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Budapest, Stadt mit Winterwürde - ein Reisebericht

Blick auf den Burgberg

Blick auf den Burgberg im Preis inbegriffen - Aussicht vom Marriott Hotel aus. Fotos: Dagny Riegel

Wahrscheinlich wirkt Budapest zu jeder Jahreszeit erhaben und würdevoll. Aber im Winter unterstreichen Kälte, frühe Dunkelheit und Schnee die majestätische Stimmung. Zum Beispiel wenn man gemäßigten Schrittes, weil auf feinen Ledersohlen mit anderen winterlich eleganten Menschen über die vereisten Treppen steigt, die zum Konzert in der warm erleuchteten Matthiaskirche führen. Oder wenn man aus der Kälte kommend eine heiße Schokolade im prunkvoll glitzernden, ältesten Café der Stadt zu sich nimmt.

 

Schon als ich ankomme, macht sich etwas von der gedämpften, feierlichen Atmosphäre breit. Wir sind im Marriott Hotel untergebracht. Es herrschen Ruhe und Eleganz, das Bett ist mit fünf Kissen ausstaffiert, auf dem weichen Teppich im Zimmer geht es sich sehr angenehm. Dass sich in meinem Kulturbeutel wider Erwarten keine Zahnbürste einfindet, ist selbstredend kein Problem an diesem Ort diskreten Komforts. Als ich frage, wo man Drogerieartikel erhält, kommt die Rückfrage nach meiner Zimmernummer. Nach fünf Minuten ist die Zahnbürste da.

 

Das Nationaltheater

Das Nationaltheater

Auf der Fahrt zum Adventskonzert in der Matthiaskirche sehen wir uns das Nationaltheater vor nächtlicher Kulisse an. Vor zwei Jahren wurde es fertig gestellt - ein moderner Bau, der sich hell angestrahlt von der schummrigen Umgebung abhebt. In unmittelbarer Nähe findet sich Brachland; hier hört die Stadt auf bzw. geht sie hin. Neben maroden Flächen entstehen neue Gebäude.

 

Um zum Konzert in der Matthiaskirche zu gelangen, steigen wir die vereiste Treppe hinauf. Es ist ruhig; leise Gespräche anderer Konzertgäste sind zu hören, daneben die winterlichen Schritte eleganter Schuhe auf dem gefrorenen Boden. Oben angelangt überrascht uns eine lange Warteschlange, die jedoch recht zügig in Portal verschwindet. Das Innere der Kirche ist reich verziert, ohne überladen zu wirken.Eine angemessene Bühne für ein Adventskonzert.

 

In angenehmer Nähe liegt das Rivalda Restaurant in einem Gebäude aus dem 18. Jahrhundert. Nach einem kurzen Spaziergang freut man sich über die Wärme des Lokals gehobener Klasse. Es gibt ungarische Gerichte wie deftige Pastete, und ein Mann mit Saxophon lässt den musikalischen Abend ausklingen.

Sissis Lieblingsschloss - Gödöllö

Sissis Lieblingsschloss - Gödöllö

Wenn einem frostige Temperaturen in Budapest den Aufenthalt in Innenräumen nahe legen, ist das Sissi-Schloss ein wunderbares Ausflugsziel. Nach einer knappen Stunde Fahrt gelangt man zum Schloss Gödöllö, nordwestlich von Budapest. Nach ein paar balancierten Fotos von der frostigen Auffahrt aus, sehen wir uns den Adventsmarkt im Parterre an. Handwerkskunst von gemütlich-bodenständigen Keramiktassen und –schalen über filigrane Glas-Dekostücke  bis zu Unmengen säuberlich gefertigter Häkeldecken, Blau-Weiß-Stoffen und Spitzenblüschen.

 

Die Führung durch das Schloss ist plastisch und unterhaltsam; in gutem Englisch erzählt ein junger Mann eine Menge Anekdoten, die sich mit der Residenz und ihren ehemaligen Bewohnern verknüpfen. Man erfährt interessante Details über Elisabeth oder auch, wie das Theater wieder entdeckt und im Zuge der allgemeinen aufwändigen Restaurierung von Schlossteilenfast in den Originalzustand versetzt wurde.

 

Stille Wasser sind tief - laute Wasser sind lustig

Stille Wasser sind tief - laute Wasser sind lustig

Wem nach Kaffee und Kuchen im Palast der Sinn nach Herzhaftem steht, der kann wenige Minuten entfernt im Galéria Restaurant zu sehr moderaten Preisen ordentlich essen. Der Service ist äußerst bemüht und freundlich. Nach den noblen Räumlichkeiten von vorher kann man sich hier in legerer Atmosphäre entspannen, zumal sich aus irendeinem Grund Karnevalsdeko über den Raum verteilt.

 

Zurück in Budapest begeben wir uns in das traditionelle Gellért-Bad am Fuß des gleichnamigen Berges. Ein Trakt des stilvollen Gebäudes ist Hotel, der andere Badeanstalt. Das Wort Badeanstalt, ist hier durchaus angebracht, handelt es sich doch um eine ehrwürdige Einrichtung, deren Interieur eher an eine adlige Residenz als an moderne Spaßbäder mit schrillen Namen erinnert.

Alles ist Schmuck; die Eingangshalle imponiert mit ihren hohen Kuppel-Decken, Mosaiken und Säulen. Im Becken herrscht jugendliches Getümmel, es wird – alte Mauern von 1918 hin oder – geschrieen und gespaßt; dafür braucht das ganze nicht „Fun“-Irgendwas zu heißen.

Ungarische Staatsoper in Budapest

Ungarische Staatsoper in Budapest

Am Abend gehen wir ins Bor La Bor, auf der anderen Donau-Seite unweit der Elisabethbrücke. Schon der Eingang des original ungarischen Weinkellers in der Veres Pálné utca - wie viele Schaufenster hier von der stilechten Holzfassade gerahmt - wirkt gastlich. Als wir die Treppe zum Souterrain hinuntergehen, legt Musik los. Aber nicht unser Erscheinen ist der Grund für das muntere Akkordeonspiel, sondern offensichtlich eine feiernde Herrenrunde. Und so haben wir das Glück, die komplette Aufenthaltsdauer (5 Gängen entsprechend) fröhliche Musik zu hören.

Wenn man die Budapester Prachtstraße Andrássy út stadtauswärts geht, bemerkt man bald ein Gebäude, das sich selbst hier als besonders imposant abhebt:die Ungarische Staatsoper.

In den 70er und 80er Jahren des vorletzten Jahrhunderts errichtet, bietet der Neorenaissance-Bau 1300 Gästen Platz. Platz, in nostalgisch plüschiger Atmosphäre Opern und Ballet zu sehen.

Wir machen erstmal eine Führung, die sich aber auch schon lohnt. Eine junge Frau, die nach Musik-Studentin aussieht, erläutert beispielsweise das Geheimnis des Liebhabergangs oder die verwaiste Königloge.

Den Blick auch mal vom Fenster des Spoon losreißen und auf den Teller schauen - es lohnt sich...

Neben Gebäuden wie der Oper fallen in Budapest auch beispielsweise jene des ungarischen Jugendstil-Stars Ödön Lechner auf. So kommen wir irgendwann an einem gelben Bau mit blauen Porzellan-Verzierungen in Blumenform, wellenartig geschwungenen Fensterrahmen und Weltkugel auf dem Dach vorbei – dem geographischen Institut. Auch die Architektur des Museums für angewandte Kunst greift Elemente der Gebäude-Funktion auf.

Ganz hervorragend den Blick schweifen lassen kann man bei einer Mahlzeit im „Spoon“, das gleichzeitig Bar, Restaurant und Lounge ist. Nebenbei ist es auch noch Boot. Das liegt in der Donau und bietet Top-Sicht auf Palast und Kettenbrücke. Und uns nach 10 Minuten auf Schneetreiben pur. Kurz davor war der Speisesaal noch sonnendurchflutet und wir gerade erst dem Regen entkommen. Die Gedecke sind Designer-Ware und stellen einen gebührenden Untergrund für die sorgsam platzierten Speise-Kreationen dar, die übrigens keinen allzu tiefen Griff ins Portemonnaie nach sich ziehen.

Stand mit traditionellen Handarbeiten in der Zentralen Markthalle.

Als wir das Restaurant verlassen, schneit es natürlich nicht mehr. Schließlich scheint heute ja 3-Wetter-Tag oder etwas ähnliches zu sein. Beste Voraussetzungen also, um einem Markt mit Dach und Wänden einen Besuch abzustatten: die Zentrale Markthalle. Sie wurde lange Zeit renoviert, und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Wie im Baujahr 1890 bestimmen bunte Ziegeln, Stein und Terrakotta zusammen mit der Eisenkonstruktion den 150 Meter langen Bau am Vámház krt.

Wer in der Adventszeit in Budapest ist, findet am Vörösmarty tér noch einen schönen Weihnachtsmarkt, der ungleich höhere Geschenkfund-Chancen bietet als die Markthalle. Man erreicht ihn in einer halben Stunde Fußweg von der Zentralen Markthalle aus. Unterwegs kann man beobachten, wie die Häuser der trist beginnenden Váci utca immer heller und schmucker werden. Bis sie an ihrem oberen Ende mit denen der Kärntner Straße in Wien mithalten können – dem Vorbild für diese Fußgängerzone.

Auf dem Marktplatz finden sich traditionelle Blaufärberei, Kunst aus Eisen – live hergestellt vom vollbärtigen Schmied Márton -, Körbe, Wollsachen und unzählige Töpferwaren. Darunter immer wieder modernere Stücke wie knallbuntes Emailgeschirr mit staksigen Tierfiguren, Windspiele oder eigenwillig gestaltete Kerzenständer. Teuer kann man nichts nennen.

Plötzlich konzentriert sich die Aufmerksamkeit aller Marktbesucher auffällig Richtung Café Gerbeaud. Richtig, es ist fünf Uhr - Adventskalender-Stunde. Jeden Tag wird feierlich ein Türchen bzw. Fenster des Riesen-Kalenders an der verzierten Fassade geöffnet.

Es lohnt sich aber nicht nur, vor dem 145 jährigen Café Gerbeaud zu stehen, sondern auch, in den Riesen-Komplex hinein zu gehen. Wir sind sofort bei Eintritt von purer Nostalgie umgeben. Das Mobiliar ist aus dem 19. Jahrhundert, ebenso viele Rezepte für die zarten Patisserien. Süß duftend und wunderschön liegen Pralinen und Tortenstücke wie Kunst hinter Glas.

 

Pralinen im Café Gerbeaud.

Die Gerbeaud-Torte ist mit Bitter-Kuvertüre dunkel überzogen und trumpft darunter mit belgischer Schokolade und kandierten Aprikosen auf. Auch die bodenständigeren ungarischen Mohn- bzw. Walnussrollen sind im Angebot.

Einen gastronomisch würdigen Tages-Abschluss garantiert das Nosztalgia Restaurantunweit der Kettenbrücke. Sehr zuvorkommende Servicekräfte und Prachtausstattung machen sich sofort bemerkbar.

 

Mehr Budapest unter www.ungarn-tourismus.de


 
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