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Castellón – Reise ins Hinterland der Orangenblütenküste

Die Umgebung von Vilfamés

Die Umgebung von Vilfamés. Fotos: Daniela Hesse

von Daniela Hesse

 

Nur wenige Deutsche verbringen ihren Urlaub in der Provinz Castellón, die sich im Norden des spanischen Landes Valencia befindet. Neben 80 Prozent der Spanier sind gerade einmal fünf Prozent der Urlauber an der Costa del Azahar (Orangenblütenküste) und dem unberührten Hinterland mit seinen sanft geschwungenen Bergen, tiefen Tälern und üppigen Wäldern, Deutsche. Grund genug, sich diesen unbekannten Fleck Spaniens einmal genauer anzuschauen.

 

Wir reisen zwar über den Flughafen in Valencia an, doch zukünftig wird sich zur Anreise der Flughafen Castellón empfehlen. Der Bau des Flughafens ist bereits beendet, jetzt fehlen nur die offiziellen Genehmigungen. Wenn die rechtlichen Bedingungen geregelt sind, kann man die Costa del Azahar dann auch über den neuen internationalen Flughafen erreichen, der sich im 90 Kilometer von Valencia entfernten Vilanova d’Alcolea befindet. Bis es soweit ist, empfiehlt sich für Flugreisende die Anreise über den Flughafen Valencia. Von hier aus dauert es zwar noch rund eine Stunde bis in die Berge der Provinz Castellón, aber wer es nicht eilig hat, kann in Valencia auch noch einen Zwischenstopp zum Sightseeing oder Einkaufen einschieben.

 

Typische Gasse in Vilafames mit Blick auf die Kirche

Gasse in Vilafames mit Blick auf die Kirche

Wir starten jedoch lieber gleich ins schöne Castellón. Bereits während der Fahrt können wir uns von der Schönheit dieser Region überzeugen. Auch im Juni ist es hier noch sehr grün. Die Orangenbäume tragen zwar schon Mitte April ihre Blüten und verströmen einen herrlichen Duft, dafür blitzen im Juni bereits die ersten Früchte in den dunkelgrünen Baumkronen auf. Rechts schimmert das Meer als türkiser Streifen, während zu unserer Linken bereits die Berge Valencias aufragen.

 

Unser erster Stopp ist der Ort Vilafamés, der auf einem kleinen Berg thront. Nachdem wir in der Meson de Vilafamés die leckere Paella und verschiedene Tapas gekostet haben, machen wir einen Stadtrundgang. Die Gassen und Häuser des Ortes, in dem 1.800 Einwohner leben, ziehen sich steil den Berg hoch. Ganz oben thronen eine Kirche und eine Burg. Vom Vorplatz der Kirche hat man einen herrlichen Ausblick auf die Umgebung, die sich flach vor Vilfamés erstreckt. Den Ort kann man bequem zu Fuß entdecken und dabei gleich einiges über die architektonischen Besonderheiten der Region erfahren. Die ist für ihre Keramikprodukte bekannt und so verzieren die Bewohner ihre Balkone auch gerne von unten mit bunten Kacheln. In Vilafamés gibt es zudem zahlreiche Häuser, in denen die roten Sandsteinfelsen des Berges eingearbeitet sind. Lediglich die Roca Grossa, ein riesiger Felsen, ließ man unbebaut. Ihn ziert nur ein kleiner Kaktus. In Vilafamés geht es meist sehr ruhig zu. Da wirkt das Kindergeschrei beim Besuch einer Bar, in der gerade ein spanischer Kindergeburtstag in vollem Gange ist, umso lauter – aber auch umso belebender.

 

Marktplatz von San Mateu

Marktplatz von San Mateu

Auf der Weiterfahrt passieren wir die Baustelle der neuen Autobahn, die die Städte in der Provinz bald noch besser miteinander verbinden soll – auch mit dem Flughafen. Dann geht es weiter Richtung Norden, wo unser Ziel für den ersten Abend der Naturpark Tinença de Benifassa ist. Bevor wir ihn jedoch erreichen, legen wir noch einen Zwischenstopp in Sant Mateu ein. Die Stadt zählt heute zwar nur 1.800 Einwohner, doch im 14. Jahrhundert spielte Sant Mateu als Hauptstadt der historischen Region Baix Maestrat (Bajo Maestrazgo) eine bedeutende Rolle. Viele Künstler prägten damals das Stadtbild. Heute sind aus dieser Epoche noch drei Kirchen und einige Häuser in der Carrer Cortes zu bewundern. In der Mittagshitze bevorzugen die Einheimischen allerdings einen Café oder ein erfrischendes Bier unter den Arkadengängen am zentralen Marktplatz, in dessen Ecke ein Springbrunnen aus dem 15. Jahrhundert vor sich hin plätschert und die Gespräche der alten Männer und der spielenden Kinder untermalt.

 

Für uns bleibt jedoch keine Zeit zum Ausruhen, denn wir wollen zum Naturpark Tinença de Benifassa. Auf dem Weg dorthin wird die Landschaft immer bergiger und wo vorher Orangenbäume die Landstraßen säumten, sehen wir nun weite Felder mit Olivenbäumen. Kurvige Straßen führen uns in die Berge von Castellón, deren höchste Spitze der Peñagolosa mit 1.814 Metern ist. Die Felsen rücken nun immer näher an die Straße. Der Kalksandstein ist hier sehr trocken, überall sieht man große viereckige Risse. Fast wirkt es, als habe jemand sandfarbene Ziegelsteine aufeinander gestapelt. Erneut verändert sich die Landschaft und präsentiert sich nun in Piniengrün. Dazwischen wachsen Steineichen, wilde Buchsbäume klammern sich an die steilen Berghänge. Nach etwa einer Stunde kommen wir schließlich an unser Ziel: das Hotel Moli l’Abad. Inmitten des über 25.000 Hektar großen Naturparks Tinença de Benifassa kann man hier in einigen Holzhütten übernachten. Schon beim Aussteigen atmen wir den Pinienduft ein. Still ist es hier zwischen den Bergen, die uns wie schützende Wände umgeben. Schnell beziehen wir unsere Hütten, die einfach, aber komfortabel eingerichtet sind. Jede Hütte hat einen eigenen Balkon, von dem man eine wunderbare Aussicht auf die hohen Felsen hat.

 

Blick auf das Restaurant Moli l'Abad und die Berge in Tinença de Benifassà

Blick auf das Restaurant Moli l'Abad und die Berge in Tinença de Benifassà

Im Moment interessiert uns jedoch nur das Restaurant des Hotels, denn ein kleines bisschen Hunger haben wir nach dem anstrengenden Tag schon. Um zu Empfang und Restaurant zu gelangen überqueren wir eine Brücke, unter der sich der Fluss Senia – hier gleicht er eher einem Bach – schlängelt. Wer im Moli l’Abad nicht übernachten möchte, der sollte zumindest dem Restaurant einen Besuch abstatten. Die Lage ist einfach traumhaft und bei gutem Wetter kann man auch draußen auf der Terrasse essen. Das Restaurant bietet Schinken und Käse aus der Region, serviert mit selbstgebackenem Brot.

 

Der Name des Hotels lautet übersetzt „Mühle des Abts“ und deutet auf die Vergangenheit des Bauwerks hin, das früher als Mühle genutzt wurde. Das kann man im rustikal gehaltenen Untergeschoss auch noch sehen, während es im oberen Teil des Restaurants schlichter Chic vorherrscht. Nach dem Essen ziehen wir uns in unsere Hütten zurück, wo einige von uns Großstädtern vergeblich de Handy-Empfang suchen – doch er bleibt verschollen. Insgesamt gibt es 14 Hütten, die an einem Hang liegen und von Pinien umgeben sind. Außerdem kann man auf einem Campingplatz zelten und übernachten, der nur wenige hundert Meter entfernt liegt. Zum Moli l’Abad gehören auch zwei Hotelhäuser. Eines liegt direkt gegenüber dem Restaurant, das andere oberhalb des Stausees Ulldecona.

 


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