WEINREISE IN DEN ALENTEJO
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Mit dem Hausboot auf dem Alqueva-Stausee
Als wir die Marine von Amieira am Sonntagnachmittag erreichen, herrscht aufgeregtes Treiben. Junge Pärchen genießen die Sonne bei einem Kaffee auf der Terrasse, Rentnerehepaare starten mit dem Ausflugsschiff aufs Wasser und Familien mit Kindern kehren vom Ausflug mit Kajak oder Hausboot zurück. Auch wir wollen den Alqueva mit einem der Hausboote erkunden. Einen Bootsführerschein braucht man für die zehn Stundenkilometer schnellen Boote nicht, lediglich eine kurze theoretische und praktische Einführung sind nötig. Nach einer Stunde sind wir soweit und stechen mit Fahrtziel Estrela in See.
Auf dem See herrscht nur wenig Verkehr, hin und wieder zischt ein Motorboot an uns vorbei, aber das passiert so selten, dass man die Boote an einer Hand abzählen kann. Während der dreistündigen Fahrt nach Estrela genießen wir vor allem die Ruhe und die Aussicht auf die hügelige Landschaft, die sanft in den See hineinreicht. Menschen sieht man keine und nur einige vereinzelte Häuser Weinfelder setzen Zeichen der Zivilisation. Von Golfplätzen und riesigen Hotelanlagen ist – Gott sei Dank – nichts zu sehen. Langsam sinkt die Sonne hinter die alentejanischen Hügel und taucht See und Himmel nacheinander in knallige Orange- und dann sanfte Pastelltöne. Ein wunderschönes Naturschauspiel, das wir bis zum sprichwörtlich letzten Moment genießen.
Erst im Zwielicht erreichen wir Estrela und haben den schwierigsten Teil unserer Bootfahrt noch vor uns: das Einparken. Hier wäre ein Bootsführerschein sicher nicht verkehrt. Nach einigem Hin- und Herrangieren am stockfinsteren Steg von Estrela, beschließen wir schließlich falschrum, also vorwärts, einzuparken. Nun geht es über einen in der Dunkelheit liegenden Pfad zum Dorf Estrela, das aus nur wenigen Häusern besteht. In einem dieser Häuser befindet sich das modern gestaltete Restaurant Sabores de Estrela, das neben einigen Fischgerichten auch alentejanische Fleischgerichte wie Porco Preto (dünne Scheiben vom schwarzen Schwein) bietet. Die Küche ist geschmacklich sehr gut und der Service freundlich – auf eine Weinprobe verzichten wir an diesem Abend jedoch und bevorzugen ein kühles Bier.
Dann geht es ab in die Koje! Auf einem Hausboot finden bis zu zwölf Personen Platz. Fast jede Koje bietet ein separates WC, in dem man sich auch duschen kann. Schöner als sich in das kleine Bad zu zwängen, ist es jedoch, im rund 25 Grad warmen See zu baden. Das machen wir am nächsten Morgen auch. Platz haben wir schließlich genug und bei strahlendem Sonnenschein und Windstille kann man in Ruhe ein paar Runden schwimmen.
Gerne hätten wir etwas mehr Zeit auf dem Boot verbracht und die Sonne und Weite des Alqueva-Sees länger genossen. Doch wir müssen weiter. Von der Marina Amieira fahren wir Richtung Beja. Die inoffizielle Hauptstadt des südlichen Alentejos liegt hinter gefühlten siebzig Hügeln, die laut Fernanda im Frühling ein farbiges Blütenmeer bedeckt. Jetzt sehen wir Störche, Pferde, Ziegen und Kühe – meist von einem strahlend weißen Kuhreiher auf dem Rücken geziert.






