URLAUB IN NORDSPANIEN - KASTANIENFESTE IN GALICIEN
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Herbstliche Genüsse am Lagerfeuer: Die Kastanienfeste in Galicien
Der halbe Ort scheint sich rund um das flackernde Feuer versammelt zu haben. Jung und Alt lässt sich lachend und in bester Stimmung trotz der schon leicht fröstelnden Temperaturen des galicischen Novembers die gerösteten Kastanien schmecken. Ein Gläschen „Tinto“, oder wie in dieser Region der häufiger getrunkene Weiβwein, gehört natürlich dazu.
Eine Musikgruppe spielt im Hintergrund galicische Volksweisen zum Klang der Gaita, einem Dudelsack ähnlichen Instrument. Ihr Klang und das Flackern des Feuers in der Dunkelheit lassen Erinnerungen an die keltische Vergangenheit, die Mythen und Traditionen dieses spanischen Landstrichs lebendig werden. „Os Magostos“ – die Feste des Kastanienröstens gehören zu den zahlreichen galicischen Festen, die den leiblichen Genüssen des Lebens gewidmet sind.
Im Februar zu Karneval wird der jährliche Reigen der Gourmetfeste Galiciens mit dem Fest des „Cocido“, dem galicischen Eintopf aus Fleisch und Gemüse, eröffnet.
Im März feiert man in Arzúa das Käsefest, im April die Austern in Arcade de Soutomaior und im Mai die Forellenfeste von Ponte Caldelas und Pontenova. Im August gibt es eine ganze Anzahl von Gourmetfesten in ganz Galicien. So das Fest des Albariñoweins in Cambados, das Krakenfest von O’Carballiño in der Provinz Ourense, das Thunfischfest von Burela, die Paprikafeste von Herbón und A’ Aroía und das Pastetenfest von Silleda.
Am berühmtesten Fest der Meeresfrüchte Spanien, der Fiesta de la Exaltación del Marisco, kann man in O’Grove wie nirgendwo sonst an zahlreichen Ständen die vielfältigsten Kreationen dieser Köstlichkeiten aus dem Meer in der Zeit vom 30. September bis 12. Oktober probieren.
So verschieden die Köstlichkeiten auch sein mögen, allen gemein ist die landwirtschaftliche und traditionelle Bedeutung dieser Feste sowie der Spaß am gemeinsamen Essen und Trinken. Zu Sankt Martin schließlich endet der jährliche Festreigen des Essens und Trinkens mit dem Genuss von gerösteten Kastanien.
Das durch und durch galicische Fest des Kastanienröstens stammt noch aus Zeiten, als die Frucht der Kastanie eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel für die Menschen im galicischen Binnenland war. In den Jahrhunderten nach der Entdeckung Amerikas schließlich wurde sie nach und nach von Mais und Kartoffel verdrängt. Eingeführt worden war der Kastanienbaum auf der iberischen Halbinsel von den Römern. Mönche hatten ihn im Mittelalter kultiviert.
Auch heute noch findet man in Galicien eine große Anzahl sowohl wildwachsender als auch kultivierter Kastanienbäume, wobei letztere Art auch heute noch vorherrscht, obwohl der Verzehr an Kastanien zurückgegangen ist. Wildwachsende Kastanien finden sich vor allem in den höheren Regionen des Landes.
Schon vor Jahrhunderten versammelten sich besonders die jungen Leute am Ende der Erntezeit auf einem Hügel auβerhalb der Ortschaften oder auf den Dorfplätzen zum gemeinsamen Kastanienrösten. Und man sang und tanzte zu den Klängen des Tamborins.
In vielen Gemeinden Galiciens verschwand nach und nach diese alte Tradition. In anderen aber ist man dazu übergegangen, das ehemalige Erntedankfest der Kastanien in die Sankt Martinsfeier einzuschließen. So kann man in der ersten Hälfte des Novembers, besonders um den 10./11. dieses Monats an vielen Orten Galiciens, wie in Caurel in der Provinz Lugo oder auch in der Provinzhauptstadt Ourense das traditionelle Kastanienrösten am Lagerfeuer miterleben.
Das bekannteste Kastanienfest wird in Ourense im Herzen Galiciens gefeiert. In der Stadt am Miño-Fluss, über den eine alte Römische Brücke führt, beginnt der Tag der „Festa do Magosto“ am ersten Sonntagmorgen des November in den Straβen, durch die die Musikgruppen und Gaitanos ziehen. Am Nachmittag treffen sich die Kastanienröster, die „magosteros“ und opfern ihrem Schutzpatron, dem Heiligen Martin ihre Früchte und Wein. Und danach beginnt mit der einsetzenden Dunkelheit der gemütlichste Teil an den Lagerfeuern in den Bergen rund um die Stadt oder im am Fluss gelegenen Park Alameda do Concello, wo nicht nur Kastanien, sondern für den großen Hunger auch Chorizo oder Schweinekotelett geröstet werden. Dazu probiert man den Wein der neuen Ernte aus der Region O Ribeiro, der bekanntesten Weinlage Galiciens.
500 Kilo Kastanien und mehr als 200 Liter Wein werden jährlich um den 10. November im Ort Poio in der Ria von Pontevedra verteilt. In dem Ort an der Route des Albariño-Weins, des berühmtesten Weins Galiciens, reichen die Weinberge bis an den Ortsrand. Unweit von Poio befindet sich mit Combarro einer der meist fotografierten Orte Galiciens mit seinen am Meer gebauten Häusern und Maisspeichern.
Hoch über Poio liegt das Kloster San Juan mit seiner großartigen Klosterbibliothek, die das gesamte Werk des galicischen Schriftstellers Antonio Rey Soto beherbergt, und einem wunderschönen Kreuzgang.
Ab acht Uhr abends trifft man sich auf dem Dorfplatz und feiert bis in die Nacht hinein bei Live-Musik und Tanz. Der zweite Festtag beginnt wieder mit Musik und Tanz, bis um 12:00 Uhr eine Messe zu Ehren von Sankt Martin abgehalten wird und bei der anschließenden Prozession Klein und Groß durch die Straßen ziehen.
Der Tag endet, wie er begann, mit Musik und Tanz und einem prächtigen Feuerwerk über der Ria.
Informationen zu Galicien im Internet unter www.turgalicia.es oder in den Spanischen Fremdenverkehrsämtern in Deutschland.


Galicien: Fiestas