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Polen/Breslau: Universität
Wroclaws akademisches Stadtviertel erreicht man in nur wenigen Minuten vom Rynek aus über die ul. Kuznicza. Viel malerischer ist es jedoch, vom Nationalmuseum aus am Südufer der Oder entlang zu spazieren, von wo aus man immer wieder einen herrlichen Blick auf das gegenüberliegende Kirchenviertel hat.
Die Markthalle (Hala Targowa) mit Blick auf die Piaskowskibrücke ist Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden, eine moderne Version der Backsteingotik. In der Halle häufen sich Leckerbissen neben zahlreichen anderen Gütern. Angeblich war das Angebot selbst unter Kriegsrecht genauso reichhaltig. Hier beginnt das dreieckige Universitätsviertel mit zahllosen historischen Gebäuden. Im Süden wird es durch die ul. Uniwersytecka und entlang der Oder durch die schöne ul. Grodzka begrenzt. An der Nordseite der Uniwersytecka reihen sich drei Sakralbauten; als erstes die Kirche St. Vinzenz (sw. Wincentengo), von Heinrich dem Frommen kurz vor seinem Tod in der Schlacht von Legnica/Liegnitz als Franziskanerkloster gegründet. Diese Kirche, die zu den schönsten in Breslau/Wroclaw zählt, wurde im Krieg schwer beschädigt. Sie wurde bis heute noch nicht vollständig restauriert. Die barocken Klostergebäude mit Blick auf die Oder gehören heute zur Universität. Auch das Ursulinenkloster gründete Heinrich der Fromme. Es diente den Piasten, die die Stadt regierten, als sie ein unabhängiges Herzogtum war, als Grabstätte.
Als drittes folgt die Kirche St. Matthias (sw. Macieja) aus dem 14. Jahrhundert mit Grab und Grabporträt des berühmtesten Dichters der Stadt, des Mystikers Johann Scheffler. Der im 17. Jahrhundert lebende Schriftsteller ist bekannter unter dem Namen Angelus Silesius ("Schlesischer Bote"), den er nach seinem Übertritt zum katholischen Glauben annahm. Viele von Schefflers Gedichten erfreuen sich noch immer großer Beliebtheit. Als seine größte Leistung gelten allerdings seine Epigramme, fester Bestandteil jeder Anthologie der deutschen Dichtung. Südlich der Kirche steht der Renaissance-Palast der Piasten von Opole/Oppeln, und auf der ul. Szewska gegenüber befindet sich die Barockresidenz ihrer Cousins aus Brzeg-Legnica/Brieg-Liegnitz. Beide Bauten werden heute von der Universität genutzt.
Hinter der Kirche St. Matthias erhebt sich einer der beeindruckendsten Bauten Wroclaws, die von einer Kuppel überdachte Ossolinski-Nationalbibliothek. Dieses ursprünglich als Krankenhaus dienende Gebäude entstand im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts nach Plänen des burgundischen Architekten Jean Baptiste Matthey. Die Bibliothekssammlung ist ein Erbe der aus Lwow stammenden Familie Ossolinski. Unter den vielen wertvollen handschriftlichen Überlieferungen befindet sich das Original der polnischen Heldensage, des Pan Tadeusz von Mickiewicz. Anschlagtafeln weisen auf Einzelheiten der Sonderausstellungen hin. Der längliche pl. Uniwersytecki wird an der Südseite von einem stattlichen Palais aus dem 18. Jahrhundert begrenzt, dem Dom Steffensa, heute ebenfalls im Besitz der Universität. Die Universitätskirche gegenüber, die Ende des 17. Jahrhunderts gebaut wurde, erinnert am deutlichsten an die Zeit der österreichischen Herrschaft. Sie entstand im Zuge der Gegenreformation, als auf habsburgischem Gebiet überall Sakralbauten errichtet wurden. Besonders eindrucksvoll ist das riesige Deckengemälde, ein Werk des damals bedeutendsten österreichischen Freskenmalers Johann Michael Rottmayer.
An die Kirche schließt sich das 171 Meter lange Collegium Maximum der Universität an, von Kaiser Leopold I. im Jahr 1702 gegründet. Der Balkon über dem breiten Eingangsportal wird von Standbildern geziert. Eine mit Fresken geschmückte Treppe führt in die Aula hinauf. Dieser einzige erhaltene historische Raum des Monumentalbaus ist einer der großartigsten Säle des Barock. Architektur, Malerei, Bildhauerei und Ornamentik verschmelzen hier vollendet zu einer Einheit. Beherrscht wird das Ganze von einem Podium mit einem Standbild des Gründers, bewaffnet, mit Juwelen geschmückt und von einem Lorbeerkranz gekrönt. Das riesige illusionistische Deckengemälde von Christoph Handke über der Galerie und dem Zuschauerraum versinnbildlicht das Ideal der göttlichen und weltlichen Weisheit.

