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Alles andere als wüst - San Pedro de Atacama

Panorama mit Lama

Panorama mit Lama

23 Stunden braucht der Bus von Santiago de Chile nach San Pedro. Angst, in die Wüste geschickt zu werden, braucht man aber nicht zu haben. Das Städtchen in der Atacama einer der trockensten Regionen der Welt fanden schon die Inkas gut. Auf dem neuesten Inka-Trend ist es jedoch keineswegs hängen geblieben. Ländlich, aber trotzdem aktuell gestylt, zieht es heute junge Weltenbummler an.

 

Hauptsächlich prägen die typischen, geweißten Adobe-Häuser das Stadt- oder Dorf-Bild. Mit ihrem rustikalen Charme sorgen sie schnell für Urlaubsstimmung, vor allem unter dem ewig blauen Himmel. In den Häusern jedoch warten zum Teil hippe Bars und lässige Hostels mit alternativem Publikum. So hat das 1500-Einwohner-Örtchen nicht nur als Ausgangspunkt für Wüstentouren einen guten Ruf, sondern hat sich auchselbst als nette Destination herumgesprochen. Und es genießt sichtlich seinen neuen Schwung nach dem Tief zum Niedergang des Nitrat-Booms vor rund 100 Jahren.

 

Wer in einem der cama Busse, also solchen mit Bett-Komfort, gekommen ist (von Santiago etwa 30.000 CH$= 43 Euro), fühlt sich bestimmt schon bei der Ankunft ausgeruht. So kann man dann schon direkt bei einem Bummel durch die hellen, staubigen Gassen die schönste Herberge aussuchen und sich anshcließend um die vielen Aktivitäten zu kümmern. An der Plaza de Armas, dem Zentrum des Dorfs, findet man die Touristeninformation und auch direkt ein Bankauto mit Geldautomaten, um sich die Späße leisten zu können. Eine "echte" Bank mit Haus gibt es nicht, und es ist ratsam, für alle Fälle genug Bares mitzunehmen. Preislich liegt San Pedro auch deutlich über anderen chilenischen Orten. Wer sich nicht selbst kocht, sollte sich auf Kosten ab etwa 4,50 Euro für Pasta oder Pizza einstellen.

 

An Unterkünften gibt es eine reiche Auswahl, und ein Rundgang lohnt sich bestimmt, zumal die Informationen in den Reiseführern auch nicht immer dem aktuellen Stand entsprechen.

Da wäre beispielsweise die Residencial Corvatsch (Tel: 851 101), von der man nach spätestens fünf Minuten im Ort einen Flyer bekommt. Sie liegt an der Antofagasta zwischen Calam und Atienza. (Übrigens: nicht ärgern, wenn in irgendwelchen Ortsbeschreibungen die Hausnummern fehlen. Sie fehlen in San Pedro auch!) Tatsächlich hat die Herberge einen recht hübschen Hof und ordentliche Zimmer sowie Bäder. Außerdem findet man eine Küche zum Teilen, was sich preislich lohnt. Die Kosten für ein bett im Einzel- oder Doppelzimmer liegen mit 6000 CH$ (8,60 Euro) völlig im grünen Bereich.

 

Fotofreudige Kinder auf einer Bolivien-Tour

Fotofreudige Kinder auf einer Bolivien-Tour

Auch einen schönen 'patio' mit Pflanzen bietet das Hostal Camping Puritama an der Ecke Caracoles und Atienza. Mit 4000 CH$ für ein Bett im einwandfreien Mehrbettzimmer wäre es ideal, bis man einen Blick in die Küche wirft. Sie ist gar keine Küche, sondern nur ein Raum mit heißem Wasser und Kühlschrank.

 

Das Hostal Suncheck am Schnittpunkt von Antofagasta mit Calama dagegen hat ein kleines Küchenhäuschen, das mit den anderen Gästen gemeinsam genutzt wird. Außerdem geht zur anderen Seite ein Café-Restaurant hinaus, wo auch vegetarische Gerichte angeboten werden. Allerdings kocht man letztlich eher doch selbst, anstatt 3000 CH$ (4,30 Euro) in ein Menü des hauseigenen Restaurants zu investieren. Der Hof ist auch hier schön begrünt, aber, um mit mehreren zusammen zu sitzen, nicht optimal, da es immer nur kleine Tische direkt neben den Türen oder Fenstern der Wohnhäuschen gibt.

 

Wohl eine der billigsten Schlafmöglichkeiten stellt die Residencial Florida dar, wo man für 4000 CH$ (5,70 Euro) im 'Dorm' unterkommt und trotzdem noch eine Gemeinschaftsküche im Haus hat. Dafür muss man natürlich weniger Komfort als in den anderen Herbergen akzeptieren. Die Wasserstelle befindet sich zum Beispiel keineswegs in der allgemeinen Küche (wenn man meint, sie darin ausgemacht zu haben, steht man in der Küche der Besitzer!), sondern draußen im Patio. Dieser ist übrigens betoniert, aber gar nicht mal so ungemütlich. Die vielen Pflanzen machen ihn durchaus attraktiv, und man kann in diversen Hängematten den Tag verbaumeln und auch gut mit den anderen Rucksackreisenden zusammen tafeln. Was allerdings tatsächlich gewöhnungsbedürftig ist, sind die Bäder. Sie wirken nicht nur einfach, sondern etwas heruntergekommen. Anders als in den bereits genannten Unterkünften, hat man nachts auch keinen Strom, somit auch kein heißes Wasser. Und die Nacht dauert bis acht Uhr morgens!

 

Wie auch immer man sich entscheidet, die Wahrscheinlichkeit, interessante Menschen kennen zu lernen, ist in allen Herbergen gegeben, so dass man auch als Alleinreiser seinen Spaß in San Pedro hat.

Die meisten Touren in die Wüste bieten sich nur unter ortskundiger Führung an. Entsprechend kann man sich vor Angeboten kaum retten: An jeder Ecke werden Ausflüge beworben. Große Unterschiede scheint es dabei zwischen den einzelnen Veranstaltern nicht zu geben. Die Standard-Touren kosten ungefähr gleich viel und finden auch meist zu denselben Uhrzeiten statt.

Eines der Highlights in der Umgebung San Pedros ist das Valle de Luna, das Mondtal. Eine organisierte Fahrt in diese pflanzenfreie Kraterlandschaft kostet bei dem Großteil der Büros um die 4500 CH$ (6,40 Euro). Los geht es nachmittags um drei, damit man zur Sonnenuntergangszeit auf der großen Düne angekommen ist und von dort aus dem farbgewaltigen Natur-Spektakel zuschauen kann.

Viel Himmel in der Wüste

Viel Himmel in der Wüste

Ein weiteres Muss auf dem Programm eines Atacama-Touristen bildet die Tour zum Salar de Atacama, die es auch als Nachmittagsausflug zu buchen gibt. Mit 3.000 Quadratkilometern birgt das ausgetrocknete Gewässer das umfangreichste Salzdepot Chiles. An manchen Stellen fallen nur 200-300 mm Niederschlag pro Jahr. Wer nicht noch nach Bolivien weiterzieht, wo der weitaus größere Salar de Uyuni wartet, sollte diese Eindrücke unbedingt mitnehmen. Der Preis für die Tour beträgt circa 8000 CH$ (11,30 Euro).

Zu den Großen Drei gehört auch eine Fahrt zu den Geysiren. Das frühe Aufstehen - um 3:30 oder 4:00 Uhr geht es los - lohnt sich. Denn nur wenn man im Morgengrauen bei den Tatio Geisers ankommt, offenbart sich der perfekte Anblick mit dem fahl beleuchteten Dampf. Mit in dem Paket ist auch die Besichtigung des alten Dorfs Caspana oder Chiu-Chiu enthalten, dessen Kirche sehenswert ist. Da es bis zu einer Höhe von 4321 Metern hinaufgeht, sollte man mit Tabletten gegen Höhenkrankheit ausgestattet sein. Für die Strapazen entschädigt bei den meisten Anbietern der Ausklang der Touren zu den 40 Grad heißen Thermen. Wenn es allerdings drum herum kalt genug ist, zögern nicht nut Frierhippen davor, sich in die Badetracht zu werfen.

 

Weitere gängige Ausflüge führen zu der Reserva Nacional de Flamencos oder den Ruinen von Pukará de Quitar, die noch aus der Zeit vor den Inkas stammen und zum Beispiel mit dem Fahrrad von San Pedro erreichbar sind. Gleiches gilt für die archäologisch interessanten Überreste in Tulor.

 

Wer ein bisschen Abenteuerlust und Flexibilität mitbringt, kann sich für 90 US$ zu einer Bolivien-Rundfahrt anmelden. Drei Tage dauert die Jeep-Tour, die an ähnlichen Highlights vorbeiführt, wie es sie auf der chilenischen Seite in Einzeltouren zu entdecken gibt. Unterkunft (teilweise einfachst!) und recht gutes Essen sind inklusive, und die Naturphänomene sind atemberaubend. Je nach Jahreszeit ist es ratsam, Schlafsack, Thermo-Jacke und Handschuhe mitzunehmen, da es auch tagsüber auf einer von über 4000 Metern mehr als frisch sein kann. Außerdem hat sich Bolivien vom "normalen" Wetter abgekoppelt: Es gibt einen eigenen bolivianischen Winter.

Sonnenschutz jeder Art, Taschenlampe und Vorkehrungen gegen Höhenkrankheit gehören auch mit ins Gepäck – je nach Agentur übrigens auch Trinkwasser (mindestens 5 bis 6 Liter).  

Iglesia San Pedro an der Plaza de Armas

Iglesia San Pedro an der Plaza de Armas

In San Pedro selbst kann man zwischen den vielen Touren auch eine schöne Zeit verbringen. Allgemein herrscht  Ferienstimmung. Wenn man an einem der hübschen Restaurants vorbeigeht, wird man gern gefragt, ob man eigentlich schon gegessen habe. Die Antwort "Ja" führt dann lediglich zu dem Hinweis, man könne auch ruhig nur ein Bier trinken. Haupt-Vergnügungsstraße ist die Caracoles mit ihren Lokalen und Geschäften. Vor allem Kunsthandwerk wird verkauft, darunter wirklich schöne Handarbeiten, Keramiken und andere Unikate. Die Auswahl ist etwas teurer, aber auch eindeutig stilvoller als in anderen chilenischen Städten. So kostet etwa ein Schal aus Alpaka-Wolle in dem kleinen Laden auf der Tocono immer noch nicht so viel wie ein Kaufhaus-Stück bei uns. Aber man weiß, dass ihn die schwerhörige Frau, die auf freundliches Guten-Tag-Schreien oder anderen Krach an der Kasse auftaucht, selbst gestrickt hat. Sie legt übrigens auch Tarot, wenn man das möchte, und nennt grundsätzlich auf jede Frage den Preis eines Artikels – auch wenn man das nicht möchte.

 

Kompakt findet man handgefertigte Produkte auf der Feria Artesanal, die von der Plaza de Armas abgeht. Indianisch angehauchte Kleidung wie Ponchos, Schmuck und Deko aus bunten Samen stehen zur Wahl. Außerdem Koka-Tee und Maté oder die löchrigen Schalen und Bilderrahmen aus Kaktus-Holz.

 

Direkt um die Ecke liegt das Museo Archeológico (Gustavo de Plaige), das trotz seiner geringen Größe als international konkurrenzfähige Sammlung eingestuft wird. Rund 380.000 Artefakte von 9.000 vor Christus bis ins 16. Jahrhundert beherbergt das Museum. Darunter finden sich die vom Wüstenklima konservierten Mumien oder die vielen Keramikobjekte verschiedener Völker.

Geöffnet ist die Sammlung von neun bis zwölf und von 14 bis 18 Uhr, am Wochenende geht es eine Stunde später los. Kinder und Studenten zahlen 1000 CH$, und Erwachsene kommen mit 2000 CH$ auch günstig weg bzw. rein.

 

Weiterer Anziehungspunkt des Ortes ist die freundliche Iglesia San Pedro. Die Kolonialkirche wurde im frühen 18. Jahrhundert errichtet und nimmt sich strahlend weiß gut vor dem ewig blauen Himmel aus. Innen kann man die Decke aus Kaktus-Holz bewundern – ein gern verarbeitetes Material in diesen Breiten.       

 

Mehr Informationen über San Pedro de Atacama:

Auf Spanisch und Englisch www.sanpedroatacama.com/

Auf Deutsch www.geovirtual.cl/Museovirtual/atur001.htm


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