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Dänemark - Urlaub auf den Spuren der Wikinger
Dänemark ist Wikingerland, uumindest an einigen Orten im heutigen Königreich, an denen die Dänen das Leben ihrer kriegerischen Vorfahren zum Hobby gewählt haben. Dänische Wikingerfestivals und echte Wikingerdörfer sind ebenso besuchenswert wie die vielen Ausstellungen und Museen, die sich mit der Geschichte der Nordmänner und -frauen befassen.
"Lebende" Wikingermuseen - wo die Zeit stehengeblieben zu sein scheint
In der frühen Wikingerzeit war Ribe, die älteste Stadt Dänemarks an der heute sütjütländischen Grenze, ein bedeutender Handelsknotenpunkt zwischen West- und Nordeuropa. In einer neuen Siedlung am Stadtrand scheint die Zeit seither stehengeblieben zu sein. Umgeben von wogenden Weizenfeldern und saftigen grünen Wiesen stehen ein paar Zelte und ein hölzernes Langhaus. Der Duft von verbrennendem Buchenholz liegt in der Luft. Eine Ziege mäht, Hühner geben gurrende Laute von sich, und ein Hund versucht vergeblich, sich der Leine und des Pflockes zu entledigen. Dazwischen mischt sich der glockenhelle Klang eines Hammers, der auf einen Amboss aufschlägt. Es zischt leise, als das Metallteil in kaltes Wasser getaucht wird.
Vor einigen Zelten entlang eines Trampelpfades sitzen Frauen und Kinder in einfacher Kleidung: lange, von der Sonne ausgebleichte Kittel und Schürzen mit geflochtenen Gürteln, darunter weiße Blusen. Sie tragen lederne Schnürschuhe, die auf dem Fuß gefaltet und nur von einem schmalen Lederband zusammengehalten werden. Viele sind barfüßig. Kunstvoll gedrehte Silberfibeln und -broschen oder bunte Glasperlenketten schmücken die Menschen. Die langen Haare werden von bunten Bändern zusammengehalten.
Alle sind eifrig damit beschäftigt, ein schmackhaftes Mahl zuzubereiten. Über den zahlreichen Lagerfeuern hängen an schweren Ketten gusseiserne Töpfe. Getreidekörner, frisches Gemüse, wilde Kräuter, ein ganzer Ziegenkopf oder einige Knochen brodeln vor sich hin. In großen Pfannen werden knusprige süße und salzige Getreidefladen gebacken, die man später mit Kräuterquark oder Honig genießt. Ein wahrer Gaumenschmaus! Die Kinder sind eifrig bemüht, in hölzernen Mahlschalen die Körner möglichst fein zu zermahlen. Die Männer hacken Holz, schmieden Werkzeuge und Waffen oder schnitzen hölzernes Besteck und Essgeschirr. Einige bauen an einem neuen Langhaus, das aus einzelnen Baumstämmen und mit Holznägeln zusammengesetzt wird. Nach dem Essen legen die Männer sich zu Ruhe. Die Frauen färben, weben und stricken oder stellen Schmuck- und Kultgegenstände aus feinem Silberdraht und Bernstein her. Früher brachen die Männer mit Einbruch der Dämmerung zur Jagd auf. Heute genießen Besucher die Beschaulichkeit des „lebenden“ Museums bis zum Sonnenuntergang.
Szenenwechsel. Eine steife Brise weht über die Köpfe der Zuschauer. Hunderte stehen entlang des Strandes bei Moesgård, einem Vorort der zweitgrößten dänischen Stadt Århus in Mitteljütland, und blicken gebannt auf das endlose Blau des Meeres. Noch ist alles ruhig, der Horizont leer. Plötzlich kommt Bewegung in die Menge. Am Horizont nähert sich eine Handvoll schmaler Schiffe, vorangetrieben durch rhythmische Ruderschläge dutzender Männer und einem leuchtend rot-weiß gestreiften Rahsegel, das sich stolz im Wind bläht.
Die gebrüllten Kommandos erreichen die Ohren der Wartenden nur als leises Rufen. Gischt spritzt entlang der Bootsseiten in die Höhe. Es ist Schwerstarbeit, die Boote gegen Wellen und Strömung gen Land zu treiben, obwohl sie durch die hochgezogenen Vorder- und Achtersteven eine ideale Form haben, um auf dem aufgewühlten Meer voranzukommen. Langsam erkennt man Einzelheiten: die entlang der Brüstung aufgereihten Schilde, die bronzefarbenen Helme, die reich verzierten Tierkopfpfosten am Bug der Wikingerschiffe. Die Fahrt wird langsamer, die Rahsegel eingezogen, die Befehle klingen sanfter. Die Boote werden den lang auslaufenden Wellen hingegeben, die sie in Richtung Strand tragen. Man hört deutlich das Ächzen der Planken. Der Geruch von nassem Holz und Fisch liegt in der Luft. Nacheinander erreichen die Boote seichteres Wasser. Anker werden ausgeworfen. Die Seeleute, in Felle, Leinen oder Leder gekleidet, springen ins Wasser und waten an Land. Später wird ein Teil von ihnen diese Kleidungsstücke gegen eiserne Kettenhemden und furchteinflößende Kampfhelme eintauschen, um den Zuschauern zu zeigen, dass sie mit dem Schwert ebensogut umgehen können wie mit dem Ruder. Ihr Können beweisen die tapferen Helden nicht nur hier beim jährlichen Treffen von Wikingern aus aller Welt am Strand unweit von Århus, sondem auf den dänischen Wikingerfestivals, die jedes Jahr veranstaltet werden.
Wikinger-Spurensuche in Dänemark
Vor mehr als 1.000 Jahren betraten die Wikinger die Bühne des politischen Geschehens in Europa. Sie segelten in Langschiffen über die Meere, um ihre Waren und ihre Kultur gegen Ansehen und Macht „einzutauschen“. Sie kamen aus dem hohen Norden und traten nicht immer sehr friedfertig auf. Seit dem achten Jahrhundert flehte man vielerorts: „Beschütze uns, gütiger Herr, vor dem Zorn und der Raserei der Nordleute!“, eine oft vergebliche Bitte. Von 800 bis ans Ende des elften Jahrhunderts hinterließen sie ihre Spuren rund um den halben Globus. Doch sie plünderten nicht nur und brachten materielle Reichtümer in den Norden, sondern beeinflussten auch nachhaltig die politischen Systeme Europas. Auf der Suche nach Spuren der Wikinger in Dänemark gibt es vieles zu entdecken, und ihre Faszination lässt einen nirgends mehr so richtig los: Steht man zum Beispiel in Roskilde auf der Insel Seeland vor der Wikingerschiffshalle und richtet den Blick über den Fjord, auf dem sich früher die Schiffe sammelten, packt einen ein Gefühl, als ginge man selbst auf große Fahrt. Noch authentischer wird's, wenn man auf einem nachgebauten Wikingerschiff selbst die Segel setzt. Oder wenn man im weiten Rund der Überreste der Trelleborg auf Seeland spazieren geht, einer der imposantesten der vier in Dänemark übrig gebliebenen Ringburganlagen, und sich von ihren streng geometrischen Formen inspirieren lässt. Oder im nördlichen Jütland bei Lindholm Høje auf einem der größten Grabplätze aus der Wikingerzeit einem turbulenten Wikingerspiel beiwohnt. Wenn über den 700 Gräbem die Sonne langsam am Horizont versinkt, überziehen ihre letzten Strahlen den nahen Limfjord mit einem goldenen Glanz.
Wikinger erreichten die äußersten Enden der damals bekannten Welt
Die Vielfalt der Darstellung, mit der Fachleute in Dänemark versuchen, die Zeit der Wikinger zu rekonstruieren, ist einzigartig und so verschiedenartig, daß jeder auf seine Kosten kommt. In „lebenden“ Museen wie in Ribe oder traditionellen Häusern wie dem Nationalmuseum in Kopenhagen, drinnen wie draußen, erhalten die Besucher fundierte Informationen über die Geschichte und das Leben der Wikinger. Die ausgestellten prächtigen Fundstücke aus heimischem Boden spiegeln den Reichtum der wikingischen Kultur wider. Fremdartige Schätze stammen aus einer Reihe erfolgreicher Plünderungs- und Eroberungszüge. Sie beweisen, daß es den Wikingern gelang, die äußersten Enden der damals bekannten Weit zu erreichen. Die Überreste zeugen aber auch davon, dass die Impulse, die die Wikinger während ihrer Exkursionen auf kulturellem Gebiet erfuhren, von ihnen in einzigartige kunsthandwerkliche Fähigkeiten umgesetzt wurden. Verzierte Metallstücke, die zu Schmuck, Geschirr, Beschlägen o.ä. verarbeitet wurden, Steinmetzarbeiten mit reicher, mythologischer Tierornamentik, Holzschnitzereien sowie Plastiken und Webarbeiten geben einen vorzüglichen Einblick in die Entwicklung des wikingischen Kunsthandwerks in Dänemark. Die Szenarien der lebenden Museen und Wikingerfestivals oder das bunte Treiben auf den Wikingermärkten sollen dem Besucher hingegen ein möglichst authentisches Bild des alltäglichen Lebens der Wikinger vermitteln, die sich übrigens zum überwiegenden Teil zu Hause recht wohl fühlten und keineswegs ausschließlich die wilden und eroberungssüchtigen Gesellen waren, als die sie gerne dargestellt werden. Diesem Image werden eher die Festspiele gerecht, die während des Sommers im dänischen Königreich stattfinden. Ob in Moesgård, Trelleborg oder Lindholm Hoje: Überall stellen die in mehr oder weniger historische Kostüme gekleideten zeitgenössischen Wikinger unter dem begeisterten Applaus der Zuschauer ihre angriffslustigen und rauheren Seiten unter Beweis. Mitunter versinken dabei ganze Langschiffe in den Fluten eines Sees oder Fjords.
Adressen
- Nationalmuseum: DK-1471 Kopenhagen K, Tel. 00 45 / 33 13 44 11, Fax 33 47 33 30.
- Wikingerschiffshalle: DK-4000 Roskilde, Tel. 00 45 / 46 30 02 00, Fax 46 32 21 15.
- Museum Trelleborg: DK-4200 Slagelse, Tel. 00 45 / 53 54 95 06, Fax 53 54 95 16.
- Ladbyschiff: DK-5300 Kerteminde, Tel. 00 45 / 65 32 16 67, Fax 65 32 34 69.
- Kulturcenter Hollufgard: DK-5220 Odense SO, Tel. 00 45 / 66 13 13 72, Fax 65 95 84 90.
- Lindholm Hoje Museum: DK-9400 Nørresundby, Tel. 00 45 / 98 17 55 22, Fax 98 17 55 62.
- Wikingercenter Fyrkat: DK-9500 Hobro, Tel. 00 45 / 98 51 19 27, Fax 98 52 27 52,
- Prähistorisches Museum Moesgård: DK-8270 Hojbjerg bei Arhus, Tel. 00 45 / 89 42 11 00, Fax 89 27 23 78.
- Museum Ribes Vikinger: DK-6760 Ribe, Odins Plads, Tel. 00 45 / 76 88 11 22, Fax 76 88 11 66.
Wikingerfestivals:
- Anfang Juli: Wikingerspiele bei Lindholm Høje, Nørresundby
- Ende Juli: Internationales Wikingertreffen am Moesgård Museum bei Århus
- Mitte Juli: Wikingermarkt bei Trelleborg, Slagelse (an den Wochenenden)
- Ende Dezember: Wintersonnenwende-Markt in Fyrkat bei Hobro



