URLAUB IN MAROKKO - CASABLANCA
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Urlaub in Casablanca - unvergessliche Augenblicke
Was fällt zu Casablanca ein? Der gleichnamige Film mit Humphrey Bogart natürlich. Wer sich bis vor ein paar Jahren aber auf Spurensuche in der Stadt begab, wurde bitter enttäuscht; lediglich in Posterform traf man hier und dort auf den smarten Schauspieler. Der Film ist komplett auf kalifornischem Studiogelände gedreht. Mittlerweile sieht es aber anders aus. Kurioserweise greift sich die Stadt selbst im Film-Zitat auf. Gegenüber der Altstadt entstand ein "Rick's Café Américain", das mittlerweile zwar "Bar Casablanca" heißt, aber tatsächlich recht nah an die Atmosphäre des Film-Vorbildes herankommt.
Generell setzt sich Casablanca wenig in Szene und wird häufig von Diplomaten und anderen Geschäftsreisenden besucht.
War Casablanca bis 1900 noch eine überschaubare Kleinstadt, so ist es heute mit knapp drei Millionen Einwohnern größte Stadt Nordwestafrikas und mit seinem Fortschrittsglauben eine bedeutende Antriebskraft für Marokko. Die rasante Entwicklung zur Metropole brachte allerdings auch enorme soziale Diskrepanzen mit sich. Bis in die 70er Jahre hinein waren diese auch am Stadtbild ablesbar, an den enormen "Bidonvilles" - den Slums. Teilweise wurden diese durch Wohnblöcke ersetzt.
Nach wie vor wächst die Hafen- und Industriestadt mit mächtigem Tempo und hat mittlerweile einen Anteil von etwa 80 Prozent an der Industrie ganz Marokkos. Als wichtiges Wirtschaftszentrum zieht Casablanca internationale Kongresse an, die in den opulent ausgestatteten Räumlichkeiten der luxuriösen Residenzen abgehalten werden; ein krasser Gegensatz zu der Armut und Aussichtslosigkeit, die an anderen Stellen zu finden sind. Noch heute ist man stolz auf die Anfa-Konferenz, zu der sich 1943 Churchill, Roosevelt und de Gaulle mit König Mohamed V und dem damals jungen Prinzen Hassan II trafen.
Wenn man durch die Stadt geht, fällt das ausgesprochen interessante Habbous-Viertel auf. Ist der Rest der Stadt mit seinen Boulevards im französischen Kolonialstil, ebenfalls französisch geprägten Stadthäusern der 30er und 40er Jahre und den vielen Bürokomplexen eher unauffällig, so findet man hier das einer Medina würdige Gassengewirr. Geschäfte und Wohnhäuser sind bunt gemischt, und man kann für eine Weile in das Gewimmel von Menschen und Sträßchen, Waren und Düften eintauchen.
Imposanteste Sehenswürdigkeit Casablancas ist jedoch die moderne Große Moschee, deren Namengeber der mittlerweile verstorbene König Hassan II. ist. Mit ihrem 200 Meter hohen Minarett und dem 30 Kilometer reichenden Laserstrahl bei Nacht ist sie weithin sichtbar und lockt Pilger und Touristen aus allen Teilen der Welt an. Nach der Moschee von Mekka kommt sie mit ihrer Größe direkt an Platz zwei. 10.500 haben in dem Bau des französischen Architekten Michel Pinseau Platz und können sich an diesem Ort geistiger Sammlung mitten in der Stadt doppelt geborgen fühlen: Erdbebensicher ist das Wahrzeichen Marokkos auch noch. Von der Welt abgeschnitten hat man sich den Gebäudekomplex aber nicht vorzustellen. So beherbergt er zum Beispiel die größte theologische Bibliothek der islamischen Hemisphäre, die auf neuestem technischen Stand und mit allen anderen Bibliotheken dieser Größenordnung elektronisch vernetzt ist. Zudem befindet sich eine Universität in dem Bau, außerdem ein Nationalmuseum und mehrere klassische Bäder.
Text: Dagny Riegel


