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Bretagne, Anziehungspunkt für Maler

Schiffe vor Sauzon Belle-Ile. Foto: Maison de la France/Rasmussen

Schiffe vor Sauzon Belle-Ile. Foto: Maison de la France/Rasmussen

Um 1830 ist die Bretagne mehr als jede andere französische Provinz Anziehungspunkt für Maler. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als die Schriften von Chateaubriand, Balzac und Michelet bekannt werden, begeben sich die Maler auf felsige Ufervorsprünge, um Schiffbruchsszenen im bewegten Ozean zu malen. Romantiker auf der Suche nach exotischen Themen finden in der Bretagne die gewünschte Loslösung vom Alltäglichen.

 

Ab 1851 verkehren Eisenbahnlinien von Rennes nach Brest im Norden der Bretagne und im Süden von Nantes nach Quimper. Zur gleichen Zeit erscheinen die ersten touristischen Reiseführer.

Pont-Aven und seine Maler

Der amerikanische Maler Henry Bacon entdeckt Pont-Aven im Jahre 1860 und das Städtchen wird sehr schnell zu einer kosmopolitischen Künstlerkolonie.

Die Wirtinnen Julia Guillou und Marie-Jeanne Gloanec tragen zum Ruhm ihrer kleinen Stadt bei, indem sie die Maler in ihren „Auberges“ freundlich aufnehmen.

 

1886 kommt Gauguin hierher, „um Bilder zu malen und preiswert zu leben“. Er experimentiert mit einem neuen Malstil, indem er die Formen vereinfacht, die Farben flacher aufträgt und die Motive durch Konturen abgrenzt. Am Flüßchen Aven, im „Bois d’Amour“ erhält der junge Paul Sérusier von Paul Gauguin eine berühmt gewordene Mallektion. Es geht nicht mehr darum, die Natur möglichst genau abzubilden, sondern „von ihr zu träumen“. Daraus entsteht das Bild „Der Talismann“, das mit seinen bewußt überzeichneten Farben schon die Grenzen der Abstraktion streift. Diese Begegnung und Bilder aus dieser Epoche stehen heute für eine wichtige Etappe in der Geschichte der Malerei.

Das Haus der Marie Henry in Le Pouldu

Wanderer an der Küste. Foto: MDLF/Sierpinski

Wanderer an der Küste. Foto: MDLF/Sierpinski

Nach seinem Aufenthalt in Pont-Aven beschließt Gauguin, sich mit seinem Schüler Jacob Meyer de Haan in der Strandkneipe von Le Pouldu niederzulassen. Auf Anregung von Marie Henry, wegen ihrer großen Schönheit „Marie Poupée“ genannt, entstehen im Eßzimmer ihrer Kneipe Wandbilder. Dieser legendäre Ort wurde heute einige Meter entfernt vom Originalschauplatz wiederaufgebaut und läßt den Besucher nicht unberührt. Es ist, als ob der Geist der Künstler noch in den Räumen präsent ist, wo Wände und Decke von Gauguin, seinem Schüler und anderen Malerfreunden bemalt wurden.

2003 wurde rund um das Haus der Marie Henry der „Weg der Maler“ eröffnet:
Maison de Marie Henry
10, rue des grands sables au Pouldu
Kontakt: Tel.: 0033-2 98 39 98 51

Der hundertste Todestag von Paul Gauguin

Im Zeitraum zwischen 1886 und 1894 kehrt Gauguin insgesamt fünfmal in die Bretagne zurück. Sein Schaffen in der Region kennzeichnet eine wichtige Wende innerhalb der Malerei. Während seiner Aufenthalte in Pont Aven und Le Pouldu entstehen Werke, die heute weltbekannt sind.
Es ist sehr einfach, dem Weg des Malers zu folgen und die Orte aufzusuchen, von denen er fasziniert war. Der Aven und seine Mühlen, die Umgebung, der Strand „Sables Blancs“, die kleine Kapelle von Trémalo, in der das Vorbild für Gauguins „Gelber Christus“ zu finden ist: lauter Orte, die an den Künstler und seine Freunde erinnern.

La Bretagne: unerschöpfliche Inspirationsquelle der Maler

Alle Reichtümer der Bretagne wurden durch Künstler aufgenommen. Städte mit ausgeprägtem Stadtbild wie Quimper, Morlaix, Locronan, Rochefort-en-Terre, le Faouet oder Dinan wurden häufig von ihnen aufgesucht. Das maritime Leben der Häfen von Concarneau, Douarnenez, Camaret und Brest wurde oft künstlerisch umgesetzt.

Alfred Guillou, Achille Granchy-Taylor, Pierre de Belay malen Fischer bei der Abfahrt und Ankunft im Hafen. Eugène Boudin, Charles Fromuth, Paul Signac oder Pierre Péron interessieren sich mehr für Hafenansichten. Die wilde Schönheit der Küste fasziniert sie, so daß der impressionistische Meister Claude Monet über Belle-Ile schreibt: „Ich weiß zwar nicht, ob das, was ich von hier mitbringe, jedermanns Geschmack entspricht, aber eins ist sicher, diese Küste begeistert mich.“

 

Das Studium des Alltagsleben der Menschen hat einige Künstler so beschäftigt, daß sie einen großen Teil ihrer Malerkarriere in ihrer Heimatregion verbrachten. Mathurin Méheut und Jean-Julien Lemordant hinterließen uns eine veritable Chronik des bretonischen Lebens zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In der Nachfolge von Paul Gauguin gestalten Maxime Maufra, Georges Lacombe, Lucien Simon, Emile Bernard und andere ihre eigene Vision der Bretagne.

Die Maler der rosa Granitküste

Felsen in Carnac. Foto: MDLF/Rasmussen

Felsen in Carnac. Foto: MDLF/Rasmussen

Der Norden der Bretagne wird keineswegs von den Künstlern vernachlässigt. Im 19. Jahrhundert ist Cancale der zu Paris am nächsten gelegene Hafen. Austern und Krebse verschafften ihm seinen wirtschaftlichen und touristischen Ruf. Die Männer waren in Terre Neuve beruflich beschäftigt und überließen den Frauen die Arbeit vor Ort. Maler wie John Sargent oder Eugène Feyen beobachteten die Austernsammlerinnnen und malten sie.

In Saint Malo wirkte die geschichtsträchtige Stadt auf Maler anziehend, Saint-Briac, die Insel Bréhat oder Ploumanac’h und Perros-Guirec waren interessant für die Künstler, die ständig auf der Suche nach neuen Landschaftsbildern waren.
Paul Signac verbringt fünf Sommer in Folge zwischen Saint-Quay-Portrieux und Saint-Briac. Niemals langweilt ihn die Bretagne, die er von Bord seines Segelschiffs Olympia entdeckt.
Maurice Denis, der Nabimaler, bleibt dem Westen treu, indem er 1908 eine Sommervilla in Perros-Guirec kauft. Er erkundet die für ihren rosa Granit bekannte Halbinsel und bezeichnet sie als „schönsten Anblick der Welt“. Auf Leinwand hält er zahlreiche Strandszenen fest, in denen sich das Familienglück mit Frau und Kindern widerspiegelt. Auch Picasso verbringt 1922 mit seiner Frau Olga und seinem Sohn einen ersten Aufenthalt in Dinan.
Als er sechs Jahre später in die Bretagne zurückkehrt, durchlebt er eine unruhige Periode. Dies drückt sich künstlerisch in seiner ballspielenden Badenden aus, bei der er jede ästhetische Konvention außer Acht läßt.

Auf dem Weg zur Abstraktion
Nach dem zweiten Weltkrieg brechen die der Abstraktion nahestehenden Künstler völlig mit der figürlichen Tradition der Bretagnevision.
Seit seiner Kindheit verbringt Charles Lapicque jeden Sommer in der Region von Paimpol. Von seinem Boot aus beobachtet er Himmel und Meer und wandelt die Farben mittels seiner Vorstellungskraft.
Für Marcel Gromaire wird die Region von Carnac seine Inspirationsquelle und der Ungar Vasarely benutzt die Beobachtung von Teerablagerungen in Sauzon als Einstieg in die Abstraktion.
Yves Tanguy verbringt seine ganze Kindheit an den weiten Stränden von Le Trégor und entwickelt sich zu einem bedeutenden Surrealisten.

La Bretagne de Mathurin Méheut

Ausritt entlang der bretonischen Küste. Foto: MDLF/Le Gac

Ausritt entlang der bretonischen Küste. Foto: MDLF/Le Gac

Unter allen Künstlern, die in der Malerei in der Bretagne eine bedeutende Rolle gespielt haben, erscheint Mathurin Méheut als der Jahrhundertkünstler. Er war Grafiker, Maler, Bildhauer, Töpfer, Illustrator und Designer und reiste während seiner Studien ständig durch die gesamte Region. Aus seiner Hand und aufgrund seiner Beobachtungen von Land und Leuten entstehen Tausende von Skizzen zum Alltagsleben der Fischer, Bauern und Handwerker. Begleitet von seiner Freundin und Schülerin Yvonne Jean-Haffen nimmt er an vielen bretonischen Pardons und an daran anschließenden Festen teil. Man findet ihn in vielen bretonischen Museensammlungen und in Lamballe ist ein Museum nur ihm gewidmet.

 

La Grande Vigne

Als Wahlbretonin hat Yvonne Jean-Haffen die Bretagne an der Seite des Malers Mathurin Méheut entdeckt. Beider Werke sind ein umfassendes Zeugnis des bretonischen Alltags aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Heute ist das Haus von Yvonne Jean-Haffen in der sogeannten „Grande Vigne“ in Dinan untergebracht und der Öffentlichkeit zugänglich:
La Grande Vigne
103 rue du Quai - Port de Dinan
Kontakt: Tel.: 0033-2 96 87 90 80

Das Museum von Lamballe
Es wurde 1972 durch den „Verein der Freunde von Mathurin Méheut“ gegründet und zeigt eine wichtige Kollektion von Studien, Zeichnungen, Keramiken, Guaschgemälden, Stichen und Aquarellen aus der Sammlung der Tochter. Jedes Jahr organisiert das Museum eine zeitlich begrenzte Ausstellung zu einem Aspekt seines umfangreichen Werks:
Musée de Mathurin Méheut
Maison du Bourreau – erste Etage
Kontakt: Tel.: 0033- 2 96 31 19 99

Auf den Spuren von Monet auf Belle-Ile

Claude Monet, den der wilde Charakter der Insel begeistert, verbringt 1886 hier 10 Wochen. In Begleitung eines ehemaligen Fischers namens Poly entdeckt er Port-Coton, den „Löwenfelsen“ und die Felsengruppe von Port-Goulphar und Port Donnant.
Nach dem Meister des Impressionismus kamen Henri Matisse, Charles Cottet, Maxime Maufra, Marcel Gromaire und viele andere, die sich von der wilden Küste angezogen fühlten, um hier zu malen.


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