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Château de Condé

Richelieus Schlaf- und Arbeitszimmer im Château de Condé

Richelieus Schlaf- und Arbeitszimmer im Château de Condé. Fotos: Berit Böhme

Hinter Condés weiß getünchten Mauern deklamierte Jean de la Fontaine Liebesverse, Olympe de Soissons brütete über Giftrezepten und Kardinal Richelieu meditierte. Das Château in der Champagne beherbergte einige Persönlichkeiten der französischen Geschichte und birgt bis heute ansehnliche Kunstschätze.

 

Der Renaissancebau liegt rund 100 Kilometer östlich von Paris, in dem Örtchen Condé en Brie. Familie Rochefort lebt in einem Flügel des Schlosses, der andere ist Museum. Die Atmosphäre in Condé heimelig, die Räume sind voller Kunstschätze. Schlossherr Aymeri de Rochefort führt seine Gäste persönlich durch die Räume und plaudert dabei über die Geschichte des Anwesens. Das Chateau bekam seine heutige Renaissancegestalt im 16. Jahrhundert, die Wurzeln des Gebäudes reichen jedoch bis ins 12. Jahrhundert zurück. Bis zur Regentschaft Ludwig XIV. gehörte es zur Prinzenfamilie Condé, engen Verwandten des französischen Königshauses. Später gehörte es unter anderem der Familie de Sade. Das Schloss wurde in den beiden Weltkriegen beschädigt.

 

Die Rocheforts kauften das von 30 Hektar Land umgebene Chateau 1983. Sie investierten viel Zeit und Geld in die Restaurierung des Schlosses mitsamt der Nebengebäude „Capitainerie“ und „Porterie“. Besucher gehen beim Schlossrundgang über den Original-Steinboden aus dem 16. Jahrhundert. Die meisten Räume zeigen sich im Gewand des 17. und 18. Jahrhunderts.

Augentäuschung

Château de Condé - Ballsaal

Der Ballsaal, ein scheinbar dreidimensionales Meisterwerk des Italieners Servandoni

Das Treppenhaus und der Ballsaal tragen die Handschrift des italienischen Theatermalers Jean-Nicolas Servandoni (1695 -1766). Den Ballsaal bemalte Servandoni in der Technik „trompe l'oiel“ (Augentäuschung). Die Gestalten und Säulen erscheinen plastisch, sind aber nur eindimensional. Zu sehen sind Szenen aus dem Park von Versailles, der Gott Apollo und Bilder der verschiedenen Erdteile. Ebenfalls von Servandoni stammt das Esszimmer. Es gilt als eines der ersten überhaupt in Frankreich. Der Trend zum separaten Esszimmer schwappte im 18. Jahrhundert aus England nach Frankreich über.

Jagdszenen

Der von Ludwig XV. geschätzte Jagdmaler Jean-Baptitse Oudry (1686 – 1755) gestaltete den „Grand Salon“. Der Salon gilt als der einzige gänzlich von Oudry entworfene Raum überhaupt. An den Wänden hängen blutrünstige Jagdszenen und Hundegemälde. Ein Bild schlummerte jahrhundertelang unentdeckt hinter dem Spiegel über dem Kaminsims. Erst 1991 wurde das Bild durch Zufall entdeckt.

Richelieus Ruheraum

Kardinal Richelieu logierte gerne in Condé, während der Hof Ludwig XIII. im benachbarten Chateau-Thierry weilte. Richelieu mochte keinen Trubel. „Der kam hierher, um seine Ruhe zu haben“, meint Aymeri de Rochefort. In Richelieus Arbeits- und Schlafzimmer steht sein Originalbett, außerdem Alltagsgegenstände aus dem 17. Jahrhundert wie Hand- und Fußwärmer. Das Bett erscheint sehr kurz. „Die Leute haben früher im Sitzen geschlafen“, erklärt Rochefort.

Watteau und Fontaine

Die Fassade des Schlosses trägt die Handschrift der Renaissanc

Die Fassade des Schlosses trägt die Handschrift der Renaissance

Die Hausherren waren den Künsten zugewandt. So war der Maler Antoine Watteau (1684 -1721) mit seinen Schülern ein gern gesehener Gast in Condé. Einige Räume und Flure zieren bis heute Wandbilder aus der Watteauschule. Auch der Dichter Jean de la Fontaine kam nach Condé. Die Hausherrin Olympe de Soissons schätzte die erotischen Erzählungen des Dichters, seine Fabeln hingegen interessierten sie wenig. An Olympe erinnert das der Liebe gewidmete „Chambre Olympe“. Olympe war eine geborene Mancini und die Nichte Kardinal Mazarins. Eine Weile war sie die Geliebte Ludwig XIV.. Olympe war mit Gift und Liebespulvern vertraut und wurde wegen Giftmischerei 1680 vom Versailler Hof verbannt. Einer der Söhne Olympes war der Feldherr Prinz Eugen von Savoyen.

 

Alte Eiche und Verließ

Zusammen mit den Nebengebäuden und dem im Renaissancestil gehaltenen Park bildet Condé ein harmonisches Ensemble. Die „Porterie“ dient als Museumsshop und Kasse. In der „Capitainerie" ist das Verließ untergebracht, außerdem führt ein unterirdischer Gang vom Schloss bis zur Dorfkirche. Auf dem Grundstück steht auch eine 500 Jahre alte Eiche, die „chêne Marie de Luxembourg“.

 

Autorin: Berit Böhme

 

Service

Das Chateau ist vom 15. April bis zum 15. Oktober täglich außer montags geöffnet, von 14.30 bis 17.30 Uhr.

Erwachsene zahlen 9 Euro Eintritt, Kinder 4,50 Euro. Für Kinder gibt es spezielle Programme. Für Gruppen bietet die Familie Rochefort Arrangements mit Führung und Essen in einem der mittelalterlichen Säle.

 

Im Winterhalbjahr oder außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten ist das Schloss nach Vereinbarung zugänglich.

Informationen unter der Telefonnummer +33 (0) 32382 4225 oder auf der Internetseite www.chateaudeconde.com

 

 


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