das Hotel "Bazar" (1841), die "Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften"(1857), das Polnische Theater (1875), die zu Ausweisen des polnischen Charakters von Posen wurden, eine Antwort auf die Entnationalisierungspolitik der preußischen Behörden.

Im Laufe der Zeit änderte sich auch das Aussehen der Stadt. Der Abriß der Anfang des 19. Jahrhunderts errichteten preußischen Befestigungen im Jahre 1902 erlaubte die Planung eines repräsentativen Stadtviertels durch Joseph Stübben, damals einen der bekanntesten europäischen Stadtplaner. Nach diesem Plan wurde in den darauffolgenden Jahren systematisch eine Reihe öffentlicher Gebäude in verschiedenen Stilen errichtet: die Königlich Preußische Akademie (heute Collegium Minus), der Kaiserpalast und die Oper (1910).

Der Erste Weltkrieg erweckte die Hoffnungen auf die Wiedererlangung der Freiheit aufs neue. Am 27. Dezember 1918 brach in Posen ein Aufstand aus, der sich auf ganz Großpolen ausdehnte. Die Stadt wurde befreit, die Einwohner schufen die Grundzüge der polnischen Verwaltung, Gerichtsbarkeit und eines neuen Schulwesens. 1919 wurde die Posener Universität ins Leben gerufen, ab 1921 fanden in Posener Messen statt, die ab 1925 internationalen Charakter annahmen. Die Industrie entwickelte sich rasch. Das wichtigste Ereignis, das die ersten zehn Jahre der Freiheit markierte, war die 1929 organisierte Allgemeine Landesausstellung. Der Zweite Weltkrieg unterbrach die Entwicklung der Stadt. Erst am 23. Februar 1945 kam die Freiheit zurück nach Posen. Die Stadt erhob sich aus den Kriegszerstörungen. Von den Hauptereignissen der Nachkriegsjahre in Posen sind vor allem die Ereignisse vom Juni 1956 (Arbeiteraufstand, der in Straßenkämpfe mit der kommunistischen Polizei überging), zwei Besuche von Papst Johannes Paul II. in den Jahren 1983 und 1997 sowie der Gipfel des Weimarer Dreiecks, ein Treffen des damaligen Bundeskanzlers Kohl mit den Präsidenten Frankreichs und Polens, Chirac und Kwasniewski, im Jahre 1998 zu nennen. 1999 schloß die tausendjährige Geschichte Posens einen Kreis - in Ostrów Lednicki wurden die Überreste der Pfalz von Mieszko I. entdeckt, ein großes Ereignis für Polen.

Im Jahre 2003 jährt sich zum 750. Mal die Verleihung der Stadtrechte an Posen durch die Piastenfürsten Przemys³ I. und Boles³aw den Frommen. Die Stadtverwaltung und die Stiftung "750 Jahre Stadtrechte Posens" haben für die Bewohner der Stadt aus diesem Grund ein wahres Festival von Ereignissen und Veranstaltungen aus Politik und Kultur vorbereitet. Die Schirmherrschaft über das historische Stadtjubiläum hat der polnische Staatspräsident Aleksander Kwaœniewski übernommen.


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