Ruhiges Pfingstwochenende in der Lutherstadt Eisleben
geschrieben von zlatan i. (3. Juni 2010)

Eisleben Lutherdenkmal Marktplatz Wer nach Eisleben in Sachen-Anhalt kommt, wie ich am Pfingstwochenende, wundert sich in der Regel ein wenig: Eisleben ist der Geburts- und Sterbeort Martin Luthers, gehört zu den drei Städten in Deutschland, die den Beinamen „Lutherstadt“ tragen (neben Wittenberg und Mansfeld), und beherbergt zwei UNESCO-Welterbestätten (das Geburtshaus und das „Sterbehaus“ des großen Reformators) - übermäßig viele Touristen begegnen einem in Eisleben allerdings mitnichten. Kein Vergleich jedenfalls zu Wittenberg, der „Stadt der Reformation“, wo Luther einst in seinem Arbeitszimmer im Turm des Ausgustinerklosters (dem heutigen „Lutherhaus“) zu seinem bahnbrechenden neuen Verständnis von der „Gerechtigkeit Gottes“ gelangte („Turmerlebnis“) und wo die Schlosskirche steht, an deren Tür der Reformator seine berühmten 95 Thesen schlug. Nach Wittenberg - dessen Altstadt zweifellos ein großartiges „Freilichtmuseum der Reformation“ ist - zieht es die inländischen und ausländischen Touristenströme (nicht zuletzt viele Reisebusse mit US-Amerikanern). In Eisleben dagegen - das zwar weniger als Wittenberg, aber trotzdem eine Menge „Luther“ zu bieten hat - kann es einem passieren, den wunderschönen mittelalterlichen Marktplatz mit dem Lutherdenkmal am Sonntagvormittag menschenleer vorzufinden (siehe Foto). Touristen- bzw. Souvenir-Shops gibt es in Eisleben, passend dazu, nur wenige - und die haben sonn- und feiertags größtenteils zu (wie auch die Tourist-Info). Einige Luther-Souvenirs erhält man im Hotel “Graf von Mansfeld”. Einen Kiosk (zum Eindecken mit Softdrinks, Zigaretten, Zeitschriften usw.) habe ich in Eisleben gar nicht entdecken können.

Die positive Seite der Medaille: Eisleben ist angenehm ruhig, gemütlich und überschaubar. An guten Hotels fehlt es nicht (ich logierte im empfehlenswerten Parkhotel Schnorr an der Bahnhofstrasse - hübsch gelegen, saubere Zimmer, solides Frühstück, freundliche Betreiber - was will man mehr?) und dank türkischer, südeuropäischer und fernöstlicher Einwanderer haben auch an Sonn- und Feiertagen einige Restaurants und Imbisse geöffnet. Großer Beliebtheit erfreut sich das am Markt gelegene deutsche Eiscafé & Bistro Müller.

Eisleben Luther GeburtshausOffensichtlich ist auch, dass die öffentliche Hand in Eisleben deutlich weniger Geld in den Reformations-Tourismus gesteckt hat als in Wittenberg. Aber immerhin: Luthers Geburtshaus wurde zwischen 2005 und 2007 gründlich renoviert. Das Museum im Geburtshaus der Reformators ist seitdem deutlich moderner gestaltet und ausgerüstet als sein Pendant im Lutherschen „Sterbehaus“ (nebenbei bemerkt: Jenes Haus am Andreaskirchplatz, das touristisch als Museum “Luthers Sterbehaus“ vermarktet wird, ist höchstwahrscheinlich gar nicht das wirkliche Sterbehaus des Reformators. Nach neueren Forschungen verstarb Luther im Haus des heutigen Hotels “Graf von Mansfeld” am Marktplatz - siehe Wikipedia. Dem Besucher wird diese historische Wahrheit vor Ort nicht gerade „aufgedrängt“, aber was soll’s: Im Museum “Luthers Sterbehaus“ gibt es immerhin u. a. die Totenmaske des Reformators zu sehen und vor allem: zwischen dem vorgeblichen und dem wirklichen Sterbehaus Luthers liegen vielleicht 100 Meter). Nicht unterschlagen werden soll an dieser Stelle auch: Seit kurzem gibt es in bei der Tourist-Info einen Audio-Guide für die Erkundung der Eislebener Lebensstationen des Reformators. Auch Urlaub-im-web berichtete darüber (siehe hier).

Ich jedenfalls, der ich übermäßigen Touristenrummel nicht mag, habe mich in Eisleben - trotz der genannten Einschränkungen - wohlgefühlt. Nach Wittenberg kommt man bequem mit der Deutschen Bahn (Fahrtzeit rund eine Dreiviertel Stunde, über Halle an der Saale). Mein Tipp daher: Wenn 2017 in der Region „500 Jahre Reformation“ gefeiert wird und Sie wollen dabei sein, aber nicht mitten im größten Trubel sitzen, nehmen Sie sich ein Hotel in der „Lu Eisleben“! Zumindest ein Kurzbesuch in Eisleben sollte für geschichtsinteressierte Touristen und evangelische Christen ohnehin ein “Muss” sein - auch unabhängig vom großen Reformationsjubiläum.

Natürlich kann hier nicht der Ort sein, um die bedeutenden Luther-Sehenswürdigkeiten in Eisleben näher zu beschreiben. Wikipedia leistet auf diesem Feld gute Dienste. Nähere Infos gibt es auch auf www.eisleben.eu.

Ein paar hübsche Fotos hatte ich allerdings bei der Heimreise im Gepäck …

So sahen zu Luthers Zeiten Wiegen aus. In einem ähnlichen Möbel hat auch der junge Martin gelegen, ausgestellt ist die Nachbildung in Luthers Geburtshaus.

Nachbildung zeitgenössische Wiege Luther Geburtshaus

Hier der Eingang zum Museum “Luthers Sterbehaus”.

Eisleben Museum 'Luthers Sterbehaus'

Ausgestellt ist im Museum - neben vielem anderen - auch die Totenmaske Dr. Martin Luthers.

Dr. Martin Luthers Totenmaske

Kommentare:
4 Kommentare zu "Ruhiges Pfingstwochenende in der Lutherstadt Eisleben"
Guenther Troege am 6. Juni 2010 um 16:33

In Eisleben hat sich in den letzten Jahren doch einiges zum positiven in Sachen Tourismus geändert.Ein Besuch lohnt sich bestimmt. Mit Souvenirs tut man sich bei uns hier noch etwas schwerfällig.Im Hotel “Graf von Mansfeld” hingegen gibt es aber qualifizierte Souvenirs rund um die Familie Luther sowie auch auch Musik aus der Mansfelder Region.
Eisleben und das Mansfelder land ist schon eine Reise wert.


zlatan i. am 7. Juni 2010 um 10:55

Tag Herr Troege.

Danke für den Hinweis mit den Souvenirs im Hotel Graf von Mansfeld. Habe die Info in den Text aufgenommen.

Grüße: zlatan i.


fgert am 9. August 2010 um 10:22

Das mit den Besucherströmem stimmt leider. Sonn-und Feiertags ist es wirklich menschenleer und dadurch das es nur wenige Cafés und Restaurants gibt, die zum gemütlichen Sonntagsbrunch einladen, ist das auch kein Wunder. Ich denke aber mal, das liegt daran, das die Stadt selbst noch ein bißchen mehr PR machen muss. Aus Geschichten rund um Luther lässt sich auf jeden Fall noch eine Menge machen. Hier gibt es so viele Möglichkeiten, die noch aushgeschöpft werden können. Hier fehlt wohl nur noch die zündende Idee.


www.urlaub-im-web.de am 1. Juni 2011 um 16:16

Ruhiges pfingstwochenende in der lutherstadt eisleben.. Bang-up :)


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