URLAUB IN GROSSBRITANNIEN - WELLNESS
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Wellnessurlaub in Großbritannien - von der Gesundheitsfarm zum Verwöhnbetrieb
Massage oder Maniküre, Gesichtsmaske oder Floating, Thalasso oder Moorbäder – auch die Briten verstehen sich auf Wellness. Allerdings erst seit neuerer Zeit. Im Gegensatz zu den Mitteleuropäern glaubte das Inselvolk lange, für solcherart Entspannung schlicht keine Zeit zu haben.
So unterschätzten Städte wie Harrogate und Leamington jahrelang den touristischen Wert ihrer Naturquellen und die einstigen Heilbäder gerieten mehr und mehr in Vergessenheit. 1996 raffte sich die Kommunalverwaltung um Leamington Spa schließlich auf, ihren „Royal Pump Rooms“ - der Wandelhalle des Kurhauses - neues Leben einzuhauchen. Die Galerie des Ortes zog dort ein, die Bibliothek und das Museum. Heute kann sich der Besucher hier ansehen, was man um 1850 und danach unter Wellness verstand. Und die Touristeninformation - gleich nebenan - sorgt für Nachschub an Stadt- und Gesundheitspilgern.
Gestiegenes Interesse an gesunder Lebensweise bewirkte auch sonst Bewegung im britischen Wellness-Markt und ein Erwachen der Wellness-Kultur im Vereinigten Königreich. Moderne Verwöhnstationen findet man seitdem nicht nur in den Bäder-Orten, auch auf dem flachen Land schießen sie wie Pilze aus dem Boden. Vier- und Fünfsterne Hotels bauen an und bieten ihren Gästen Entspannungsbehandlungen, Thermalbäder und Orte der Stille, wo die Seele baumeln kann.
Gesunde Lebensweise wurde immer mehr zur Hauptbeschäftigung. Und man entwickelte seine etwas eigene Definition von Entspannungs-Kur: Weder die pure Gesundheits-Kur - wie im Rest Europas üblich – sollte es sein, noch die New-Age-Tempel der indischen Kultur prägen das Wellness-Geschäft auf der Insel. Die Briten mixten einfach beides.
Und damit Willkommen im Verwöhnbetrieb. Einst nannte man es schlicht Gesundheitsfarm. Hier wurden Körper, Geist und Seele gleichermaßen umsorgt. Einer der „Erfinder“ dieses ganzheitlichen Ansatzes war der Naturheilkundler Stanley Lief. 1925 eröffnete er „Champneys“ in Hertfordshire, die erste „Healthfarm“ im Vereinigten Königreich. Noch heute beginnt hier jeder Besuch mit einer Einzelkonsultation. So wird das Behandlungsprogramm individuell auf die Bedürfnisse jedes Gastes abgestimmt.
Was die Wellness-Programme auf der Insel von denen des Kontinents unterscheidet, ist, dass sie sich bei allem Ernst für die Entspannung nicht zu ernst nehmen. Hotels wie Babington House, in der Nähe von Frome/Somerset, Cowley Manor bei Cheltenham oder Seaham Hall in Seaham bieten neben größtem Verwöhnkomfort in ihren Spas, auch eine Präsentation mit Augenzwinkern. Im modern-minimalistisch angehauchten Cowley Manor verkauft man seine Kuren humorvoll mit Londoner Touch: „Coming soon“ ist hier eine Spezialbehandlung für Schwangere und Körperenthaarung findet der Gast hier erst unter „cor blimey“ was so viel heißt wie „ach du liebe Güte - sonstiges“.
Wellness im "Kuhstall"
In Babingtons Cowshed (dem „Kuhstall“) dagegen gibt man sich natürlich-ländlich: Das volle Verwöhnprogramm ein tierisches Vergnügen rund um die Kuh. Cowgirl heißt die Gesichtsmassage für die weiblichen Gäste. Das Äquivalent für die Herren – na? klar, nennt sich Cowboy. Auch sonst lässt einen der Blick auf die Treatments lächeln. Die Preise allerdings sind britisch. Gut, wer sich verwöhnen lassen will, sollte nicht auf den Penny schauen…
Im Umgang mit dem Lifestylethema Nr. 1 wird Genuss besonders groß geschrieben und es widerspricht sich dabei keineswegs, wenn neben den neuesten Fitnesskuren auch kalorienreiche Gaumenfreuden geboten werden.
Für sie ist Wellness gleichbedeutend mit Spaß – und das hat ja nicht unbedingt immer etwas mit gesunder Lebensweise zu tun. Das Erreichen des Traumgewichtes oder medizinisches Durchchecken geraten da eher in den Hintergrund. „Zu römischen Zeiten waren Spas Orte wo man Freunde traf, sich unterhielt und gemeinsam Spaß hatte,“ erklärt Mike Goodman von Spascape, einer Firma, die Wellness-Orte in Pennyhill Park und Whatley Manor konzipert. „Heutzutage denken die Leute, Spas sind Orte, wo man mit Strenge auf Gesundheit achtet. Wir arbeiten daran, das zu ändern.“
Am besten erlebt man ein Spa, wenn man großartige Natur mit einem luxuriösen Hotelambiente kombiniert. Nach langen, ermüdenden Märschen durch die (Stadt-) Landschaft mit möglicherweise sogar schmerzenden Blasen an den Füßen (London drängt sich da geradezu auf) lernt man Verwöhnkuren richtig schätzen. Dann wird die Einkehr z. B. im „Mandarin Oriental“ in Knightsbridge doppelt geschätzt. Oder man entdeckt nach den Sehenswürdigkeiten Edinburghs neue Sphären beim Floaten im OneSpa vom „Sheraton“ der Stadt. Oder nachdem man die walisischen Berge bestieg – plane man Zeit ein für eine Aromatherapie im „Bodysgallen Hall Hotel“. Ein frischer Segelturn an Englands Südküste, der Haut und Nerven strapazierte, inspiriert vielleicht zum Besuch ins „Bailiffscourt Hotel“.
Die Wahl der Verwöhnmethoden kann zur Qual werden. Großbritanniens Spas bieten die besten Kuren aus aller Welt verknüpft mit englischem Touch: Thailändische Massagen in Northumberland, Indische Shirodhara in Watford bei London, ur-australische Schlamm-Packungen in Surrey. Duftende Bäder und Eishöhlen, Rasul-Schlamm-Packungen und Floating-Tanks mit künstlichem Sternenhimmel. Ob man sich erfrischen möchte, Entspannung sucht oder neu geboren werden will, für jeden findet sich das Geeignete.
Nach Entspannung macht Genießen doppelt Spaß: Bei Champagner und Käse, Englisch Breakfast oder Cream Tea. Gegensätze wie diese wundern hier niemanden. Wellness sieht man eben lockerer im Vereinigten Königreich. Frei nach dem Motto: „Was mir gefällt, das tut auch gut.“ Und wer dem zustimmt, der ist einfach reif für die Insel.
Internetseiten
Harrogate:
www.harrogate.gov.ukChampneys:
www.champneys.co.ukBabington House:
www.babingtonhouse.co.ukCowshed:
www.babingtonhouse.co.uk/cowshedCowley Manor:
www.cowleymanor.co.ukSeaham Hall:
www.seaham-hall.comMandarin Oriental:
www.mandarinoriental.comOneSpa:
www.one-spa.comBodysgallen Hall Hotel:
www.bodysgallen.comBailiffscourt Hotel:
www.hshotels.co.uk

