Wenn das Thema Umwelt, Klimaerwärmung usw. aufs Tapet kommt, dann stellt sich bei vielen Mitmenschen kurzzeitig durchaus eine betroffene Stimmung ein, es wird lamentiert, aber vor der eigenen Nase kehrt kaum jemand. Das eigene Verhalten ändern, das ist doch eher nicht angesagt. Dies gilt auch für das Thema Umwelt und Urlaub.
Oft werden Fernflüge als Klima- und Umweltkiller Nummer eins dargestellt, was nicht unbedingt stimmt. Wenn ein Student oder Schüler nach bestandenen Abschluss nach Australien fliegt, dort mehrere Monate verbringt, um sich das Land anzusehen, mit Bus und Bahn reist, dann ist seine persönliche Umweltbilanz zwar nicht so toll als wenn er in Europa geblieben wäre und ohne Flüge ausgekommen wäre, aber durch die lange Verweildauer vor Ort sind solche Fernflüge akzeptabel. Bei einer dreiwöchigen Reise kommt es auf den Einzelfall an, ob die Reise ökologisch vertretbar ist oder nicht. Beispielweise kommt es darauf an womit und wie man im Land reist, was für eine Ökobilanz das gebuchte Hotel hat, wie es gebaut wurde, wie es seinen Strom erzeugt, wie es seine Abfälle entsorgt…Fernflüge für ein oder zwei Wochen Urlaub sind ökologischer Wahnsinn.
Besonders schlimm ist es, wenn man um die halbe Welt jettet, um vor Ort auf ein Kreuzfahrtschiff zu steigen…
Kreuzfahrtschiffe, der Name kommt vom Wort Kreuzen. „Gegen den Wind kreuzen“ und war ein Begriff aus der Zeit als die Schiffe noch Segel trugen. Was für ein Kontrast: Segelschiffe brauchten keinen Treibstoff, die Passagiere und Besatzungsmitglieder mussten mit Wasser und anderen Ressourcen sparsam umgehen…
Luftverschmutzung
Wie sieht es heute aus? Die Motoren moderner Kreuzfahrtschiffe schlucken beispielsweise Schiffsmaschinen-Schweröl, ein Treibstoff, der z.B. bis zu 2700 mal mehr Schwefel enthält als Autodiesel, vom Ruß, Feinstaub und CO2 mal ganz abgesehen! Für ein mittleres Kreuzfahrtschiff mit 3.500 Passagieren wird so viel Energie benötigt wie für eine Stadt von 70.000 Einwohnern.
Wasserverschmutzung, Zerstörung von Meeresgebieten
Es gibt Kreuzfahrtschiffe in der Karibik, die lassen hunderte von Tauchern gleichzeitig an Korallenriffen tauchen, mit entsprechenden Folgen für das empfindliche Ökösystem. Andere ankern an künstlichen Eilanden oder Privainseln oder überfordern kleine Inseln mit tausenden Besuchern täglich. Das Schlimmste ist aber die klammheimliche Abwasserentsorgung in die karibische See. Neben Fäkalien und anderen Abwässern gelangen auch Chemikalien aller Art und ölhaltige Bilgenabwässer in großen Mengen ins Meer.
Aber nicht nur in der Karibik, auch in der Ostsee gibt es die Probleme. 17 von 19 Reedereien weigern sich bis heute ihre Abwässer umweltgerecht an Land entsorgen zu lassen. Nur die Deilmann Reederei und AIDA Cruises halten sich an zeitgemäße Standards, die auf Vorschlag vom WWF entwickelt wurden. Die anderen Schiffe verklappen weiterhin in der Ostsee. Kein Wunder, dass immer größere Meeresgebiete frei von Sauerstoff und damit von Leben sind.
In Norwegen hält sich die Hurtigroute an moderne Umweltstandards, aber die Schiffe der Hurtigrouten sind auch keine reinen Kreuzfahrtschiffe, sondern klassische Linienschiffe. Übrigens, die Fährschiffe in Ost- und Nordsee halten weitgehend die modernen Umweltstandards ein. Warum schaffen die das?
Stinkende Fjorde, Ruß, Feinstaub, Schwefel in unseren Häfen
Kreuzfahrtschiffe aus aller Welt sorgen windarmen Tagen mit ihren Auspuffgasen dafür, dass in viel besuchten norwegischen Fjorden die Luft schlechter ist als in so mancher Großstadt, Wahnsinn.
Selbst wenn ein Schiff im Hafen liegt wird der Strom aus Schweröl selber produziert, es stinkt, die Hafenanwohner dürfen den Mist einatmen, anstatt das Kreuzfahrtschiff sich über Landstrom leise und umweltvertäglich mit Energie versorgt. Aber das wäre wahrscheinlich teurer.
Es gibt heute moderne Schiffsmotoren, bei denen Emissionswerte bei Stickoxiden und Ruß deutlich reduziert sind, aber ob das ausreicht? Jemand der mit gutem Umweltgewissen in den Urlaub fahren möchte, der wird auch in Zukunft kaum ein großes Kreuzfahrtschiff betreten.
Kommentare:
1 Kommentar zu "Kreuzfahrten - Traumurlaub oder Wahnsinn?"
A. Baki am 11. Februar 2010 um 22:00
Ich könnte auf einem Kreutzfahrtshiff nicht aushalten! Würde mich wie im Gefängnis fühlen