URLAUB IN DEUTSCHLAND - BRANDENBURG
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Urlaub in der Uckermark - immer voller Erlebnisse mit der Natur
Verläßt man das hektische Berlin über die nördliche Autobahn verändert sich sichtlich die Vegetation. Plötzlich fährt man auf schier endlosen geraden Straßen, umgeben von mächtigen Bäumen, unzähligen kleinen Seen, Wasserstraßen und Mooren, durch eine unheimlich anmutende Landschaft. Das ist Brandenburg. Von einem Rastplatz aus wagt man einen kurzen Spaziergang in den dunklen Laubwald. Seltsam klingende Tiergeräusche werden hörbar. Selbst das Vogelgezwitscher klingt hier anders. Und vollkommen unerwartet steht da ein kapitaler Hirsch und schaut weise und gelassen zu den Eindringlingen. Der Hirsch hat keine Angst. Man hat Respekt und geht langsam zurück zum Parkplatz.
Ein Urlaub in die Uckermark steckt immer voller Erlebnisse mit der Natur. Denn diese Region in Brandenburg hat eine geheimnisvolle Geschichte. Die Herrscher früherer Generationen schätzten den alten Waldbestand mit seinem hohen Wildaufkommen und erklärten es zu ihrem Jagdgebiet. Den einfachen Menschen wurde der Zutritt verwehrt. So entwickelte sich eine unberührte Flora und Fauna. In der Zeit des dritten Reiches war die Gegend Jagdrevier von Hermann Göring und Adolf Hitler. Danach besetzten es die Russen und die Jäger hießen Ulbricht, Honecker und Gefolge. Erst nach der Wende und dem daraus folgenden Abzug der russischen Truppen wurde dieses Gebiet in Brandenburg der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Inmitten dieser ausgedehnten Wälder befindet sich Templin. Vergnügliche Nachhilfe in Sachen Heimatkunde gibt es in der Templiner Innenstadt beim Stadterkennungsspiel. Die mit 1.735 Metern vollständig erhaltene Stadtmauer mit drei Backstein-Toren aus dem 13. und 14. Jahrhundert ist lebendige Geschichte zum Anfassen. Das Akzisehaus, die Georgenkapelle und das liebevoll restaurierte Rathaus auf dem historischen Marktplatz sind Schmuckstücke historischer Baukunst. Doch Templin ist auch modern. In den letzten Jahren entstand hier ein Natur-Thermal-Bad. Hier finden die Gäste unter einem Dach Thermalsole-, Sauna- und Badelandschaften, sowie großzügige Therapie- und Wellnesszentren. Das ausgedehnte Netz der Wasser- und Wanderwege rund um Templin lädt zu Ausflügen geradezu ein.
So erreicht man auch den Döllnsee, an dessen Nordufer sich der historische „Döllnkrug“ befindet. Dieses heute zum Hotel umgebaute und erweiterte Gebäude wurde einst im Auftrag von Hermann Göring als Jagdresidenz errichtet. Seine Besitzer wechselten wie die Machthaber der Geschichte. Vor 1990 diente das hermetisch abgeschirmte Haus als Gästehaus der Regierung. Hier fanden Regierungsberatungen, Treffen internationaler Staatsgäste und andere wichtige internationale Beratungen statt. Die Gästeliste des „Döllnkrug“ ist lang und liest sich wie ein Geschichtsbuch. Hier wohnte Breshnew, SU-Außenminister Gromyko, hier traf sich Bundeskanzler Helmut Schmidt mit Erich Honecker.
Heute präsentiert sich das moderne Tagungshotel jedermann. Eine ganz besondere Atmosphäre strahlt das Haus aus, luxuriös und angenehm. Ein Geheimtipp nicht nur für Firmen. Das Personal versteht ohne Worte, jederzeit da und doch nicht, ehrlich freundlich und stets aufmerksam. Im Restaurant warten edle Kreationen und ein guter Tropfen auf den kennenden Genießer, Pool und Fitnessraum laden zur Nutzung ein und im Beautysalon kann man sich so richtig verwöhnend pflegen lassen. Rund um das Hotel führen angelegte Wanderwege zum See und in den weiten Wald. Mitten in diesem wird man wieder Zeuge der frühen Geschichte. Große Teile der hermetischen Absicherung des Terrains sind noch erhalten. Man findet alte Bunker und Punktscheinwerfer, die wie unwirkliche Belege der Vergangenheit erscheinen.
Nur wenige Kilometer von Hotel entfernt bietet sich dem Auge Unglaubliches. Plötzlich, mitten im Wald entdeckt man eine Flugzeuglandebahn. Es ist die längste Europas und sie kann als Ausweichlandeplatz für den „Space Shuttle“ genutzt werden. Diese Landebahn ist eine Hinterlassenschaft der russischen Besatzer. Einst haben hier bis zu 500.000 Soldaten gedient. Die unzähligen Hangars hinterlassen einen tiefen Eindruck der Wehrhaftigkeit seiner einstigen Betreiber. Es war zu erfahren, dass die heute stillgelegte Bahn nun von nahmhaften Automarken als Teststrecke und zum Fahrsicherheitstraining genutzt wird.
Wem solche abendteuerlichen Plätze zu unheimlich sind, der kann Entspannung auf ganz andere Art genießen. Nur wenige Autominuten vom Döllnsee entfernt, befindet sich der 88,4 Hektar große Wildpark „Schorfheide“. Im Unterschied zu vielen Tiergehegen ist in der Schorfheide eine weitläufige Parklandschaft entstanden, in der sich die Tiere wohlfühlen. Vom Aussterben bedrohte Tierarten vermehren sich und gedeihen prächtig. Der Besucher des Parks kann sich an dem Anblick dieser seltenen Tiere erfreuen. Man findet Auerochsen, Rotwild, Wölfe, Elche, Weideschweine, Fischottern und viele andere. Für die kleinen Gäste gibt es natürlich auch genügend Streichelzoos und Kletterparks.
Wichtig ist, dass man den Besuch wie eine Wanderung vorbereiten sollte. Es gibt zwar ein großes gastronomisches Angebot, wer aber auf den entlegenen Wegen schlendert (das sind die Schönsten) sollte etwas Proviant mitnehmen und an entsprechendes Schuhwerk denken. Nicht vergessen sollte man seinen Fotoapparat, denn in der Schorfheide posieren die Hirsche auch auf freier Wildbahn.
Erika Winterfeld




