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Chantilly
Chantilly hat eine ganze Palette von Attraktionen. Deshalb reichen für einen Besuch des rund 50 Kilometer nordöstlich von Paris gelegenen Örtchens ein paar Stunden nicht aus. In Chantilly lockt das Schloss mitsamt seinem bedeutenden Kunstmuseum, dem Barockgarten, einem „Weiler“ aus dem 18. Jahrhundert und einer Reitschule. Im Ort Chantilly laufen zudem mondäne Derbys und Poloturniere. Mitte Juni ist der Schlosspark Chantillys Schauplatz des größten Feuerwerkswettbewerb der Welt, der „Nuits de feu de Chantilly“.
Das Schloss
Der Vorläufer des jetzigen Schlosses stammt aus dem 7. Jahrhundert. Von dem heute erhaltenen Gebäudekomplex datiert der älteste Teil aus dem 14. Jahrhundert. Chantilly war Sitz der Fürstenfamilie Condé. Prinz Louis (1621 bis 1686), auch „der große Condé“ genannt“, war reich, klug, ein berühmter Feldherr und Kunstmäzen. Im 17. und 18. Jahrhundert entfaltete sich Chantilly prächtig und lieferte sich einen Schönheitswettbewerb mit Versailles.
Plünderung und Neuanfang
Während der Französischen Revolution wurde ein Teil des Schlosses zerstört. Kunstschätze und Mobiliar wurden geplündert, in den Louvre verfrachtet oder zerstört, ein Teil des Schlosses abgerissen. 1815 bekamen die Condés Chantilly und einen Teil ihrer im Louvre gestrandeten Schätze zurück. Unter dem kunstsinnigen Henri d' Orléans, Duc d'Aumale (1822 bis 1897), blühte Chantilly wieder auf. D'Aumale bemühte sich, überall auf der Welt französische Kunstwerke und Bücher zu ergattern.
Die Gemäldesammlung
Dank der Sammelleidenschaft d'Aumales beherbergt Chantilly nach dem Louvre eine der wichtigsten Gemäldesammlungen Frankreichs. D'Aumale vermachte die Sammlung an das Institut de France, seit 1897 ist sie der Öffentlichkeit zugänglich. Freilich verfügte der Mäzen in seinem Testament, dass Schloss und Museum nicht verändert werden dürfen. Deshalb präsentiert sich die Sammlung bis heute im Gewand des 19. Jahrhunderts. Die Ausstellungswände sind förmlich mit Kunstwerken gepflastert, die Werke sind ohne zeitliche, pädagogische oder stilistische Ordnung angebracht. In der Bilderflut sind beispielsweise drei Raphael-Bilder, Arbeiten des Hofmalers Clouet aus dem 16. Jahrhundert oder Bilder von De la Croix und Rousseau zu finden. Pro Jahr besuchen bis zu 500.000 Menschen das Museum. Sehenswert ist auch der „Affensalon“ von 1734. Er zeigt zahlreiche menschliche Alltagsszenen mit Affen.
Die Pferde
Der 7. Fürst Condé, Louis Henri, glaubte an seine Wiedergeburt als Pferd. Deshalb ließ er im 18. Jahrhundert prächtige Ställe für seine Rösser bauen, „Les Grandes Ecuries“. Die Ställe beherbergten bis zu 240 Pferde und 500 Jagdhunde. Denn die Jagd war eine Leidenschaft der Condés, zu der selbst gekrönte Häupter wie Ludwig XV. oder Zar Peter der Große anreisten. Zentrum der Ställe ist ein runder, prächtiger Reitsaal mit einer 28 Meter hohen Kuppel. Heute beherbergen die Ställe wieder zahlreiche Pferde, die Palette reicht von Miniponys über Kaltblüter bis zu Araberhengsten. In der historischen Arena des Kuppelsaals oder auf dem Reitplatz laufen technisch anspruchsvolle Dressurvorführungen oder Pferderevuen. Zudem wurden 31 Räume des Marstalls zum Pferdemuseum umfunktioniert. Zugänglich ist auch ein „lebendiger“ Stalltrakt mit edlen Rössern in den Boxen.
Der Park
Das Schloss Chantilly ist von verschiedenen Themengärten und dichtem Wald umgeben. Der älteste Parkteil, „le parc francais“, mitsamt Kaskaden und Wasserspielen stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde von Le Nôtre entworfen. Von den Stufen des Schlosses breiten sich zwei symmetrische Teile mit je fünf Bassins aus. Der Kanal in Chantilly ist 2,5 Kilometer lang und 60 Meter breit und damit weitaus imposanter als der von Versailles. „Le Petit Parc“ ist aus dem frühen 18. Jahrhundert, der englisch-chinesische Park ist ein paar Jahrzehnte jünger. Im letzteren befindet sich der 1774 gebaute „Hameau“, ein Weiler. Marie Antoinette war von der Mode entzückt, das Bauernleben in künstlichen Dörfern nachzuspielen. Deshalb ließ sie sich in Versailles ein Hameau nach Chantilly-Vorbild bauen. Hinter dem Fachwerk verbirgt sich Prunk. Im Hameau ist auch ein kleines Café und Restaurant, das beispielsweise leckere Obsttorten kredenzt. Der neueste Parkteil stammt aus dem 19. Jahrhundert und birgt unter anderem einen Venustempel und die „Fontaines de Beauvais“.
Komplizierte Technik
Die Wasserspiele Le Nôtres wurden durch ein ausgeklügeltes Kanalsystem in Gang gesetzt. Dazu nutzte der Gartenarchitekt ein schon für die Wasserversorgung des Schlosses vorhandenes Aquädukt. Durch unsachgemäße Restaurierung im 19. Jahrhundert erreichten die Fontänen nie wieder die Höhe wie im 17. und 18. Jahrhundert. Derzeit laufen umfangreiche Restaurierungsarbeiten im Park. Geplant ist, einen Teil des riesigen Areals für Besucher zu sperren, damit sich dort die Natur ungestört entfalten kann. Außerdem soll es mehr Freizeitangebote für Kinder geben. Alle Bauarbeiten müssen jedoch den Willen d'Aumales im Auge behalten, der starke Eingriffe in die Domaine Chantilly in seinem Testament verbietet.
Der Meisterkoch Vatel
In Chantilly soll der Meisterkoch Francois Vatel im 17. Jahrhundert die „Creme Chantilly“ erfunden haben. Das ist nichts anderes als mit Puderzucker und Vanille verfeinerte Schlagsahne. Auf Wunsch demonstrieren Köche im Restaurant „Capitainerie“ die Herstellung der Creme mit einem Riesenschneebesen in einem großen Bottich.
Autorin: Berit Böhme
Service
Das Schloss ist täglich außer dienstags geöffnet. Vom 5. November bis zum 21. März: 10.30 bis 17 Uhr, die übrige Zeit von 10 bis 18 Uhr. Der Park ist ebenfalls täglich außer dienstags geöffnet, im Sommer bis 20 Uhr, im Winter bis 18 Uhr. Die Bibliothek ist nur nach Voranmeldung zugänglich, Anmeldungen unter etoulet@chateaudechantilly.com. Das Pferdemuseum öffnet im Winterhalbjahr werktags von 13 bis 17 Uhr (dienstags geschlossen). An den Wochenenden von 10.30 bis 17.30 Uhr. Im Sommerhalbjahr ist das Museum täglich außer dienstags von 10.30 bis 17.30 zugänglich. Die Karte für Schloss, Park und Pferdemuseum kostet für Erwachsene 17 Euro, Kinder und Jugendliche zahlen 7 Euro. Darüber hinaus gibt es Angebote inklusive Pferdeshow und Buffetessen. Näheres dazu auf der Seite domainedechantilly.com/une_journee_a_chantilly.pdf
Chantilly ist von Paris aus mit dem Zug erreichbar, vom Bahnhof Chantilly fahren Busse bis zum Schloss.




