Prag - Touri-Hinweisschilder geben sich weiterhin ‘merkwürdig einsprachig’
geschrieben von zlatan i. (1. Oktober 2009)

Touristische Hinweisschilder in Prag. Foto: genvesselWer sich in Prag als Tourist orientieren will, stößt auf eine kleine, sicher überwindbare, aber nichtsdestotrotz interessante Schwierigkeit: Die touristischen Hinweisschilder in der Donaumetropole sind weiterhin - auch 20 Jahre nach der „samtenen Revolution“ - durchgängig einsprachig. Wenn man in der Donaumetropole etwa nach der Prager Burg sucht, sieht man auf den städtischen braunen Hinweisschildern neben einer stilisierten Darstellung der Burg und einem Pfeil, der die Richtung anzeigt, nur die tschechische Aufschrift „Pražský Hrad“. Die englische Bezeichnung „Prague Castle“ - oder gar die deutschsprachige Aufschrift „Prager Burg“ - bekommt man nicht zu lesen. Weitere Beispiele sind der Židovský hřbitov (der Jüdische Friedhof) und der Prašná brána (Pulverturm). Ostdeutsche Touristen mögen diese tschechischen Namen noch aus ihren Vor-89-Reiseführern kennen (in der DDR scheute man aus historischen Gründen eine allzu forsche „Eindeutschung“ tschechischer Bezeichnungen, außerdem waren DDR-Bürgern slawische Sprachen wg. ihrer Schulrussisch-Kenntnisse weniger fremd); andere Besucher aus Westeuropa oder Nordamerika dürften sich dagegen ein wenig wundern.

Interessant ist der Hintergrund des Ganzen. Er zeigt mal wieder, dass in Tschechien Recht und Gesetz ausgesprochen ernst genommen werden. So ernst, dass dies gelegentlich zu echten „Schildbürgerstreichen“ führen kann (nicht umsonst wird Prag gern als „Haupstadt von Kafkaland“ gehänselt*)

Beruhigend ist immerhin: Mit tschechischen Nationalismus hat die Einsprachigkeit der Schilder definitiv nichts zu tun. Der entscheidende Punkt: Touristische Hinweisschilder zählen nach tschechischem Recht zu den Verkehrsschildern. Und Verkehrsschilder dürfen - auch in Tschechien - nur in der Landessprache beschriftet sein. An diese Gesetzeslage ist natürlich auch die Prager Stadtverwaltung gebunden.

Stellt sich die Frage: Besteht Hoffnung, dass die einschlägigen gesetzlichen Vorschriften in absehbarer Zeit geändert werden? Die Prager Stadtverwaltung jedenfalls entfaltet aktuell eine rege „Lobbytätigkeit“ in diese Richtung. Allerdings herrscht Skepsis. In Tschechien ist das Ändern von Gesetzen eine zähe und langwierige Angelegenheit. Spötter sagen: Die schnellere Weg für ausländische Touristen, die Schilder lesen zu können, dürfte folgender sein: Fangen Sie an, Tschechisch zu lernen …

(* siehe auch hier)

Foto: Touristische Hinweisschilder in Prag. Urheber: genvessel, Lizenz. cerative commons.


Kommentare:
3 Kommentare zu "Prag - Touri-Hinweisschilder geben sich weiterhin ‘merkwürdig einsprachig’"
tricks zum geld am 3. Januar 2010 um 22:22

Ich merke gerade das ich diesen Blog deutlich öfter lesen sollte- da kommt man echt auf Ideen.


trips&tricks am 4. Januar 2010 um 01:24

Da fragt man sich beim lesen ja schon, ob man nicht irgendwie auf den Kopf gefallen ist.


realkontrol am 27. Juli 2010 um 19:00

Nun lebe ich als Deutscher schon einige Jahre in der Goldenen Stadt Prag und verstehe diesen Artikel nicht. Sämtliche Stadtpläne sind auf Tschechisch beschriftet. Wenn man jetzt eine Sehenswürdgkeit sucht und auf der Stadttour eins der hier besprochenen Hinweisschilder zu Hilfe nimmt, dann kann man doch innerhalb der Sprache viel leichter vergleichen, als wenn man sich das erst umständlich vom Deutschen ins Tschechische übersetzen muss. Wenn jedes Schild dreisprachig beschriftet wäre, dann müsste es entweder grösser sein oder die Schrift kleiner. Ersteres führt zu einem noch grösseren Schilderwald, das zweite führt dazu, dass man evtl. ohne Sehhilfe die Schrift gar nicht mehr richtig lesen kann.
Die Bezeichnung “Hauptstadt von Kafkaland” ist mir neu, eher würde passen “Hauptstadt des braven Soldaten Schwejk”.


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