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Morella – mit vollem Bauch durch den Kanonenhagel

Blick auf Morella

Blick auf Morella. Fotos: Daniela Hesse

Wir steigen nach dem Klettern lieber in unseren Bus statt aufs Fahrrad und lassen uns erschöpft nach Morella fahren. Fast wirkt es so, als habe sich seit Jahrhunderten nichts verändert. Wie früher im Mittelalter, gelangen auch wir durch das Stadttor Sant Miguel in die Stadt. Über Steinpflaster geht es durch steile enge Gassen bis zum Hotel Mesón del Pastor. Im Gegensatz zu den Holzhütten in Moli l’Abad schlafen wir in dieser Nacht in hübschen und sehr komfortabel eingerichteten Zimmern mit großem Bad – toll! Doch zum Duschen bleibt jetzt keine Zeit. Es ist schon 22 Uhr und wir wollen noch zum Abendessen ins Restaurant Mesón del Pastor.

 

Hotel und Restaurant gehören zusammen. Beide wurden von einem Einheimischen eröffnet, der sich jedoch schon lange aus dem Geschäft zurückgezogen hat. Nun leitet die eine Tochter das Hotel und die andere das Restaurant. Dort steht Tochter Raquel sogar selbst am Herd und zaubert uns an diesem Abend ein hervorragendes Menü mit exquisitem Olivenöl aus der Region. Als Vorspeise gibt es bereits vier Portionen: Besonders gut schmecken mir das Thunfisch-Carpaccio und das gegrillte Gemüse. Beim Hauptgang koste ich iberische Schweineschulter mit karamellisierten Schalotten. Allerdings bin ich dann auch schon ziemlich satt und genehmige mir nur noch den Orangensalat (auch mit Olivenöl!), während sich die Tapfersten unter uns auch noch ein kleines Brot mit Schokoladencreme schmecken lassen. So erschöpft wie wir nach dem Essen sind, so begeistert sind wir auch. Das Essen war fantastisch und auch der Preis von 26 Euro kann sich mehr als sehen lassen. Allerdings gibt es das Menü in dieser Form nur an diesem Wochenende.

 

Die Kathedrale Santa Maria bei Nacht

Die Kathedrale Santa Maria bei Nacht

Wir sitzen gerade beim Absacker, da hören wir von draußen ein lautes Donnern. Haben die Bewohner die Kanonen rausgeholt? Nähert sich ein Gewitter? – Nein, Polterabend heißt die richtige Antwort. Auf der Hauptstraße Blasco de Alagón scheint sich das halbe Dorf versammelt zu haben, um mit einem typisch spanischen Botellón (einem Trinkgelage auf offener Straße) das zukünftige Brautpaar zu feiern, das sich in dieser Menge jedoch nicht ausmachen lässt.

 

Die Blasco de Alagón ist bei Tageslicht immer einen Besuch wert. Die Häuser stehen sich hier mit einem Abstand von nur drei Metern gegenüber, so dass man sich wie in einer Felsspalte fühlt. Nur das Erdgeschoss mit den Arkadengängen, in denen sich Feinkostgeschäfte und Bars befinden, gibt etwas Luft. Zu den Seiten sieht man steile Gassen, die zu versteckten Bars führen.

 

Unser Weg führt uns weiter nach oben, wo die gotische Kirche Santa Maria in der Dunkelheit gelb angestrahlt wird. Besonders beeindruckend ist die große Porta dels Apostols aus dem 14. Jahrhundert, die maurische Einflüsse zeigt. Die Spuren der Mauren sind in der ganzen Provinz nicht zu übersehen. So thronen wie Morella viele Dörfer erhöht auf Hügeln. Meist mit einer Burg auf der Bergspitze.

 


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