In der Semana Santa (Karwoche) finden in allen andalusischen Städten Osterprozessionen statt: Prunkvolle Events, über die in letzten Jahren auch in deutschen Medien des öfteren berichtet wurde. Neugierig geworden, nutze ich gerne die Gelegenheit, während der Semana Santa einige Tage in Málaga zu verbringen.
Ein Fazit vorweg: Es hat sich gelohnt. Obwohl die ganze Stadt auf den Beinen war und auch zahlreiche Besucher aus der weiteren Umgebung die Straßen zusätzlich bevölkerten, war die Stimmung ausgesprochen friedlich. Betrunkene habe ich an den drei Tagen vor Ort nicht gesehen (auch nicht spät in der Nacht), ein wohltuender Kontrast zu vielen deutschen Events. Eine Osterprozession in Spanien ist keine in sich geschlossene Veranstaltung, sondern die Summe vieler verschiedener Umzüge. 
Jede Prozession beginnt an der Heimatkirche der Bruderschaft, die die Prozession durchführt, und endet auch dort. In der Semana Santa finden jeden Tag andere Prozessionen statt, die zu verschiedenen Zeiten beginnen und enden. Da aber alle Prozessionen durch die Innenstadt ziehen wollen, treffen sie sich dort. Den ganzen Abend und die halbe Nacht zieht so eine Prozession nach der anderen durch die größeren Altstadtstraßen.
Damit das Ganze reibungslos vonstatten geht, ist der Ablauf minutiös festgelegt. Die Organisation ist beeindruckend perfekt. Es gibt an den Hauptstraßen Durchlässe aus Stahl, die regelmäßig geöffnet werden. Sobald eine Prozession eine Pause einlegt, können die Zuschauer die Straße wechseln, wobei natürlich auch mal längere Wartezeiten entstehen können. An der Hauptstraße sind Stuhlreihen aufgestellt, die Interessenten für die ganze Woche mieten können.
Der Preis beträgt zur Zeit 89 Euro pro Saison. Viele Familien aus Málaga haben seit Jahrzehnten „ihre“ Stühle gemietet und beobachten mit Freunden, Verwandten oder Nachbarn an allen oder einigen Tagen das Geschehen auf der Straße vor ihnen.
Wer sich das Geld sparen möchte, der sucht sich Stunden vor der Prozession etwas außerhalb der Altstadt eine passende Stelle am Straßenrand, stellt mitgebrachte Klappstühle auf und verbringt die Wartezeit mit Lesen, Small Talk, Dösen oder Essen. Da in Málaga die Temperaturen in der Karwoche meist angenehme 20 Grad erreichen und Regen eher selten fällt, gestaltet sich die Wartezeit im Freien recht angenehm.
Die Prozessionen selber bestehen aus den Büßern, die an ihren Mänteln und langen Spitzhauben leicht zu erkennen sind, den Trägern, die tonnenschweren Marien- und Christusstatuen auf ihren Schultern tragen, und Musikgruppen, die für die angemessene musikalische Untermalung sorgen.

Irgendwie hatte ich mir die Prozession ein klein wenig ernsthafter vorgestellt. Die Zuschauer kommen um zu sehen und gesehen zu werden, Tradition und Geschichte stehen im Vordergrund, religiöse Motive scheinen weniger wichtig. Aber vielleicht bewirkt der religiöse Hintergrund die friedfertige Stimmung? - Trotzdem, viele Teilnehmer der Prozessionen, die Mitglieder der Bruderschaften scheinen das Ganze eher als Sport oder Gaudi zu sehen, nicht alle wirken während der Prozession ernsthaft und in sich gekehrt, manche kauen Kaugummi oder haben gar eine Zigarette im Mundwinkel.
Wie auch immer, die Prozessionen sind ein unvergessliches Erlebnis und in Málaga weisen sie noch eine Besonderheit auf: Bei der Prozession der Bruderschaft Mena nehmen Einheiten der Spanischen Legion, der früheren Fremdenlegion teil.
Selbst wenn die Soldaten Kirchenlieder singen, hört sich das sehr martialisch an und unwillkürlich fallen einem die Legenden rund um diese Eliteeinheit ein, die früher Legionäre waren, aber heute in die spanische Armee eingegliedert sind. Waffentragende Soldaten bei einer Prozession, das wäre in Deutschland doch recht ungewöhnlich. In Málaga gehört es zur Tradition dazu, und auch wenn man als Deutscher etwas irritiert ist, die Zuschauer achten „ihre“ Soldaten. Bestes Beispiel ist die Parade am Donnerstagmittag. Sie ist der absolute Höhepunkt der Semana Santa. Während der Zeremonie, die die religiöse und militärische Traditionen der Stadt in sich vereint, wird die Statue Cristo de la Buena Muerte (Christus des schönen Todes) den Zuschauern präsentiert, aber auch gleich wieder in die Kirche zurückgetragen. Erst kurz vor 20.00 Uhr ist der offizielle Beginn der Prozession der Bruderschaft (Hermandades) Mena. Dann wird Cristo de la Buena Muerte erneut aus der Kirche Iglesia de Santo Domingo getragen und etwa sechs Stunden lang in der Stadt präsentiert.
Übrigens, in Málaga finden sich zahlreiche Restaurants und Tapabars, um sich zwischendurch zu stärken. Und wenn man nicht jede Prozession mitbekommt: am nächsten Tag geht es weiter, so dass man als Besucher locker an die Sache herangehen kann. Auch wenn die Semana Santa zeitig im Frühjahr ist, ein Spaziergang am Strand trägt zusätzlich dazu bei, den Alltag in Deutschland einige Tage hinter sich zu lassen.
Kommentare:
1 Kommentar zu "Málaga: Aufmarsch der Fremdenlegion"
Klaus am 22. August 2010 um 14:47
Sehr schöner Beitrag über Málaga! Ich lebe in Malaga un finde die Semana Santa jedes Jahr wieder beeindruckend. Dennoch würde ich Reisenden doch empfehlen gerade nicht zur Semana Santa zu kommen! Alles ist voll, die ganze Stadt bestuhlt, teuer, überlaufen ….. Vielleicht ein Tipp: Vieleicht eine Woche vorher anreisen, Sehenswürdiglkeiten mitnehmen und maximal noch den “Lunes Santo” mitnehmen, also der Kar Montag, hier dann zu sehen und spektakulär die “Cristo de los gitanos”, hier also alle Zigeuner aus Malaga und Umgebung zu sehen, die hinter dem Thron singen und beten . Absolut fantastisch und ein wirklicher Höhepunkt der Semana Santa in Malaga.