URLAUBSINFOS
Suchen und buchen - Aktuelle Angebote zum Thema
Unbekannte Schweiz. Das Freiburgerland - jenseits von Heidi und DJ Bobo. Letzter Teil
Letzter Teil :
Abreise über Gruyère und Bulle.
Als wir morgens aufwachen, verhüllt der Frühnebel noch die Terrasse des Soldatenhaus. Nach einer eisigen Dusche nehmen wir ein kräftiges Frühstück zu uns und genießen die stille Morgenluft. Es herrscht ein fröhliches Gekruschtel. Ranzen werden gepackt, Wanderstiefel geschnürt, Regenjacken angezogen und Kinder ermahnt. Jeder einzelne wird von den herzlichen Hüttenwirten verabschiedet. Schade - in kaum 12 Stunden werden wir wieder im Flugzeug sitzen. Recht flink steigen wir also nach Charmey hinab. Ohne Stop im Ortsteil Broc, wo die erste Fabrik für die berühmte Schokolade von der Créateur Chocolatier Suisse Cailler (seit 1819) zu besichtigen wäre. Schließlich nehmen wir den Bus nach Gruyère, also Greyerz. Der Name dürfte auf den legendären Gründer Gruerius zurückgehen, der den Kranich (französisch: grue) zum Wappentier erklärte. Dieser blickt uns von vielen Flaggen, Wimpeln und Häuserwänden entgegen
Das sehenswerte Schloss der Freiburger Landvögte (seit 1555) mit einem Bergfried aus dem 13. Jahrhundert bietet neben dem Einblick in unterschiedliche Epochen auch viel Regionalgeschichte, wechselnde Kunstausstellungen und einen herrlichen Blick auf das umliegende Land. Wer nicht, wie Felix und ich, zufälligerweise einen Mittelalter-Markt mit Axt-Weitwurf, einem sprücheklopfenden Holzlöffelschnitzer und diversen Marketenderinnen antrifft, kann immer noch die nahe gelegene Bar von HR Giger besuchen. Sie kennen den Künstler Giger nicht? Den Erfinder der Aliens? Seine Bar ist ein neugotisches Gewölbe aus Wirbelsäulen, bizarren Chitinpanzer-Stühlchen, hängenden Plastikmaden und anderen biomechanischen Kreaturen. Die Kellnerin ist allerdings ziemlich real und man trinkt das bekannte Cardinal-Bier. Für einen Besuch im Maison du Gruyère im nahegelegenen Pringy hatten wir leider keine Zeit mehr. Dort wäre alles über die weltbekannte Käsespezialität aus Rohmilch zu erfahren gewesen, die übrigens von Kühen stammt, „die noch wissen was Freiheit ist!“ - wie ein pathetisches Tourismustexter zu Papier brachte.
Unsere letzte Station ist Bulle, ein sympathisches Kleinstädtchen ohne besondere Auffälligkeiten. Bis unser Zug eintrifft, trinken wir noch ein Rivella, eine Art Nationalgetränk auf der Basis von Milchserum (!) – erhältlich in den Geschmacksrichtungen rot, grün und blau. Rivella gehört zur Schweiz wie das Matterhorn, sagt zumindest Rivella. Für mich gehört nun auch das Freiburgerland zur Schweiz. Ich beglückwünsche Felix zu seinem Wandervorschlag in die unbekannten Schweiz. Dem Freiburgerland - jenseits von Heidi und DJ Bobo. Was uns allerdings irritiert: Das, was in der Ferne als Freiburgerland vermarktet wird, nennt sich vor Ort dann Rund-um-den -Schwarzsee und im Senseland oder Drei-Seen-Region. Deutschfreiburg oder Greyerzerland. Was uns aber ziemlich gleichgültig ist. Denn für uns war es ein schönes Wanderland, in dem noch viele weitere Ausflüge möglich wären.
Beispielsweise der Pfad der Armen in Bulle. Ein 700 Jahre alter stimmungsvoller Mönchspfad (7 km). Eine mehrstündige Wanderung vom Jaunpass ins Berner Oberland.
Oder der alte Jakobsweg, ein Pilgerpfad von Freiburg nach Romont, eine eher anspruchsvolle knapp siebenstündige Wanderung. Am Flughafen in Zürich kaufen wir uns noch einen schönen Greyerzer Käse und zwei gigantische Tafeln Cailler-Schokolade. Die Erinnerung an vier angenehme Wandertage soll halt auch durch den Magen gehen.
Weitere Informationen:
Käse und Schokolade

