Einmal ist keinesfalls keinmal oder Freizeit am Spielfeldrand
geschrieben von Veto (4. März 2010)
Er gibt Menschen, die gehen einer geregelten Arbeit nach und freuen sich auf ihr freies Wochenende: Ausschlafen, Einkaufen, Fernsehen, Herumsurfen, Reparieren usw..
So geht es Jahr für Jahr. Alles ist wunderbar und könnte so bleiben.
Aber, eines schönen Tages kommt die Tochter oder der Sohn und möchte einem Sportverein beitreten, beispielsweise einem Fußballverein. Die meisten Eltern haben ersteinmal nichts dagegen, der Vereinsbeitrag ist selten besonders hoch, das Kind „ist von der Straße“, tut was für seine Gesundheit.
Das Kind geht trainieren und am Wochenende sind Spiele. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder das Kind bekommt sein Frühstück zu hause, wird verabschiedet und alles Weitere wird dem zukünftigem Star selber überlassen. So lernt er auch sich selber zu organisieren. Oder…
Oder, Mama oder Papa bringen das Kind mit dem Auto hin. Bei Heimspielen zum Vereinsplatz und bei Auswärtsspielen irgendwo in die nähere und weitere Umgebung.. Da das Kind ja auch wieder zurück bleibt man gleich dort und man hat verloren. Am nächsten Wochenende ist wieder ein Spiel…
Das halbe Wochenende – bei den Jüngeren Samstags, bei den Älteren Sonntags - geht für die nächsten Jahre, unter Umständen für viele Jahre, mit Anschauen, Mitfiebern, Ärgern und auch Jubeln (das soll hier nicht verschwiegen werden) drauf.
Glück haben die Eltern, wenn der Verein um die Ecke liegt, dann geht der Sohnemann bei Heimspielen beispielsweise gegen 8.30 Uhr aus dem Haus, die Eltern können sich nochmals rumdrehen, stellen sich den Wecker und sind kurz vor dem Anpfiff um 10.00 Uhr am Platz. Bei Auswärtsspielen rappelt der Wecker um 7.30 Uhr. Waschen, anziehen, Frühstück machen. Um 8.30 Uhr ist Treffpunkt, bei extrem weiter Anreise auch früher. Da kommt Freude auf. Kurz vor 9 Uhr ist man in einer Nachbarstadt oder einem Dorf in der Region, die Spieler ziehen sich um wärmen sich auf und die Eltern stehen blöde herum. Vor allem in der kalten Jahreszeit kein echtes Vergnügen. Wenn man Glück hat, ist die Vereinsgaststätte geöffnet, wenn man Pech hat steht man in der Kälte, solange bis nach dem Spiel die Spieler/Innen geduscht und umgezogen sind. So ist schnell ein halber Tag rum.
Auf dem Fußballplatz lernt man sich und seine Mitmenschen kennen
Fußballspiele finden auch bei Regen, Sturm und Kälte statt. Die Spieler bewegen sich, aber die Zuschauer stehen dumm herum, ärgern sich über den Schiedsrichter (der ist sowieso immer an allem Schuld ;-)), über den gegnerischen Trainer, der seine Spieler anweist „mal richtig ranzugehen“, den eigenen Trainer weil a) die Aufstellung komisch ist b) Tochter/Sohn auf der „falschen“ Position spielt, c) trotz seines überragenden Talents auf der Bank sitzt…
Wer das erste Mal als Vater oder Mutter auf dem Platz steht hat vielleicht Glück, alles geht gesittet zu, der gegnerische Trainer ist kultiviert, seine Spieler spielen fair. Kurz die Stimmung ist entspannt. Aber der Tag wird kommen, da es um wichtige Punkte geht, um Renommee oder um Revanche. Dann wird gefault, ein Abseits übersehen, hinter Rücken des Schiedsrichters wird geboxt, getreten oder auf übelste Art und Weise beleidigt. Wenn Ausdrucke wie Scheißtürke, Nigger oder Hurensohn fallen und der infam beleidigte Spieler ausflippt, dann ist es mit der Ruhe vorbei, auch am Spielfeldrand. In der Regel bleibt es bei bösen Bemerkungen, aber es soll schon zu Schlägereien unter den Eltern und anderen Zuschauern gekommen sein.
Das muss man nun wirklich nicht haben, aber es ist erschreckend, wie aufgewühlt man selber reagiert und selber schimpft. Und es geht dabei nicht nur um das eigene Kind, beileibe nicht.
Im Laufe kurzer Zeit ist man Fan der gesamten Mannschaft und reagiert auf echte oder so empfundene Fehlentscheidungen des Schiedsrichters, auf Fouls und Beleidigungen irrational, fast wie ein Hooligan.
Nachdem man mit dem Fußballvirus befallen ist, fällt es nicht weiter schwer Urlaubstage zu opfern, um einen Teil der Mannschaft zu einem Turnier ins Ausland oder weit entfernt von zu Hause zu fahren oder den Trainer bei der Betreuung zur Seite zu stehen. Das kostet zwar Zeit und Geld, aber so kann man sehen wie sich die Spieler oder Spielerinnen in der Fremde schlagen. Außerdem, was sollte man sonst mit seinen Urlaubstagen anfangen?