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Cumbria auf den Spuren der Autorin und Naturschützerin Beatrix Potter
Beatrix Potter kam als Kind wohlbetuchter Eltern 1896 erstmals zu einem längeren Sommerurlaub nach Near Sawrey im nordenglischen Cumbria. In den nächsten 21 Jahren verbrachte die Londoner Familie jeden Sommer im Lake District. Beatrix Potter fasste eine tiefe Zuneigung zur Landschaft mit ihrer vielfältigen Flora und Fauna, die sie zeitlebens nicht wieder losließ.
Das Mädchen fiel auf, nicht etwa, weil es die neueste Großstadtmode im Dorf vorführte, sondern weil es auf Schritt und Tritt von einem Hasen an der Leine begleitet wurde, zu anderen Gelegenheiten einen Igel im Korb spazieren trug oder gar eine Handvoll Mäuse mit sich führte.
Zu Hause hatte Beatrix, die wie viele ihrer begüterten Zeitgenossen von einer Gouvernante und Hauslehrern unterrichtet wurde und sehr wenig Kontakte zur Außenwelt und zu anderen Kindern hatte, einen wahren Privatzoo.
Kaninchen, Mäuse, Igel, Frösche und Vögel waren für sie nicht nur Studienobjekte und Modelle für ihre ambitionierten naturalistischen Zeichnungen – sie waren auch ihre Gefährten.
Umweltschützerin der ersten Stunde
Der Lake District war auch schon zu Beatrix Potters Zeit hochgeschätzte Sommerfrische wohlhabender Stadtmenschen. Das nur etwa 200 km² große Gebiet mit den urwüchsigen Gebirgen und zahlreichen Seen gilt vielen Briten als schönster Landstrich Englands. Auch damals schon wurden Bauernhäuser und unrentabel gewordene Farmen zu Ferienhäusern umgebaut und Städter erwarben alte Cottages, die dann die meiste Zeit über leer standen.
Beatrix Potter gehörte zu den ersten Naturschützern und Denkmalpflegern des Landes und kaufte von ihren Honoraren alte Bauernhäuser und das zugehörige Land auf, um es im Naturzustand für die Nachwelt zu erhalten. Ein Freund der Familie, Reverend Rawnsley, der Beatrix Potter schon früh im Malen bestärkt und ihr auch dazu geraten hatte, ihre Kindergeschichten zu veröffentlichen, gehörte zu den Gründungsmitgliedern des National Trust. Sein Engagement beeinflusste Beatrix Potter wohl nachhaltig, denn fortan gab sie nicht nur die Erlöse ihrer Bücher für Bauernhäuser, Höfe und Land aus, sie bedachte den National Trust auch in ihrem Testament. Als Beatrix Potter am 22. Dezember 1943 im Alter von 77 Jahren starb, hinterließ sie dem Trust 14 Farmen mit über 2000 Hektar Land sowie ihre Herde Herdwick-Schafe. Mit diesem Geschenk legte sie den Grundstein für die weitere Arbeit der Organisation, die heute im Lake District 91 Farmen besitzt, auf denen über 25 000 Herdwick-Schafe grasen.
Die Welt der Beatrix Potter – literarische Spurensuche in Cumbria
Die Ausstellung „The World of Beatrix Potter“ mit ihren lebensgroßen Figuren aus den Bestsellern ist ein ideales Familienausflugsziel in Bowness-on-Windermere. Am schönsten ist die Anreise mit dem Boot über den Lake Windermere. „Hill Top“ in Near Sawrey wurde seit Beatrix Potters Tod kaum verändert: Am Kamin stehen noch ihre Schuhe, an einem Haken hängt ihr Hut, sie könnte jeden Augenblick von einem Spaziergang über die Felder zurückkehren. Vielleicht ist die Farm deshalb zum Wallfahrtsort für Beatrix-Potter-Fans aus aller Welt geworden (an dem es während der Sommerferien schon einmal ziemlich voll sein kann).
In Hawkshead in Cumbria ist in der ehemaligen Anwaltskanzlei ihres Gatten die „Beatrix Potter Gallery“ untergebracht, in der viele Originalzeichnungen ausgestellt sind. Der National Trust unterhält von Ostern bis Oktober einen Minibusservice, den „Tarn House Tourer“, der Besuchern erlaubt, ohne eigenes Auto auf den Spuren von Beatrix Potter die schönsten Ausflugsziele im Lake District, u. a. die Museen und Bauernhäuser, zu erreichen. Bed & Breakfast à la Beatrix Potter können Gäste auf drei Farmen, die von ihr vor dem Verfall gerettet wurden, buchen. Als Nebenerwerb vermieten die Bauersfrauen heute Gästezimmer auf der Yew Tree Farm in Coniston sowie auf der High Loathwaite Farm und der Low Loathwaite Farm in Ambleside. Ein Country House Hotel mit Bezug zur Dichterin ist das Lindeth Howe Hotel in Bowness-on-Windermere, das am Lake Windermere „Rooms with a View” anbietet. Beatrix Potter hatte das Haus für ihre Mutter gekauft (www.lindeth-howe.co.uk). Den wahren Geist von Beatrix Potter wird der Besucher aber am besten bei einer langen Wanderung durch den malerischen Lake District spüren. Es hätte die alte Dame sicher glücklich gemacht, dass Cumbria kürzlich für seine Bemühungen um den sanften Tourismus mit dem „Green Globe 21“ ausgezeichnet worden ist!
Text: Monika Uhe-Woldt
Urlaubsplanung mit Beatrix-Potter-Bezug beginnt auf den Webseiten www.cumbria-the-lake-district.co.uk und www.visitcumbria.com sowie der Seite des National Trust.



