Kommt erfolgreiche Tourismuswerbung für eine typische Strand- und Party-Destination auch ohne die Abbildung attraktiver “Bikini Nixen” aus? Im indischen Goa, das unter seinem schlechten Ruf als Reiseziel von Sextouristen leidet und erst jüngst wieder durch Vergewaltigungsfälle in die Schlagzeilen geraten ist, will man jetzt die Probe aufs Exempel machen: Das Fremdenverkehrsamt des kleinsten indischen Bundestaates hat laut englischsprachigen Presseberichten beschlossen, Darstellungen Bikini-bekleideter Frauen aus touristischen Werbeanzeigen über Goa zu verbannen. Dies soll z. T. auf gesetzlichem Wege passieren, z. T. sollen private Tourismusanbieter lediglich “angehalten” werden, auf derartige Bilder zu verzichten.
Ziel ist es, das Image Goas und die soziale Struktur der Urlaubsgäste zu verändern - und dies möglichst ohne Einbußen bei den Gästezahlen. “Der Tourismus wird keinen Schaden nehmen, wenn Bikini-bekleidete Frauen aus den Werbepostern verschwinden, und es könnte sogar helfen, dass mehr gute Touristen (good tourists) zu uns kommen”, stellte Ralf De Souza, der Präsident der Travel and Tours Association of Goa (TTAG), dazu fest. Chefminister Digamber Kamat äußerte sich ähnlich: “Wir sollten auf sauberen Tourismus setzen. Die Regierung wird das in ihrer Macht Stehende tun, dass Goa vom schlechten Tourismus (bad tourism) verschont wird.” Tourismusminister Francisco Pacheco glaubt, dass Werbeaufnahmen mit Frauen in Bikinis suggerieren, man käme in Goa leicht an “Sex und Drogen”.
Unmittelbarer Anlass für das aktuelle Verbotsvorhaben war die Drohung Russlands, seine Bürger zukünftig vor Reisen nach Goa zu warnen. In letzter Zeit erlebte Goa eine Reihe spektakulärer Vergewaltigungsfälle, von denen häufig russische Frauen bzw. Mädchen betroffen waren.
Inwieweit das Verbotsvorhaben nennenswert zur Erreichung der gesteckten Ziele beitragen kann (langfristig möchte sich Goa ein Image als “Familiendestination” aufbauen), ist natürlich umstritten. Der Verzicht auf Werbefotos mit jungen “Bikini-Frauen”, also auf Bilder, die tatsächlich meist auf “Männeranimation” und “Fleischbeschau” ausgerichtet sind, ist aber zweifellos zu begrüßen.
Foto: Strandszene in Goa ohne “Bikini-Frauen”. Urheber: Subhash Chandra. Lizenz: creative comons.
Kommentare:
1 Kommentar zu "Goa - Tourismuswerbung soll ohne ‘Bikini-Nixen’ auskommen"
Michaela am 5. Februar 2010 um 12:54
Die Lösung heißt dann wohl Burkini statt Bikini…Ganz toll, da will man hin!