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Breslau: Dominsel

Zwei kleine bemalte Brücken, Most Mlynski und Most Tumski, die aussehen, als gehörten sie in einen Ziergarten, verbinden die Insel Piasek mit Ostrow Tumski, der Dominsel. Mittelalterliche Kirchen können hier gleich fünf auf einmal besichtigt werden, angefangen bei der Kirche St. Peter und Paul (sw. Piotra i Pawla) aus dem 15. Jahrhundert an der Most Tumski, hinter der sich die sechseckige Kirche St. Martin erhebt, die zweihundert Jahre älter ist.

 

Sehr viel eindrucksvoller als diese beiden ist die strenge, gebieterische Kreuzkirche, die durch den massiven Bau mit riesigen Strebepfeilern und dem Paar ungleicher Türme wie ein großes befestigtes Kloster aussieht. Tatsächlich sind es zwei Kirchen, eine über der anderen. Die untere, dem hl. Bartholomäus geweiht, ist zwar größer als eine gewöhnliche Krypta, erreicht aber nicht die Höhe ihres Gegenstücks darüber. Die Anlage ist eine Gründung aus dem Jahr 1288 von Herzog Heinrich dem Gerechten, der sie als Grabmal für sich schuf. Inzwischen wurde sein Grab ins Nationalmuseum verlegt. Auf dem Platz vor der Kirche steht ein reich verziertes barockes Denkmal des hl. Johannes von Nepomuk; sein Leben ist auf den Basreliefs der Säule dargestellt.

 

Die ul. Katedralna führt an mehreren Barockpalais vorbei zur Kathedrale mit den Zwillingstürmen. Sie wurde 1945 schwer beschädigt, inzwischen ist sie aber wieder vollständig so restauriert, wie sie im 13. Jahrhundert ausgesehen haben dürfte. Sehenswert ist das aufwendige Portal, obgleich die Skulpturen, außer zwei eleganten Reliefs, größtenteils Nachbildungen aus dem 19. Jahrhundert sind.

 

Die Besichtigung des feuchten, finsteren Innenraums der drei Kapellen hinter dem Hochaltar ist ebenfalls empfehlenswert. An der Südseite befindet sich die Elisabethkapelle (kaplica sw. Elzbiety), die in den letzten zwanzig Jahren des 17. Jahrhunderts entstanden ist; ihre Architektur, Fresken und Skulpturen, die eine harmonische Einheit bilden, sind das Werk italienischer Anhänger von Bernini. Als nächstes folgt die gotische Marienkapelle mit der meisterhaften Renaissance-Grabtafel des Bischofs Johannes Roth, ein Werk von Peter Vischer aus Nürnberg. Als letztes schließt sich die Kurfürstenkapelle an, ein zart geschmücktes Barockjuwel mit perfekten Proportionen, das der Wiener Hofarchitekt Fischer von Erlach im Jahr 1716 in Angriff nahm. Um die Kapellen besichtigen zu können, muss man in der Sakristei nachfragen oder sich einer Gruppenführung anschließen.

 

Gegenüber der Nordseite der Kathedrale befindet sich die winzige Ägidiuskirche (sw. Idziego), die als einzige der Stadt nicht von den Tataren zerstört wurde. Das Mauerwerk dieser Kirche wird von schönen Mustern verziert. Weiter unten in der ul. Kanonia liegt das Diözesanmuseum mit einer umfangreichen, aber bunt zusammengewürfelten Sammlung von Sakralgegenständen.

 

Der schönste grüne Fleck in ganz Wroctaw ist der Park Szczytnicki im Osten von Ostrow Tumski an den Straßenbahnlinien Nr. l, 2, 4, 10 und 12. Seine Attraktion ist Hala Ludowa, ein riesiger Saal, der 1913 für die Feiern anlässlich des hundertsten Jahrestages der Befreiung Wroclaws von Napoleon gebaut wurde. In diesem, von dem Stadtarchitekten Max Berg geschaffenen Bau verbinden sich Elemente des preußischen Baustils mit Umsetzungen moderner Ideen: Die freitragende Kuppel, die einen Durchmesser von 130 Metern hat, gilt selbst heute als eine gewagte Ingenieursleistung. Der Saal wird noch immer für Ausstellungen, Motorsport- und andere Veranstaltungen genutzt. In der Umgebung der Hala Ludowa stehen einige auffällige mit Kolonnaden versehene Pavillons: Sie wurden ein paar Jahre früher von Bergs Lehrer Hans Poelzig errichtet, durch den die Stadt zu einem Zentrum des Deutschen Werkbunds wurde.

 

Im gleichen Park befindet sich das Werk eines noch bekannteren Architekten: Der kistenförmige Kindergarten, von dem sich jetzt die Farbe löst, ist das einzige Gebäude, das Le Corbusier in Osteuropa geschaffen hat. Zusammen mit der überdimensionalen Stahlnadel neben dem Saal ist er eine Hinterlassenschaft der Ausstellung über die wiedergewonnen Gebiete, die hier 1948 stattfand. Andere Attraktionen im Park sind ein Amphitheater, ein japanischer Garten mit Pagode, ein künstlicher See und hunderte verschiedener Bäume und Sträucher, darunter über sechshundert Jahre alte Eichen. Am sehenswertesten ist eine Holzkirche aus dem 16. Jahrhundert, die ursprünglich aus Kedzierzyn in Oberschlesien stammt.


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