KANARISCHE INSELN - URLAUB AUF EL HIERRO
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El Hierro - Sabinabäume, Aussichtspunkte, ein Fischerort und Ringkämpfe (Tag 4)
Am nächsten Morgen wollten wir den West- und Südteil der Insel kennen lernen. Vorbei an schroffen Steilküsten, Vulkankratern und grobsteinigen Buchten bestaunten wir die urzeitlich wirkende Vulkanlandschaft. Obwohl etwas an Lanzarote erinnernd, ist die Landschaft doch ganz anders, was in erster Linie an den unterschiedlichen Lava-Arten liegt. El Hierro wirkt steiniger, Lanzarote ist eher von Ascheflächen geprägt.
Besonders reizvoll sind die etwa 500 kleineren und größeren Vulkankegel.
Unser Weg führte uns weiter bergauf. Schließlich stoppten wir am Straßenrand und gingen einige Meter bergauf, um zu den Wahrzeichen El Hierros zu gelangen, den Sabina-Bäumen. Sabina-Bäume, eine Art Wacholderbaum, wachsen sehr langsam und nehmen unter dem Einfluss der immerwährenden Fallwinde im Laufe der Jahrhundert immer verdrehtere Formen an. Das Gebiet der Sabina-Bäume wird El Sabinar genannt. Früher war ein Großteil der Insel hiermit bedeckt, heute gibt es nur geringe Restbestände, die streng geschützt werden.
Einige Kilometer weiter stoppten wir an der Wallfahrtskapelle Ermita Virgen de los Reyes (der Jungfrau der Heiligen 3 Könige), dem bekanntesten sakralen Bauwerk der Insel. Alle vier Jahre findet auf El Hierro ein großes Fest statt. Die Madonnenfigur der Jungfrau wird über die Insel getragen und es wird vier Wochen lang gefeiert. In der Zeit dieses Festes ist die Insel überfüllt. Viele ehemalige Herreños, vor allem aus Südamerika und Kuba, nehmen das Fest zum Anlass die alte Heimat zu besuchen und alte Freunde und Verwandte zu treffen.
Aber meist ist es hier recht ruhig zu, ideal um die Umgebung zu Fuß zu erkunden, den Vögeln zuzuhören und ein wenig in der Sonne zu dösen.
Über enge Straßen ging es weiter, immer weiter gen Süden. Unser Ziel war La Restinga, ein kleiner verschlafener Hafenort. Unter Tauchern ist La Restinga trotzdem bekannt. Das westlich liegende Meeresgebiet Mar de las Calmas steht steht seit einigen Jahren unter Naturschutz. Mar de las Calmas, auf deutsch stilles Meer, liegt gut geschützt vor den Passatwinden vor der Südküste.
Selbst die einheimischen Fischer stimmten für den Schutz, eine kluge Maßnahme, da sich dort die Fische ungestört vermehren können, was sich auch sehr positiv auf die Population der übrigen Seegebiete rund um El Hiero ausgewirkt hat.
Außerdem kommt auch der, in bescheidenem Umfang wachsende Tourismus der Bevölkerung zu Gute.
Nach dem langen Vormittag hatten wir wieder Appetit bekommen und wie es sich für ein Fischerörtchen gehört, fand sich auch ein Fischrestaurant: Das Restaurante La Vieja Pandorga. Kurz gesagt, es war wirklich eine nette Überraschung. Die Muscheln, Meeresschnecken, Krabben, Garnelen, Calamares, Polypen und die vielen Fischgerichte waren natürlich frisch, aber auch sehr lecker und gekonnt zubereitet.
Es machte zudem richtig Spaß dem netten und mit viel guter Laune arbeitenden Service zuzuschauen. Es war Samstag Mittag, das Lokal voll, der Service arbeitete im Wesentlichen zu zweit und trotzdem klappte alles wie am Schnürchen. Das sieht man in dieser Form leider selten.
Wir hatten noch etwas Zeit in der Badebucht Cala de Tacorón, fünf Kilometer von La Restiga entfernt, ins Wasser zu springen und das glasklare Wasser in der geschützten Bucht zu bewundern, bevor wir auch schon weiter mussten. Schließlich wollten wir, bevor es ganz dunkel wurde, noch den Aussichtspunkt Mirador de Las Playas erreichen: Eine Fahrt die sich gelohnt hat. Hier hat man wirklich einen tollen Blick über den schroffen Ostteil der Insel bis runter ans Meer.
In der Bucht weit unterhalb unseres Standortes konnte man einsam und verlassen den Parador von El Hierro sehen. Nur über eine lange einsame Stichstraße kann man das Luxushotel erreichen. Es wäre sicherlich interessant gewesen ihm einen Besuch abzustatten, aber auf uns wartete noch ein weiterer Programmpunkt: ein kanarischer Ringkampf.
Der kanarische Ringkampf, spanisch Lucha Canaria, ist auf den Kanaren eine sehr beliebte Sportart. Die Kämpfer treten jeweils als Mannschaft für ihre Gemeinde an. Es ist also bei den Kämpfen viel Lokalpatriotismus im Spiel. Die Kämpfer versuchen, ähnlich wie beim Judo, den Gegner mit einem gekonnten Wurf zu Fall zu bringen. Auf dem Boden wird nicht weitergekämpft, wer auf die "Matte", also auf den Boden gelegt wird, der hat verloren. Allerdings können andere Kämpfer aus der Mannschaft die Schmach wieder tilgen.
Da die Kämpfer oft minutenlang mit aller Kraft aneinander zerren, muss die Kleidung extrem reißfest sein. Der Kampf fordert den ganzen Mann, der Schweiß fließt in Strömen und auch die eine oder andere Zerrung oder ein Krampf sind nichts Seltenes.
Für uns unbedarfte Mitteleuropäer ein ungewöhnliches, aber interessantes und kurzweiliges Ritual. Wer die Möglichkeit hat, der sollte sich so ein Zusammentreffen von Muskelpaketen nicht entgehen lassen.
Wie auch immer, auch dieser Tag war wieder viel zu schnell vorbei. Am nächsten Tag ging leider zurück in die Heimat. - Schade.
Text und Fotos: Hans-Joachim Franzen
Restaurante La Vieja Pandorga
La Restinga, Telefon: 922 55 71 44
Öffnungszeiten: Von 13 bis 17 Uhr und von 19 bis 22.30 Uhr, Dienstags Ruhetag
Restaurante Brisas del Asabanos, Jesús de Nazareno,2 Valverde, Telefon 922 55 13 50
Hotel del Balneario del Pozo de la Salud, Sabinosa/El Hierro
Tel. 00-34-922 55 95 61, Elhierrohotels.com
Restaurante Mirador de la Peña
Carretera Gral. Del Norte, 40, Valverde-Guarazoca
Telefon: 922 550 300
...und auf La Gomera
Hotelempfehlungen:
Parador de la Gomera in San Sebastian de la Gomera.
Hotel Jardín Tecina, Playa de Santiago
oder
Hotel Gran Rey in Playa de Valle Gran Rey.







