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Neuseeland – Dolce Vita im Land der Schafe

Pavlova- ein typisch neuseeländischer Nachtisch

Pavlova- ein typisch neuseeländischer Nachtisch. Foto: stickymarzipan Lizenz: Creative Commons

Bis vor gut 15 Jahren war die neuseeländische Ess- und Trinkkultur geprägt vom britischen Mutterland. Man trank Tee statt Kaffee zum Frühstück und ansonsten spülte man seine „Fish and Chips“ mit reichlich Bier zweifelhafter Qualität herunter. Zu besonderen Anlässen grillte man auf dem Barbeque eine Bratwurst aus Hammelfleisch und trank noch mehr Bier, schon um die Wurst verdauen zu können. Aus ging man in den Pub, aß einen Hamburger mit Hammelfleisch und trank dazu, wie sollte es anders sein, Bier.

 

Die Gründe für die Revolution auf dem Esstisch down-under sind vielfältig. Anfang der Achtziger Jahre begann im bis dahin eher armen Neuseeland ein Wirtschaftsboom, der bis heute anhält. Im Zuge des steigenden Wohlstandes entwickelte sich eine wahre Fresswelle. Dazu kam der Aufstieg der lokalen Weinindustrie, die Dank günstigem Klima und neuseeländischem Unternehmergeist schnell wuchs. Nicht zu vergessen ist auch der Einfluss des globalen Booms der Kaffeekultur und der Einfluss der nicht anglophonen, insbesondere der asiatischen Einwanderer. Neuseeland betrachtet sich selbst als ein Land, das auf der Suche nach einer eigenen vom Mutterland unabhängigen Kultur ist mit der sich Ureinwohner und Einwanderer aus aller Welt identifizieren können. Ein ähnlicher Wandel vollzog sich auch in Australien, so entstand etwas wie eine pazifische moderne Küche.

 

fish and chips

Lecker! fish and chips. Foto: avlxyz Lizenz: Creative Commons

Heute sind die Kiwis stolz auf ihre Coffeeshops, die es auch in der kleinsten Kleinstadt gibt. Äußerlich betrachtet gleichen diese Lokale den Filialen einer bekannten amerikanischen Kaffeehauskette, sind aber meistens in privater Hand und bieten Kaffee und Snacks in häufig sehr guter Qualität. Die Teetrinker sind über diesen Boom nahezu ausgestorben, dafür gibt es jetzt eine ganze Reihe sehr guter lokaler Kaffeeröster.

Es gibt inzwischen viele ambitionierte Restaurants, deren Küchenchefs bei Fisch nicht als erstes das Wort Fritteuse in den Sinn kommt. Hier wird eine leichte Küche mit mediterranen und asiatischen Anklängen geboten. Auch der neuseeländischen Wein, insbesondere der Weißwein aus Malborough, hat eine sehr beachtliche Qualität erreicht. Wer im Supermarkt blind ins Regal greift, hat in Neuseeland eine bessere Chance einen ordentlichen Tropfen zu erwischen als in Deutschland.

Ein wenig übertreiben es die Neuseeländer aber hin und wieder mit ihrem neu entdeckten feinen Gaumen. So gibt es zwar kaum europäischen Wein zu kaufen, dafür aber in jedem größeren Supermarkt Mineralwasser bekannter europäischer Nobelmarken, frisch importiert. Schließlich wächst der beste Wein der Welt ja eh in Neuseeland und Australien, so glaubt man allgemein. Wenn der Tourist die Nase voll haben sollte von thailändischen Fischgerichten mit Kokosmilch und Koriander serviert mit agro-industriell produzierten Sauvignon-Blanc, dann bleiben ihm immer noch „Fish and Chips“ und Dosenbier auf der Hafenmole. Auch sehr lecker und frisch. Und so manchen Kiwi, der noch nicht zum Weintrinker bekehrt ist, trifft er dort auch. Infos zum neuseeländischem Wein: www.nzwine.com

 

Text: Johannes Bicher


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