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Costa del Azahar: Diese Küste macht Lust auf Urlaub
Leider bleiben mir am nächsten Morgen nur noch zehn Minuten, um einmal runter zur Stadtmauer von Morella zu laufen, wo sich um neun Uhr bereits eine Gruppe Mountainbiker versammelt hat. Dann verlassen wir das Städtchen auch schon wieder über eine steile Zufahrt – anders als im Mittelalter es gibt heute mehr als einen Weg nach Morella.
Wieder geht es durch die Berge, diesmal Richtung Küste. Schließlich möchten wir auch einmal das Meer von Nahem sehen. Bevor es jedoch soweit ist, warten etwa eine Stunde Fahrt und ein kurzer Zwischenstopp im Örtchen Vallivana auf uns. Dieser Ort hat für die Bewohner des 25 Kilometer entfernten Morella eine besondere Bedeutung und wird alle sechs Jahre bei den Sexenni-Feierlichkeiten mit aufwändigen Prozessionen angesteuert. Der Brauch geht auf das Jahr 1672 zurück, als die Pest in Morella wütete. Damals baten die Bewohner ihre Schutzpatronin, die Virgen de Vallivana, bei einer Prozession um Hilfe. Kurz darauf wurden sie von der Pest erlöst und dankten im Jahre 1678 mit einer weiteren Prozession, die seitdem alle sechs Jahre stattfindet. Zu den neun Tage andauernden Feierlichkeiten Ende August schmückt sich Morella heute mit bunten Kreppblumen. Wir bekommen jedoch nur die Gelegenheit, die Capella de la Mare de Deu einmal von innen zu sehen, die an diesem Morgen noch völlig ausgestorben ist.
Bei blauem Himmel und Sonnenschein setzen wir unsere Fahrt fort, bei der wir an Tafelbergen, die von den Einheimischen passenderweise „mola“ (Backenzahn) genannt werden, ausgetrockneten Flussbetten und uralten Olivenbäumen vorbeikommen. Langsam tauchen am Straßenrand wieder große Orangenbaumfelder auf und am Horizont erblicken wir das Meer. Wir nähern uns dem Küstenort Vinarós, der etwa 20.000 Einwohner zählt und für seine köstlichen Garnelen berühmt ist. Doch erst im südlich gelegenen Nachbarort Benicarló fahren wir auf die Strandpromenade Richtung Peñiscola. In dem 20.000-Einwohner-Ort Benicarló herrscht lockere Ferienstimmung. Die spanischen Urlauber – oft sind es Rentner – zeigen sich bei dem schönen Wetter in Badelatschen und Sommerkleidung. Das Strandtuch locker unter den Arm geklemmt, spazieren sie gemütlich in Richtung Strand. Tipp für den Urlaub in Benicarló: Hier gibt es ein Parador direkt am Strand – allerdings aus den 1960er Jahren.
Beim Anblick des blau glitzernden Mittelmeers können auch wir nicht mehr widerstehen und legen einen Zwischenstopp ein, um uns den acht Kilometer langen Strand zwischen Benicarló und Peñiscola anzusehen. Es ist elf Uhr morgens und immer mehr Sonnenhungrige zieht es an den Strand, der sehr viel Platz zum Sonnenbaden, Faulenzen und Spazieren bietet. Einige trauen sich auch schon ins Wasser – vielleicht Ausländer? Hinter dem Strand zieht sich eine ebenso lange Promenade mit Autostraße und Fahrradweg lang, an der zahlreiche Hotels, Restaurants, Bars und kleine Supermärkte zu finden sind. Beeindruckender ist jedoch die Aussicht auf den Ort Peñiscola. Der liegt auf einem erhöhten Felsvorsprung, an dessen Fuße sich zwei Sandbuchten und ein kleiner Hafen schmiegen. Nur rund 6.500 Einwohner zählt der Ort, der für seine schöne Altstadt bekannt ist. Auch Peñiscola ist von einer beeindruckenden Stadtmauer umzogen, auf dem höchsten Punkt steht die Burg. Sie wurde von den Tempelrittern, denen die Stadt 1294 zugefallen war, auf den Ruinen einer maurischen Festung errichtet. In den Sommermonaten finden in der Altstadt Peñiscolas das Festival de Teatro Clásico Castillo de Peñíscola und das Festival Internacional de Música Antigua y Barroca statt.
Wir fahren nun wieder auf die Autobahn N-340 Richtung Castellón de la Plana, der Hauptstadt Castellóns. Die Fahrt auf der Autobahn ist sehr angenehm, denn anstatt Lärmschutzwänden bekommen wir rechts die Berge der Provinz zu sehen und links den Naturpark Sierra d’Irta, der sich zwischen Peñiscola und Alcossebre erstreckt. Dieser Naturpark bildet mit seinen direkt am Meer liegenden Bergen eine Ausnahme in Valencia. Wer also an der Küste Castellóns Urlaub macht, kann diesen auch perfekt mit Wanderungen im Naturpark Sierra d’Irta verknüpfen – Meerblick inklusive. Höhepunkt des 16.000 Hektar großen Naturparks ist die Burg Xivert, die maurischen Ursprungs ist und in den Sommermonaten als Veranstaltungsort für Festivals genutzt wird.
Als die Berge des Naturparks immer flacher werden und schließlich in eine Ebene übergehen, kommt das Meer wieder in Sicht. Hinter einer Bucht wird nun auch das erste Mal die Stadt Benicassim sichtbar, deren weißes Häusermeer sich scheinbar nahtlos mit dem der Provinzhauptstadt Castellón de la Plana zusammenfügt. Einen anderen Eindruck erhalten wir auf dieser Reise nicht von Castellón, denn wir biegen nun auf die Landstraße CV-20 ab, die uns wieder in das Innere der Provinz führt.



