Straßburg – Großstadtidyll an der Ill
geschrieben von Veto (11. Januar 2012)

Flammkuchen mit MunsterkäseWer kennt das nicht: Als Kind oder junger Mensch hat man für wenige Stunden eine Stadt besucht, aber im Laufe der Jahrzehnte sind nur wenige unklare Bilder geblieben. Irgendwann ist es Zeit, den persönlichen Eindruck von damals zu revidieren. Hier ein persönliches Beispiel: Ich war mit einem älteren und sehr entfernten Verwandten Anfang der achtziger Jahre in Straßburg. Es war kühl und regnerisch, die Aussicht vom Münster über die Stadt prima, daran erinnerte ich mich noch. Da waren auch noch einige Fachwerkhäuser, ansonsten Die Visite war nur kurz, wir waren wir schnell wieder weg. Es war Mittagszeit und wir wollten außerhalb der Stadt eine Matelote (Ragout aus Flussfischen auf Weißweinbasis) essen und dann zurück in den Schwarzwald fahren.
Am vergangenen Wochenende war ich nun privat in Ettlingen, die Gelegenheit, meine Erinnerungen an die eine Autostunde entfernte Stadt Straßburg aufzufrischen. Strasburger Münster WeltuhrIch parkte in einem Parkhaus am Place Gutenberg. Von dort waren es nur wenige Schritte bis zum Münster. Der Kirchenbau war von einigen Touristen aus Asien und Europa besucht, aber der Andrang hielt sich in angenehmen Grenzen. In der Saison sieht es garantiert anders aus. Die Kathedrale wirkte trotz der vielen bunten Kirchenfenstern und Wandteppichen nicht überladen, sondern fast aufgeräumt, sauber strukturiert, da habe ich schon andere gesehen.
Nett: Am Rande war noch von Weihnachten eine große Krippenlandschaft zu bewundern.
Ungewöhnlich: Das Straßburger Münster ist eine der wenigen Kirchen, die mit einer astronomischen Uhr aufwarten kann. Die vor etwa 450 Jahren erbaute Uhr wurde, da im Laufe der Jahrhunderte funktionsunfähig geworden, zwischen 1838 und bis 1842 ganz neu vom französischen Uhrmacher Jean-Baptiste Schwilgué konstruiert. Strasburg Quartier des TanneursSie ist in ihrer Art immer noch einmalig, ein echtes Wunderwerk, das unter anderem die Erdbahn, die Mondbahn und die Bahnen der bekanntesten Planeten anzeigt.
Nach so viel Kultur zog es uns dann wieder ins Freie. Es waren recht wenige Menschen auf den Straßen zu sehen, kein Wunder, es war zwar Samstagvormittag, aber im Januar bei kühlem Nieselregenwetter zieht es niemanden frühzeitig aus dem Haus.
Da ich mir vor der Fahrt bei Google Maps den Stadtplan der Stadt in Ruhe angeschaut hatte, wusste ich, dass die historische Innenstadt vom Flüsschen Ill umgeben ist, eine gute Orientierungshilfe. Die Ill führte Hochwasser und wirkte so recht wild, im Sommer wird sie sich sicherlich friedlicher präsentieren, ein Grund nochmals wiederzukommen. Straßburg hat mir gefallen. Auch wenn die historische Bausubstanz nur zum Teil erhalten ist und auch einige Bausünden zu finden sind, insgesamt hebt sie sich doch wohltuend von anderen Städten dieser Größe ab. Strasburg Restaurant Ill
Der romantischste Teil der Stadt ist das Quartier des Tanneurs im Stadtteil La Petite France, das sogenannte Gerberviertel. Hier fühlt man sich in der Straßburg des Mittelalters zurückversetzt und hier lag auch das Restaurant in dem wir zu Mittag essen wollten, da im Internet gute Kritiken zu finden waren und auch das Preis-Leistungsverhältnis stimmen soll, obwohl mitten im touristischsten Teil Straßburgs gelegen.
Kurz gesagt, es war wirklich prima. Allerdings, die Auswahl auf der Speisekarte war zwar nicht riesig, aber fast jedes Gericht klang verführerisch. Aber da wir mittags nicht so schwer essen wollten und ich ewig keinen richtigen Flammkuchen gegessen hatte, mussten Choucroute, Bibelskäss mit Bratkartoffeln und Münsterkäse, Kalbskopf, Gänseleber und andere elsässer Spezialitäten ungegessen bleiben.
Übrigens, der Flammkuchen war eine Wucht, der Teig hauchdünn, der Beleg, der aus Quark, Rahm, Zwiebeln, Speck und Münsterkäse bestand, war ausgesprochen lecker. Dazu tranken wir einen trockenen Sylaner. Anschließend wählten wir aus der Dessertkarte Crème brûlée und einen Eisguglhupf, beides ebenfalls tadellos, ebenso wie der Gewürztraminer, den wir dazu tranken.
Nach dem Essen schlenderten wir noch ein wenig durch die Straßen der Stadt bevor wir uns dann auf den Heimweg machten.


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