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Unterwegs in den Brenta-Dolomiten (Teil 2)

Alimonta-Hütte. Fotos: Stefan Raake

Alimonta-Hütte. Fotos: Stefan Raake

Nach dem frühen Start um halb acht erreichen wir bereits gegen Mittag die Alimonta-Hütte auf 2.600 Metern. Das Wetter ist leider nicht so gut, unsere ursprünglichen Pläne für eine längere Tour mussten wir kurzfristig ändern. Andererseits bin ich nach 4½ Stunden schon ein wenig geschafft. Muskelgruppen, die sonst selten bewegt werden, machen sich unangenehm bemerkbar. Für das nächste Mal in den Bergen werde ich vorher fleißiger Treppensteigen und auf Aufzugfahren verzichten. Markus kommt etwas besser klar, aber mit seinem intensiveren Lauftraining sollte er das auch.

Nach einer ordentlichen Portion Pasta und einem kleinen Schläfchen kommt dann doch noch die Sonne raus und die Bergwelt sieht ganz anders aus. Die Landschaft ist umwerfend, viele Gipfel sind schneebedeckt, die Farbschattierungen der Berge reichen von braun, rot, schwarz bis grün und wechseln sich mit grünen Hängen ab. Auch die Tierwelt hat einiges zu bieten. Vielleicht treffen wir ja noch auf einen der zehn Braunbären, die hier im Rahmen eines Projektes zur Wiedereinführung ehemals heimischer Tiere aus Slowenien ausgesetzt wurden. Den Yeti überlassen wir gerne den richtigen Bergsteigern.

 

Felswand

Felswand

Am nächsten Tag wird die Tour anspruchsvoller. Von der Alimonta-Hütte geht es zu den Hütten Tosa und Agostini über die Bochette Centrali. Diese Strecke ist ein herrlicher Abschnitt, der natürlich entstandene Felsbänder auf verschiedenen Höhen ausnutzt, die miteinander durch Leitern und Drahtseilsicherungen verbunden sind. Für Kletterer beginnt hier das wahre Eldorado. Keine Stunde vergeht, ohne dass uns unser Bergführer Sergio auf Kletter-Routen zu den nahen Gipfeln durch Kamine und Steilwände hinweist, in der Regel in den Schwierigkeitsgeraden 3 bis 4+, manchmal auch über 6.

Der Abschnitt verläuft an den Gipfeln im zentralen Teil der Brenta-Gruppe entlang und damit durch das Herzstück des Massivs. Die Strecke berührt verschiedene Sättel, die von den Menschen im Val Rendena als Bocchette bezeichnet werden: daher der Name des Weges. Genau hier wird es noch einmal richtig eng, sowohl an der Wand als auch für mich. Links geht es 300 Meter steil herunter, der Pfad ist streckenweise nur einen halben Meter breit. Nach einer guten Stunde habe ich mich daran gewöhnt und beginne mich zu entspannen. Das abschließende Teilstück führt am Campanil Basso auf dem Otto-Gottestein-Weg vorüber. Diese Felsnadel ist das weltbekannte Symbol der Brenta-Dolomiten.

Leckere Stärkung in der Tosa-Hütte

Tosa-Hütte

Tosa-Hütte

Unterwegs treffen wir öfter auf kleinere Bergwandergruppen, die wohl etwas erfahrener sind als wir und die Tour ohne Bergführer machen. Die unvermeidlichen Wander-Spezialstöcke, die offensichtlich sehr verbreitet sind, können wir auch hier häufig sehen; sie sind aber auf den Klettersteigen eher hinderlich und man kann auch sonst gut darauf verzichten.

 

In der Tosa-Hütte, die wir mittags erreichen, wartet neben einem warmen Ofen eine deftige Mahlzeit auf uns. Minestrone, Gnocci und warmer Apfelstrudel zum Nachtisch. Jetzt eine Stunde aufs Ohr legen wäre wirklich eine feine Sache.

Parkhotel Villa Luti

Parkhotel Villa Luti

Am Nachmittag nehmen wir den Palmieri-Weg, der um die Pozza Tramontana herumführt, eine gewaltige Senke glazialen Ursprungs. Weiter geht es zur Agostini-Hütte auf 2.405 Metern, das von einer Reihe spektakulärer Gipfel umgeben ist und oberhalb des Val d'Ambiez, einem der wichtigsten Täler des Massivs, liegt. Am letzten Tag unserer Tour steigen wir hinab ins Tal, die restliche Strecke bringt uns ein Taxi herunter. Ein Land-Rover muss es schon sein, die Straßenführung ist recht abenteuerlich. Den Abend verbringen wir im Parkhotel Villa Luti, das neben dem Park ein großes Wellness-Programm sowie eine hervorragende Küche bietet.

Fazit: Das Trentino hat viel zu bieten. Gerade für Einsteiger, die feststellen wollen, ob Bergwandern die richtige Freizeitaktivität ist, machen es die Klettersteige leicht. Aber auch die Bergprofis kommen auf ihre Kosten. Soviel ist klar: Wir kommen wieder!

Die Autoren
Stefan Raake, Jahrgang 1965 spielt Fußball, taucht und segelt.
Markus Wolff, Jahrgang 1966 joggt, läuft Halbmarathons, taucht und segelt.

 

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