WANDERREISE KATALONIEN - COSTA DORADA

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Meerweg-System: Wandern an der Costa Dorada

Steiler Wanderweg

Steiler Wanderweg. Fotos: Dagny Riegel

Auf dem Hotel-Balkon geht ein alter Mann in die Knie. Noch im Unterhemd, den Blick aufrecht über das Meer zu seinen Füßen gerichtet, die salzige Luft tief einatmend, macht er ein paar Kniebeugen und Gymnastik für die Arme. Im September, wenn der Wind etwas kühler und das Wasser noch von der Augusthitze lau ist, werden die Feriengäste wieder aktiv an der Costa Dorada (katalanisch: Costa Daurada) im Süden Kataloniens. Die Katalanen selbst haben eine lange Tradition körperlicher Ertüchtigung, der älteste Wanderverein entstand 1876 als einer der ersten Europas. Rund 9.000 Kilometer Wanderwege hat der Dachverband FEEC in seiner langen Geschichte ausgeschildert, 23 Berghütten aufgebaut, alles mit Hilfe ehrenamtlicher Wanderer.

 

Lluis Simo ist einer von ihnen. „Rot-weiße Streifen bedeuten Fernwanderweg, gelb-weiße Kurz- und grün-weiße Ortswanderweg“, erklärt er uns und schwingt seinen Bauch im Trekking-Shirt behände die steilen Stufen zur Klippe hoch. Wir folgen der rot-weißen Farbe auf dem Stamm der Pinie. Der GR 92 ist der „Sender Mediterrani“, ein Weg, der irgendwann einmal das Mittelmeer umrunden soll. Bis Frankreich kommt man schon, aber dort sind viele Grundstücke an der Küste privat, anders als in Spanien. „Hier dürfen seit vielen Jahren auch keine neuen Häuser mehr näher als 500 Meter ans Meer gebaut werden“, sagt Lluis, „Woher ein Hotel wie das hier kommt, weiß ich allerdings auch nicht.“ An zwei, drei Stellen ragen neuere Anlagen empor, gern direkt an der Klippe exponiert. Dagegen kann er auch nichts machen.

 

Wegbegleiterin "Maria"

Wegbegleiterin "Maria"

Von Bettenburgen blieb der Streifen nordöstlich von Ampolla jedoch weitgehend verschont. So geht die Wanderung über gute 15 Kilometer hinweg meist an ansehnlichen Ferienhäusern, Felsen und Buchten vorbei, bis zum natürlichen Hafen von Port Olivet. Pinien und Rosmarin versüßen duftend die Aufstiege. Ebene Abschnitte und asphaltierte Wege wechseln sich mit steilen Passagen über steinige Hänge und Felsformationen ab. Plastikmüll und Co. stören nur selten das Bild, und wenn die Sonne herauskommt, bieten zahlreiche Strände Gelegenheit zum Baden und Felsen mit Pinien schattige Picknickplätze mit wunderbarem Blick aufs Meer.

 

Unsere Aussicht vervollständigt das Fischerboot Maria. Fast die komplette Strecke über schippert das blaue Bötchen neben uns her, holt seine Netze ein und verschwindet, um nach einer Viertelstunde wieder neben einer steinernen Insel aufzutauchen. Lluis bleibt an einer Ruine stehen: „Das ist ein alter Beobachtungsturm“, informiert er uns, „Der ganze Pfad verläuft auf alten Wegen, mit deren Hilfe die Küste kontrolliert wurde.“ Immer wieder führen die Strecken in Katalonien an solchen Wachtürmen vorbei, mit denen sich die Küstenbewohner vor Piraten zu schützen versuchten. Bauern mit abgelegeneren Höfen bauten sich manchmal selbst Türme: Bei einem Angriff flüchteten sie in den ersten Stock, zogen die Brücke hoch und ließen die Piraten stehen.

 

Kaktusfeigen am Wegesrand

Kaktusfeigen am Wegesrand

Auch wir bleiben etwas unschlüssig stehen. Eigentlich soll der Weg an einem Haus rechts ans Meer abbiegen, aber links deutet eine Kennzeichnung Richtung Straße. Lluis geht auf die Küste zu, taucht einen Moment später wieder auf und bedeutet uns, vorzugehen. Ein Hausbesitzer hat den Abschnitt „privatisiert“. Da kann Lluis etwas machen; er klärt den Eigentümer auf und stößt anschließend im Eiltempo und schwitzend wieder zu uns. „Senderismo“, das Wandern, lebt schließlich vom Engagement. So steht unter den Empfehlungen der Wanderbroschüre, neben Kopfbedeckung, Wasser und festem Schuhwerk auch eine Schere mitzunehmen: Zum Stutzen der Vegetation, damit die Wege erhalten bleiben.

 

Palamos am Abend

Palamos am Abend

Segeln auf dem Mittelmeer
Segeln auf dem Mittelmeer
Grün und Blau leuchtet die Küste
Farbenfrohe Costa Dorada
Angler in Lloret
Angler in Lloret


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