REISEBERICHTE SPANIEN - FORMENTERA UND IBIZA
Suchen und buchen - Aktuelle Angebote Balearen
"Allein auf die Balearen" - ein Reisebericht (Teil I)
von Kerstin Juchem
"Du fliegst alleine nach Formentera- was hältst Du davon?", hieß es von Seiten der Redaktion. "Gar nichts!" - war meine Antwort, die ich abgab, ohne dass ich weiter darüber nachgedacht hatte. Fragen stellte ich schon: Ganz alleine soll ich da hin? Ohne Reisebegleitung? Ohne Reisegruppe? Das kann doch nicht sein! Die Region Valencia und auch die Stadt Valencia hatte ich schließlich letztes Jahr mit fünf weiteren Mitstreitern erkunden dürfen. Reizvoll war der Gedanke schon… ich könnte nicht nur Formentera, sondern auch Ibiza, zumindest in kleinen Ausschnitten, kennen lernen. Da war guter Rat teuer. Schwer getan habe ich mich, hin und her überlegt und selbst als ich schon am Flughafen stand, war ich geneigt wieder nach Hause zu fahren. Das erste Mal alleine weg- für erschreckende, ich weiß, Sie werden lachen, fünf Tage!
"Na, das sollte doch zu schaffen sein!" hatten Familie und Freundeskreis verlauten lassen. Leichter gesagt als getan, dachte ich bei mir, als ich, den inneren Schweinehund überwunden, neben einer vollkommen aufgedrehten Gruppe Spanierinnen im Flugzeug meinen Sitzplatz einnahm.
Die Anreise
Den Flug überstand ich ohne Komplikationen, was höchstwahrscheinlich darauf zurückzuführen war, dass man sich in einem LTU – Flieger schon unglaublich sicher fühlt (mit billigen Klapperkisten möchte ich nicht fliegen müssen…) und daran, dass die Gruppe Spanierinnen scheinbar nur euphorisch ihrer nahenden Schlafphase entgegengeblickt hatte. Alles war wunderbar ruhig. Entspannt landete ich auf Ibiza.
Die Entspannung wich schlagartig, als ich 30 Minuten später im Taxi Richtung Fährhafen saß. "Möglichst viele Fahrgäste in möglichst kurzer Zeit transportieren" hatte wohl auf der Stirn meines Taxifahrers geschrieben gestanden- und ich hatte es schlicht übersehen. Das Fährunternehmen Transmapi Balearia brachte mich wohlbehalten nach Formentera und mit einem Mietwagen von Ca Mari - fantastisch eine solche Firma unmittelbar am Hafen anzusiedeln - fuhr ich zum gebuchten Hostal, das in direkter Nähe des Hafens lag.
Das Hostal "La Savina"
Das Hostal "La Savina" ist ein zweigeschossiges, recht kleines, Familienunternehmen in bereits dritter Generation. In der unteren Etage finden sich die Rezeption, die Bar und der Frühstücks- und Gemeinschaftsraum. Eine Terrasse mit freundlicher Bedienung (kleine Snacks, Eis und Getränke sind hier zu moderaten Preisen zu bekommen) und ein Restaurant befinden sich ebenfalls im Erdgeschoss, unmittelbar am kleinen "Hostal-Strand" mit traumhaftem Blick auf die Lagune.
Mein Zimmer konnte ich gegen Mittag beziehen – klein, aber fein stellte es sich dar – mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet: Fernseher, Safe, große Schränke, ein herrlich bequemes Bett, ein schickes Bad und ein großer Balkon mit Nachmittagssonne und Lagunenblick. Fantastisch! Innere Ruhe kehrte ein… Das könnten schöne Tage werden, dachte ich bei mir.
Erste Erkundungen
Nach einer Mütze voll Schlaf und einer Dusche sprang ich ins Auto und fuhr einfach drauf los. Von einer Spitze der Insel zur anderen führt eine Straße, alle Ortschaften sind, von der Hauptverkehrsstrasse ausgehend, leicht zu erreichen. Verfahren ausgeschlossen! Mein Weg führte mich von La Savina vorbei an Sant Fransesc, der Hauptstadt Formenteras, durch El Pilar de la Mola zum Leuchtturm Far de la Mola.
Seit Jahren, so scheint es, verewigen sich Besucher durch Einritzen ihrer Namen im Sandstein der Steilküste. Kaum ein Fleckchen ist noch frei- nach langem Suchen hatte ich allerdings doch noch ein kleines Plätzchen für meinen Namen gefunden.
Unterwegs mit Carmen vom Tourismusbüro
Am nächsten Tag traf ich Carmen, eine nette junge Frau vom Tourismusbüro Formenteras. Auf einer Inseltour zeigte sie mir zunächst alle Strände der Insel. Als herausragend zu bezeichnen sind vor allem der Platja de ses Illetes und der Platja de Llevant. An dieser Stelle Formenteras ist die Insel so verengt, dass sich ein herrliches Naturschauspiel ergibt- im Grunde liegt man an einem Strand der die Mitte zwischen dem Meer bildet. Fantastisches, türkis-blaues Wasser lässt zudem an einen Urlaub in der Karibik erinnern. Für Wassersportfans gibt es zahlreiche Möglichkeiten an diesen Stränden u.a. eine Catamaran-Schule.
Unser frisch gesetztes Ziel war der zweite Leuchtturm der Insel am Cap de Barbaria, doch zunächst machten wir Halt in San Fransesc. Die Hauptstadt Formenteras bietet zahlreiche Möglichkeiten für kleinere aber auch größere Einkäufe. Hier gibt es Schmuckgeschäfte, Geschäfte mit Lederwaren (z. B.. handgefertigte Schuhe aus Krokodilleder oder Gürtel) - aber auch alles andere ist in San Fransesc zu bekommen.
Am Cap de Barbaria angekommen stellten wir fest, dass auch hier die Touristen eine Möglichkeit nutzen, um sich auf der Insel zu verewigen - sie schichten Steinhaufen auf. Im ersten Augenblick nimmt man sie gar nicht wahr, doch schaut man genauer, stellt man fest, dass es hunderte sein müssen. Warum Steinhaufen gebaut werden, wusste mir Carmen auch nicht zu beantworten. Leider blieb keine Zeit für eigene Handarbeit, wir hatten einem straffen Zeitplan zu folgen.
"Alles wird probiert" - Formentera kulinarisch
In Es Calo gingen wir essen. Das Restaurant hieß Can Rafalet und liegt an einem kleinen, noch heute genutzten Fischerhafen. Paella stand auf dem Speiseplan, natürlich mit Muscheln und Tintenfisch, Garnelen und Krebsen- insgesamt mit allerlei Zeug, das ich noch nie zuvor gegessen hatte. Alles wird probiert! hatte ich mir geschworen und so sollte es sein.
Nach etwa zwei Stunden kugelten wir aus dem Restaurant Richtung Römerweg, eine Wanderung stand auf dem Programm. Der Römerweg ist der ursprüngliche und lange genutzte Weg hoch zum Leuchtturm Far de la Mola, heute führen Serpentinen erholsamer zum Ziel. Einen steinigen, zum Teil recht steilen Weg geht man hier entlang in unmittelbarer Nähe zum Meer. Die Sicht auf die Insel ist traumhaft, weil fast allumfassend- beide Seiten der Küste lassen sich von hier aus betrachten.
Zum Ende unserer Inseltour zeigte mir Carmen schließlich noch die kleinen Chiringuitos (Bars, Kneipen) an den Stränden Es Valencians und Es Arenals, die tagsüber aber auch am Abend gut besucht sind. In der Nähe des einzigen vier Sterne Hotels findet man gleich zwei dieser Chiringuitos und zwar die Chiringuito de Bartolo, ein kleiner Familienbetrieb- hier kocht die Eigentümerin noch selbst und zwar alles frisch! und eine Bar mit Namen Piratabus am Kilometer 11 abgehend von der Hauptverkehrsstrasse. Piratabus ist schon als In-Kneipe zu bezeichnen: Himmel und Menschen machten sich gegen Sonnenuntergang auf den Weg dorthin, um bei Musik und einem kühlen Getränk den Abend ausklingen zu lassen.
Ich ließ meinen Abend in meinem, zu diesem Zeitpunkt schon lange ersehnten, Bett ausklingen- fix und fertig war ich, viele Eindrücke hatte ich in sehr kurzer Zeit gesammelt und am nächsten Tag sollte es schon wieder gen Ibiza gehen. Dafür musste ich fit sein!
Gegen Mittag, nachdem ich mich an dem direkt am Hostal gelegenen Strand ein wenig gesonnt hatte, machte ich mich auf Richtung Hafen. Carmen sagte ich "Auf Wiedersehen", denn die Fähre sollte mich nun wieder nach Ibiza bringen. Zwei weitere ereignisreiche Tage lagen nun vor mir. Höhen und Tiefen sollte ich durchleben!






