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Warm Wasser: Der Naturpark Ebro-Delta

Ebro-Delta - Welt aus Land und Wasser

Ebro-Delta - Welt aus Land und Wasser. Fotos: Dagny Riegel

„Aigua de calor“ nennt Naturpark-Ranger Xavier die Regentropfen, „Hitzewasser“. Luft und Haut sind ohnehin feucht, Wasser ist das bestimmende Element im Delt'Ebre, dem südlichen Teil Kataloniens, wo sich Spaniens mächtigster Fluss, der Ebro, zum Meer hin auffächert. „Im April ist das ganze Delta ein Spiegel“, sagt Xavier und meint damit das Brackwasser, das die Felder zur Zeit der Aussaat völlig bedeckt, so dass sich der Himmel darin spiegelt. Jetzt, im September, ragen überall in der Ebene die Spitzen der Reispflanzen aus der Wasseroberfläche. Hier und dort von einzelnen Häusern oder einem Damm mit einer schmalen Straße unterbrochen. Die Ernte hat schon begonnen, und die Felder ziehen sich in Grün, Gelb bis Braun vom Meer zum Horizont, den das Montsià-Gebirge abschließt.

 

Es ist das zweitgrößte Reisanbaugebiet Europas. Rund 30 Sorten zählen die Katalanen, allen voran der Arroz Bomba, ein Rundkornreis. Er wird im Restaurant L'Estany, das nur ein paar Minuten entfernt in Amposta liegt, mit Sepia als schwarze Delikatesse „Arrossejat“ gereicht. Zusammen mit Aal, der Nudelpfanne „Fideuà“ und Enten-Foie gehört er zu den Spezialitäten des Hauses, zum Verfeinern wird Meersalz der örtlichen Salinen gereicht.

 

Bei der Vogelbeobachtung sind Kormorane und Flamingos zu sehen

Bei der Vogelbeobachtung Kormorane und Flamingos erspähen

Aber nicht nur dem Reis bietet die Ebene einen idealen Lebensraum. Xavier bremst sein Fahrrad vor einem offenen Holzunterstand, zu dem ein paar Stufen hinaufführen. Drinnen steht eine Bank, vor der in Augenhöhe ein Streifen in der Wand ausgespart ist. Xavier stellt sein Fernglas auf und richtet es auf den Wassergraben, der sich vor der Luke erstreckt. Im Schilf hat er etwas entdeckt. Nein, nicht die roten und gelben Blüten, sondern einen Kormoran. Einer der seltenen Vögel, die sich im dünn besiedelten Delta-Naturpark wohl fühlen. Ein unauffälliger dunkler Vogel von der Gestalt einer großen Ente fliegt davon und beschert auch dem Laien einen gewissen Triumph – gesehen ist gesehen!

 

Vogelbeobachtung ist ein wichtiger Zweig des sanften Tourismus', den die Region pflegt. Noch kommen wenige ausländische Gäste in die flache Marschlandschaft, die im Durchschnitt nur 1,5 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Die meisten kennen, wenn überhaupt, nur die weiten unverbauten Strände. Dabei ist – so langsam Wasser und Leben hier zu fließen scheinen – Eile angesagt: Staudämme im Landesinneren bedrohen das Idyll. Je mehr von ihnen entstehen, desto weniger werden Wasser und Schlamm, die für den Erhalt der Landschaft essentiell sind.

 

Radtour durchs Ebro-Delta

Radtour durchs Ebro-Delta

Ohne die Stille zu stören, können Touristen das Naturschutzgebiet mit Fahrrädern erkunden. Die bekommen sie zum Beispiel am Restaurant L'Estany. Da zu den Königen der Lüfte hier auch Mücken gehören, sollte neben dem Fernglas ein Schutzspray ins Fahrradkörbchen. Radroute 1 führt ans Meer. Highlight der 26 Kilometer sind die Flamingos. Den langen Hals zu einer S-Kurve gebogen, stelzen sie im seichten Wasser umher. Eine ganze Kolonie weiß-rosafarbener Langbeiner, unbeeindruckt von den vielen Ferngläsern, die auf sie gerichtet sind.

 

Sie und ihre Artgenossen zu schützen, gehört zu den obersten Zielen des Naturparks. Xavier deutet vom Fahrrad aus auf ein weiteres Holzhäuschen, zu dem keine Stufen hochführen. Das dient nicht den Menschen zur Vogelbeobachtung, sondern bietet den Fledermäusen ein Dach über dem Kopf beziehungsweise Füßen. Bis zu 25.000 von ihnen könnten hier einkehren. Das hat auch für die Menschen Vorteile, und zwar nicht nur für Naturbeobachter: „Eine Fledermaus frisst tausend Mücken in einer einzigen Nacht“, sagt Xavier. Als er über die Lagune blickt, in der die Flamingos stehen, fällt ihm noch etwas ein, worauf er stolz ist: „Da hinten wurden große Teile eines Films mit Penelope Cruz gedreht“, sagt er, „Der Titel war 'Sahara'.“ Nicht weil der Regisseur zu Scherzen aufgelegt war – mitten in dem nassen Paradies haben sich beeindruckende Sanddünen gebildet, die dem Filmteam die weite Reise nach Afrika ersparten.

 

Tipps und Adressen für den Wander-Urlaub in Katalonien

Reisfelder im Ebro-Delta

Reisfelder im Ebro-Delta

LLoret de Mar

Meeresmuseum

Camprodón i Arrieta, 2

Telefon +34 972 364 735

Eintritt für Erwachsene: 4 Euro

 

Hotel Santa Marta

Platja Santa Cristina

Telefon: +34 972 364 904

Hotel Santa Marta

 

Fünfsterne-Hotel direkt in der felsumrahmten Bucht Santa Cristina mit Bar, Restaurant und Pool am Strand. Die Palmen bieten Schatten, so dass auch zur Mittagshitze Entspannung pur herrscht.

 

Gärten der Santa Clotilde

Paratge de Santa Clotilde ( 17310)

Telefon: +34 972 370 471

Eintritt für Erwachsene: 4 Euro

 

Costa Dorada

Offizielle Katalonien-Seite:

Wandern in Katalonien

 

Offizielle Costa Dorada-Seite:

Wandern an der Costa Daurada

 

Ebro-Delta

Restaurant L'Estany

Apartat de Correus 181

Amposta

Telefon: +34 977 261 026

 

Hotel L'Algadir

Ronda dels Pins, 27-29

Poble Nou del Delta

Doppelzimmer zwischen 90 und 115 Euro, je nach Saison

 

Joan Capilla Pepiol führt das schmucke Drei-Sterne-Hotel mit Liebe zum Detail. Sein Vater besorgt die Muscheln und anderen Meeresfrüchte für die ausgezeichnete Küche des Hauses, seine Mutter bereitet das Essen eigenhändig zu. Es entspricht dem Stil des Hotels, mit möglichst einfachen, hochwertigen Produkten auszukommen, die allesamt regional hergestellt wurden: Wenn der Vater morgens keine Muscheln im Delta findet, gibt es abends keine. Als erstes Hotel Kataloniens hat das Haus ein Biozertifikat bekommen.

Es ist ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen und Radtouren und liegt in völliger Ruhe im Dorf Poble Nou. Die Familie holt Wanderer von Endpunkten ihrer Touren mit dem Auto ab und hat einen Raum zum Trocknen der Schuhe und Abstellen der Fahrräder eingerichtet. Die Zimmer sind schlicht und stilvoll möbliert, ein kleiner Pool erfrischt müde Sportler-Waden. Auf der Terrasse mit Palmen und Bananenpflanzen können die Gäste an lauen Abenden entspannen.

 


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