Skurrile Erfindungen im Adenauerhaus
geschrieben von zlatan i. (22. März 2010)

Wegschild AdenauerhausOb Konrad Adenauer, der deutsche Gründungskanzler, zum engeren Kreis der “Erfinder“ jener politischen Lügenmärchen, gehörte, mit denen die 50er-Jahre-CDU so überaus erfolgreich ihre Wahlkämpfe bestritt? Oder waren derartige Dinge schon damals ausschließlich Wahlkampfmanagern und Werbeleuten vorbehalten? Schwer zu sagen. Einige Propagandaparolen und frei erfundene Behauptungen der “Adenauer-CDU” sind jedenfalls bis heute in Erinnerung geblieben. Man denke nur an die Propaganda-Lüge, ein Wahlerfolg der SPD würde dazu beitragen, dass Westdeutschland in einen Sozialismus à la Sowjetunion schlittere („Alle Wege des Marxismus führen nach Moskau“).

Doch wie dem auch sei: Auf einem Feld immerhin war Adenauer ganz offen als Erfinder tätig, nämlich auf dem Feld der - nennen wirs mal so - Alltags- und Lebensmitteltechnik. Dies allerdings eher “nebenher” und - anders als der Politiker - mit recht überschaubarem Erfolg.

In zwei Patenten bestand Adenauers “zählbarer Erfolg” als Tüftler. Das erste erhielt er 1915 - gemeinsam mit zwei Herren von der „Rheinischen Brotfabrik” - für ein rheinisches Schrotbrot (bzw. ein “Verfahren zur Herstellung eines dem rheinischen Roggenschwarzbrot ähnelnden Schrotbrotes”). Das Brot basierte im wesentlichen auf rumänischem Maismehl. Das zweite Patent gab’s 1918 - allerdings nur in Österreich, Belgien und Großbritannien - für eine „Wurst mit Friedensgeschmack“, die auf der Basis von Sojabohnen hergestellt wurde. Beide Erfindungen sollten übrigens dazu beitragen, die „Not der Bevölkerung“ auf (finanziell und politisch) kostengünstige Weise zu lindern. Die für die damalige „Not der Bevölkerung“ kronket Verantwortlichen (Militärs, Großindustrielle etc.) in irgendeiner Form zu belangen, stand natürlich außerhalb des politischen und moralischen Horizonts eines Konservativen wie Konrad Adenauer.

Die von Adenauer erfundenen Alltags- bzw. Arbeitsgeräte, für die er sämtlich kein Patent einheimsen konnte, sind inzwischen im Adenauerhaus im Bad Honnefer Stadtteil Rhöndorf ausgestellt. Auch mir war unlängst ein kurzer Besuch in den Ausstellungsräumen der “Stiftung Konrad Adenauer Haus” (so der offiziele Name des Adenauerhauses) vergönnt (der Eintritt ist frei). Und wie es der Zufall so wollte, hatte ich auch eine Kamera dabei …

Hier also ein paar Fotos von den Schöpfungen des “Daniel Düsentriebs von Rhöndorf”. Die im folgenden erwähnten Erfindungen stammen alle aus der Zeit nach Adenauers Absetzung als Kölner Oberbürgermeister, die die Nazis 1933 vornahmen. Adenauer war in der Nazi-Zeit bekanntlich vornehmlich Rentner und “Privatier”, hatte also viel Zeit.

Adenauer Erfindung I: Elektronischer Insektentöter
Adenauers “Elektronischer Insektentöter” für die Gartenarbeit. Das skurrile Gerät soll tatsächlich funktionieren. Allerdings stellte die AEG, die den Insektentöter seinerzeit testete, fest, dass er - bei einer gewissen Portion Pech - auch für den Nutzer „absolut tödlich“ sein kann. Mit Strom soll man halt nicht spielen …

Adenauer Erfindung II: Gießkanne mit aufklappbarem Brausekopf
Ein Gießkanne mit aufklappbarem Brausekopf.

Adenauer Erfindung III: Harke mit Hammerkopf

Nützliches für die Gartenarbeit die Dritte: Eine Harke mit Hammer zum Zerklopfen von Erdklumpen. Der Hammer ähnelt auffällig einem Fleischklopfer (einige vermutem: Jenem Fleischklopfer, den Adenauers Frau in der Küche benutzte).
Adenauer Erfindung IV: Elektrischer Brotroster mit Spiegel und Beleuchtung
Ein Brotröster mit Sichtscheibe, Innenbeleuchtung und Innenspiegel (der genaue Nutzen dieser Erfindung hat sich mir noch nicht erschlossen).
AEG Stopflicht
Ein beleuchtete Stopfei der Firma AEG. Ein sehr ähnliches kleines Helferlein zum Sockenstopfen hatte auch Adenauer erfunden, bekam aber seinen Patentantrag nicht durch (Für ein derartiges Gerät existierte wohl bereits ein Patentschutz in der Schweiz und in den USA).


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