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Italiens Touristenorte wollen Markenpiraterie bekämpfen - fragt sich nur, mit welchen Mitteln
„Ingrid“, wie die Frau in der italienischen Presse genannt wird, hatte im Adria-Seebad Jesolo (nahe Venedig) ihr Louis Vuitton-Plagiat von einem Straßenhändler aus Nordafrika gekauft. Was Ingrid nicht wusste: In Jesolo fährt man seit Anfang dieser Saison bei der Bekämpfung des Handels mit gefälschten Markenwaren eine „Null-Toleranz“-Strategie. Und lässt das Treiben der fliegenden Händler und ihrer Kundschaft von Polizisten per Fernglas beobachten. So war Ingrid natürlich einigermaßen überrascht, als plötzlich ein als Tourist getarnter italienischer Beamter (mit Sonnenbrille und kurzen Hosen) vor ihr stand und ihr die 1.000-Euro-Geldstrafe aufbrummte. Ingrid beteuerte, nicht gewusst zu haben, dass es sich bei dem Kauf um einen Gesetzesverstoß handelte, wurde wütend und weigerte sich zu zahlen. Ein- und vor allen weitsichtiger zeigten sich Jesolos Hoteliers. Deren Verband fürchtet - natürlich - einen Imageschaden für das Seebad. Seine Argumentation: Eine Bekämpfung des Handels mit gefälschten Markenprodukten ist in Ordnung, aber „ein Ort, der vom Tourismus lebt, muss dafür sorgen, dass die Besucher über die Strafen auch Bescheid wissen”. Der Verband entschuldigte sich (sozusagen für den Stadtrat) bei Ingrid, übernahm die Zahlung der Geldstrafe und bot der Wienerin obendrein einen kostenlosen Urlaub in Jesolo an. Ingrid hat das Angebot inzwischen angenommen. So weit, so gut also. Bleiben zwei Fragen: 1. Was ist eigentlich mit dem nordafrikanischen Straßenhändler passiert? Antwort: Er wurde nach seiner Verhaftung abgeschoben (eine Tatsache, die in den Presseberichten zum Ereignis nicht immer erwähnt wird). 2. Was heißt das ganze für die Masse der Italien-Touristen ? Die Antwort darauf hängt davon ab, wie viele italienische Ferienorte dem Null-Toleranz-Beispiel von Jesolo folgen werden. Die Badische Zeitung z. B. äußert Bedenken, ob Italiens Touristenresorts überhaupt über genug Polizei für eine flächendeckende Überwachung der fliegenden Händler verfügen, vor allem in der Sommersaison. Ein solcher Personalmangel könnte aber gerade für einen Rückgriff auf „harte Exempel“ nach dem Jesolo-Muster sprechen. Stichwort „Abschreckung“. Allerdings gehen schon heute einige Gemeinden bewusst andere Wege als die ultrarechten Lega-Nord-Saubermänner in Jeselo. In dem kleinen Badeort Castiglione della Pescaia in der Toskana verleiht man an die Strandverkäufer offizielle Verkaufslizenzen. So weiß jeder Tourist: Kauft er bei einem lizenzierten Händler, geht er kein Risiko ein; kauft er bei einem Händler ohne Lizenz, darf er später nicht jammern, wenn es Problem mit der Polizei gibt. Andere Gemeinden wollen diesem Beispiel folgen, wie die Badische Zeitung berichtete. Foto: Designertaschen eines Straßenhändlers. Urheber: Bob Doran
Kommentare:
1 Kommentar zu "Italiens Touristenorte wollen Markenpiraterie bekämpfen - fragt sich nur, mit welchen Mitteln"
Margarete Bärwald am 15. September 2011 um 11:40
Neu sind diese ganzen Maßnahmen nicht - das sieht mehr wie ein Kampf gegen Windmühlen aus. Hinterlasse einen Kommentar
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