Eins vorweg: Ich kenne Andalusien zu allen vier Jahreszeiten. Kennen ist vielleicht zuviel gesagt, hineingeschnuppert habe ich einige Male. Die längste Zeit am Stück war ich in Frigiliana an der Costa del Sol, einem der sogenannten „Weißen Dörfer“, nur wenige Kilometer vom beliebten Urlaubsort Nerja entfernt. Dort verbrachte ich zwei Wochen im August mit relaxen, wandern im Naturpark östlich von Frigiliana und mit Ausflügen in die Umgebung. Besonders schön waren die Abende, wenn Einheimische und Urlauber durch die Straßen schlenderten und irgendwann zum Essen nach Hause gingen oder sich in eines der Restaurants setzen.
Auch der Nachbrort Nerja gefiel mir recht gut, schließlich ist es eine Jahrhunderte alte gewachsene andalusische Stadt in einer Region, die wegen ihres Wasserreichtums schon in der Steinzeit besiedelt war.
Natürlich waren die Straßen der Innenstadt im Sommer voller Touristen, vor allem aus Skandinavien, Großbritannien, den Niederlanden und Deutschlands, aber am Rande von Nerja wurde es ruhiger und die Einheimischen lebten ihr geregeltes Alltagsleben.
Der schönste Punkt Nerjas ist der „Balcon de Europa“. Dort wo einst eine Festung stand, befindet sich heute ein beliebter Platz auf einem großen Felsvorsprung. Von hier aus hat man eine weite Sicht über die Küste und das Meer.
Einige Kilometer in westlicher Richtung liegt Torrox, ein Touristenort, in dem sich die stürmische Entwicklung der Costa del Sol in den vergangenen Jahrzehnten gut nachvollziehen lässt. Die touristische Infrastruktur am Strand ist sehr gut: Liegestuhlverleih, Strandrestaurants und Bootsvermietung usw. sind vorhanden.
Leider stehen einige Hotels direkt an der Küste leer, was einen hässlichen Eindruck hinterlässt. Und nicht nur alte Hotels aus den siebziger Jahren, auch Neubauten stehen halbfertig herum, vermutlich weil der Investor Pleite ging.
Gewachsene Infrastruktur gibt es nicht, alles ist auf das Geschäft mit dem Tourismus ausgerichtet. Eingekauft wird am Ortsrand, hier finden sich zahlreiche Einkaufszentren und Supermärkte.
Auch zwischen den einzelnen Orten der Costa del Sol konzentriert sich alles auf den zahlenden Urlaubskunden und so finden sich überall Restaurants, Bars, Quad-, Auto-, Vespa-, Pony- oder Bootsverleiher und andere Dienstleister.
Das echte Andalusien entdeckt man meiner Meinung nach nicht an der Küste der Costa del Sol, dafür sollte man ins Hinterland fahren.
Eine guten Eindruck erhält man in der Stadt Ronda, etwa eine Autostunde von der Küste entfernt. Zwar finden sich hier ebenfalls viele (Tages-) Touristen, aber dies aus gutem Grund. Die Stadt liegt auf zwei riesigen Felsen mit spektakulären Ausblicken über eine andalusische Bilderbuchlandschaft und einer atemberaubenden Schlucht mitten im Ort, sehenswert.
In Ronda selber ist die Stierkampfarena ein viel besuchter Ort. In der kleinen Stadt wurden im 18. Jahrhundert die Stierkampfregeln ausgearbeitet, nach denen auch heute noch in ganz Spanien gekämpft wird.
Meine Empfehlung für alle, die keinen Strandurlaub buchen möchten: der späte Herbst ist eine interessante Zeit für abwechslungsreiche Urlaube. Es kann nachts zwar recht frisch werden, vor allem im Gebirge, aber tagsüber sind die Temperaturen oft noch vergleichsweise hoch.
Der Herbst ist eine gute Zeit für Aktivurlaub in Andalusien. Die frische Herbstluft und das klare Licht in der Sierra Nevada nach einer regenreichen Nacht sind unbeschreiblich: Wellness pur. Wer jetzt wandert, mit dem Fahrrad unterwegs ist oder reitet wird traumhafte Urlaubstage erleben, vor allem wenn er auch noch eine Unterkunft in einen der historischen Höhlenwohnungen mit ihrem angenehmen Klima gebucht hat: ein Traum.
Wassersportfreunde wird es ans Mittelmeer ziehen, neben Segeln und Surfern kommen auch Taucher auf Ihre Kosten.
Das Frühjahr lockt Golfspieler in die unzähligen Golfplätze Andalusien, aber zur Semena Santa sollte man sich in die nächste Großstadt aufmachen. Während dieser Zeit (Osterwoche) finden eine ganze Woche lang Prozessionen statt, traditionelle Feste, die zwar katholischen Ursprungs sind, aber für viele Einheimische einfach nur große Fiestas sind, an denen sich fast die ganze Stadt beteiligt. Die Osterprozessionen sind kein Event für Touristen, sondern entspringen einer Jahrhundert alten Tradition und sind auch heute noch bei Jung und Alt beliebt. Die Straßen sind überfüllt, es gibt viel zu sehen, aber Alkoholexzesse und Gewalt gibt es nicht. Kurz: Es gibt keine bessere Gelegenheit Andalusien und seine Menschen kennenzulernen.
Kommentare:
5 Kommentare zu "Andalusien - ein vielseitiges, liebenswertes Ganzjahresreiseziel"
Tina am 21. Juni 2010 um 15:03
Hallo Velo,
deine Beschreibung ist einfach traumhaft. Genau diese Erfahrungen habe ich auch bei meinem letzten Urlaub auf Andalusien gemacht. Wir waren im Oktober da. Es war schon etwas frischer, aber auf unserer Reise (mit Pferden ) konnten wir den traumhaften Strand erkunden.
Gruß,
Tina
Martin am 26. Juni 2010 um 15:03
Sehr schön! Im Winter waren wir leider noch nie in Andalusien… sollten wir auch einmal probieren. Meine Frau und ich bräuchten für unsere kleine Andalusien-Seite noch einige Fotos und evtl. auch Meinungen von anderen Reisenden. Hast du eventuell Interesse dich da einmal zu melden?
Wir würden uns freuen.
Schöne Grüße aus Sevilla,
Martin
Der Artikel liest sich sehr schön und auch Deine Bilder sind klasse! Und Du hast Recht: Der Herbst in Andalusien ist für einen Aktiv-Urlaub sehr zu empfehlen. Im Winter dagegen regnet es oft. Im letzten Winter hatten wir so viel Regen wie seit vierzig Jahren nicht, da muss man schon sehr wetterfest sein um das noch zu genießen.
Conny am 22. Februar 2011 um 11:47
Tolle Bilder und schöner Artikel, die das Leben da richtig gut widerspiegeln
Bei dem Balcon de Europa bekam ich richtig Sehnsucht.
LG,
Conny
Jenni am 6. Juli 2011 um 13:38
Das Hinterland kann ich auch nur empfehlen. Vor allem Ronda, wie Veto schon geschrieben hat, ist einen Besuch wert. Die Baños Arabes und die Brücke Puente Viejo muss man einfach gesehen haben. Die Stadt verströmt einfach ein ganz eigenes, romantisches Flair.