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Urlaub im Appenzellerland - wo die Uhren ruhiger ticken...

Landschaft im Appenzellerland. Fotos: Appenzellerland Tourismus

Ist hier die Zeit stehen geblieben? Und ist das Appenzellerland überhaupt von dieser Welt? Man ist sich nicht sicher, wenn man im Urlaub die sanft gewellte Landschaft durchstreift, die sich vom Bodensee bis zum mächtigen Alpsteinmassiv mit dem Säntisgipfel zieht. Alte, ins satte Grün der Hügel eingestreute Bauernhäuser, malerische Ortschaften, Kuhherden, die über die Strasse getrieben werden und freundlich grüssende Gesichter... Eine Welt für sich ist das Appenzellerland bestimmt. Aber stehen geblieben ist die Zeit nicht. Die Menschen leben ihr Leben und gehen mit Ruhe ihrem Tagwerk nach. Vielleicht aber verstreicht die Zeit hier einfach etwas langsamer als anderswo.

Am Leben der Appenzeller, das zu einem guten Teil dem Rhythmus der Jahreszeiten und den Phasen des Mondes folgt, kann auch der Gast teilhaben. Er ist eingeladen, die alten Bräuche zu bestaunen, die hier noch mit grosser Selbstverständlichkeit gelebt werden. Sei es bei den berühmten "Silvesterchläusen", die mit aufwändigen Maskenaufbauten am 31. Dezember und am 13. Januar in Urnäsch und anderswo durch verschneite Örtchen ziehen. Sei es bei der "Landsgemeinde" in Appenzell am letzten Sonntag im April, die nur noch in zwei Schweizer Kantonen nach altem Brauch mit Handabstimmung abgehalten wird. Oder sei es bei den prachtvollen Alpzügen, den Viehschauen und den "Alpstobeten" - den sommerlichen Älplerfesten.

Lebendige handwerkliche Tradition

Doch nicht nur reiches Brauchtum, auch handwerkliche Traditionen sind im Appenzellerland lebendig. In der Werkstattgalerie von Dölf Mettler im malerischen Städtchen Appenzell entstehen unter den Augen der Besucher haarfein gemalte Ölbilder von Alpzügen, wie sie schon vor 200 Jahren von Bauern in Auftrag gegeben wurden.

Ein paar Strassen weiter steht das Haus von Hampi Fässler, der wie sein Vater schon als Sattler das Ledergeschirr für die Senntumsschellen oder auch die reich mit metallenen Verzierungen versehenen Trachtenhosenträger herstellt.

Im Museum in Appenzell kommt man nicht nur bei den wöchentlichen Vorführungen dem Stickereihandwerk auf die Spur, in den Schaukäsereien in Stein und auf der Schwägalp schaut man dem Käser ins "Chääsechessi", wo der bekannte Appenzeller Käse hergestellt wird.

Doch niemand sei überrascht, wenn ihm beim Besuch eines Handwerkers, bei der Museumsführung oder bei einem Bauern die eine oder andere schlagfertige Replik serviert wird: Die Appenzeller sind berühmt für ihren trockenen Humor.

Aussichtsreiche Wanderungen

Alpsteinkulisse mit Säntis.

1.200 Kilometer markierte Wanderwege erwarten einen beim Urlaub im Appenzellerland. Dabei reicht die Bandbreite vom voralpinen Wandern etwa im hügeligen Appenzeller Vorderland mit Blick auf den Bodensee und ins Rheintal bis zu Höhenwegen und Klettersteigen auf über 2.000 Metern. Der Alpstein mit dem Säntisgipfel (2.502 Meter) ist der beherrschende Berg der Ostschweiz und mit seinen Bergseen ein enorm vielfältiges Wandergebiet. Vier Bergbahnen bringen Wanderer, die lieber weiter oben starten, in aussichtsreiche Höhen: von Wasserauen aus zur Ebenalp, von Brülisau aus zum Hohen Kasten, von Jakobsbad auf den Kronberg und von der Schwägalp auf den Säntisgipfel. Hier lockt ein hochmodernes Gipfelzentrum mit Ausstellungen und einem Panoramarestaurant. Wo auch immer man im Alpstein unterwegs ist: Den Proviant kann man getrost im Rucksack lassen. Mit 28 Berggasthäusern verfügt das Wanderrevier über eine unvergleichlich hohe "Versorgungsdichte", die von der urchigen Hütte bis zum leistungsfähigen Selbstbedienungsrestaurant reicht.

Ein Kleinod bei der Ebenalp

Das skurrilste und bekannteste Beispiel ist das gemütliche Berggasthaus Aescher: Das alte Gebäude ist so in einen überhängenden Fels gebaut, dass die vierte Hausseite vom Stein gebildet wird und das Haus im Ganzen vor widriger Witterung gut geschützt ist. Ganz in der Nähe kommt man zu einer besonderen Sehenswürdigkeit: der prähistorischen Wildkirchlihöhle, in der bis vor 150 Jahren noch Einsiedler lebten. Im "Wildkirchli", im Innern der Höhle, finden während der Alpzeit traditionell die Berggottesdienste statt.

Appenzell, Gais und andere hübsche Orte

Nach einer abwechslungsreichen Wanderung kann man den Tag gemütlich in einem der hübschen Appenzeller Orte ausklingen lassen. In der malerischen Altstadt von Appenzell - dem Hauptort des Kantons Appenzell-Innerrhoden - zieren ornamentale Malereien des Künstlers Johannes Hugentobler aus den dreissiger Jahren die schmucken, getäfelten Holzfassaden der Häuser. Nur wenige Kilometer entfernt liegt das Örtchen Gais, das für sein vorbildlich erhaltenes historisches Ortsbild mit dem Schweizer Wakker-Preis ausgezeichnet wurde. Aber auch in Hundwil und Trogen, den beiden traditionellen Landsgemeindeorten von Appenzell-Ausserrhoden, in Urnäsch, Teufen und vielen anderen Orten finden sich die alten Dorfkerne mit den typischen und teilweise sehr repräsentativen Holzfassaden. Zahlreiche Gasthäuser servieren hier hausgemachte Spezialitäten der Region.

"Gsondes" Appenzellerland

Ein Bad in der Molke gefällig? Sie belebt, entschlackt und ist auch sonst sehr bekömmlich. Ebenso wie das heilende Mineralwasser aus der Quelle in Gonten, drei Kilometer oberhalb des Kantonshauptortes Appenzell. Das natriumarme Wasser enthält viel Eisen und andere wichtige Mineralien - ein echter Jungbrunnen für Körper und Geist. Seit mehr als 200 Jahren, lange bevor Wellness zum Dauertrend wurde, suchten namhafte Gäste Erholung und Genesung an tosenden Wasserfällen, in Moorbädern oder ganz schlicht in der guten Luft im Appenzellerland. Der Luftkurort Heiden mit weitem Blick über den Bodensee gelegen, erlangte sogar Weltruf. Neben den "Klassikern" bietet das Appenzellerland heute auch fernöstliche Angebote wie Ayurveda, TaiChi und Chi Gong-Schönheitswochen für Erholungssuchende.

Ein Biedermeierdorf über dem Bodensee

Heiden am Bodensee.

Das Biedermeierdorf Heiden, auf einer Sonnenterrasse über dem Bodensee gelegen, ist ein weiteres Schmuckstück in der Reihe der sehenswerten Orte im Appenzellerland. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1838 wurde der Ort nach strenger Bauvorschrift ganz neu aufgebaut. Seither präsentiert sich Heiden im klassizistischen Stil auf rechtwinkligem Dorfgrundriss. Damals nahm das Dorf mit seiner exklusiven Lage einen gewaltigen Aufschwung als Luftkurort mit dem Spezialgebiet "Molkekuren".

Der berühmteste Gast, der Gründer des Roten Kreuzes und erste Nobelpreisträger Henri Dunant, machte Heiden sogar zu seinem Alterssitz. Von seinem Leben und Werk kündet das "Henri-Dunant-Museum", das in der ehemaligen Klinik, in der Dunant lebte, eingerichtet wurde.

Heiden ist heute Ziel vieler Wanderer, die den "Witzwanderweg" zwischen Heiden und Walzenhausen begehen. Auch heute kann man in den ansehnlichen Orten des Appenzeller Vorderlands, etwa in Heiden, Walzenhausen und Wienacht aktiv etwas für die Gesundheit und das "Well-Being" tun. Zahlreiche Kur- und Wellnesshotels bieten dazu besondere Pauschalen an.

 

Text: Ostschweiz.ch

 

Mehr Infos zum Urlaub im Appenzellerland:

www.appenzell.ch

www.ostschweiz.ch


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